Zauberformel im karnevalistischen Olymp: Das „Heile, heile Gänsje“ von Martin Mundo (1929) bzw. Ernst Neger (1952)

Martin Mundo/Ernst Neger

Heile, heile Gänsje

Bei all den kleinen Kinderlein
gibt's manchen großen Schmerz,
hat's Püppchen was am Fingerlein,
bricht Mutti fast das Herz.
Dann kommt die Mama schnell herbei,
nimmt's Kindchen auf den Schoß
und sagt bedauernd: „Ei, ei, ei,
was hat mein Kindchen bloß?“
Bewegt sie es ans Herze zieht
und singet ihm zum Trost das Lied:

Heile, heile Gänsje,
‘s is bald widder gut,
‘s Kätzje hot e Schwänzje,
‘s is bald widder gut.
Heile, heile Mausespeck,
in hunnert Jahr‘ is alles weg.
Heile, heile Mausespeck,
in hunnert Jahr‘ is alles weg.

Und ist das Kindchen größer dann,
erwacht im Herz die Lieb.
Es dreht sich alles um den Mann,
den bösen Herzensdieb.
Und wenn das Herz in Flammen steht
vor Liebe, Lust und Glück,
der Mann gar oft von dannen geht,
läßt weinend es zurück.
Dann singt die Mutter angst und bang
das Lied das sie dem Kind einst sang:

Heile, heile Gänsje [...]

Das Leben ist kein Tanzlokal,
das Leben ist sehr ernst;
es bringt so manche Herzensqual,
wenn du es kennen lernst.
Doch brich nicht unter seiner Last,
sonst wärest du ein Tor,
und trag, was du zu tragen hast,
geduldig mit Humor.
Und denk dein ganzes Leben lang
ans Lied, das dir die Mutter sang:

Heile, heile Gänsje [...]

[Diverse Zusatzstrophen mit Zeitbezug, z.B. (von Georg Zimmer-Emden):]

Wär ich einmal der Herrgott heut,
so wüsste ich nur ääns:
Ich nähm‘ in meine Arme weit
mein arm‘ zertrümmert Määnz
und streichelt‘ es ganz sanft und lind
und sag: „Hab nur Geduld,
ich bau‘ dich widder auf geschwind,
du warst doch gar nicht schuld.
Ich mach‘ dich widder wunnerschee,
du kannst, du darfst nit unnergeh!“

Heile, heile Gänsje [...]

     [Rohtext von Ingeborg Weber-Kellermann: Das Buch der Kinderlieder. 
     Mainz 1997, S. 68 f. Versgliederung, kleinere Veränderungen bei 
     Orthographie und Interpunktion von mir.]

Das 1929 für die Mainzer Fasenacht von Martin Johann Mundo (1882-1941) getextete, komponierte und auch vorgetragene Lied hat ältere Wurzeln in Kinderreimen des 19. Jahrhunderts, die man kleinen Kindern – im sog. ,Hätschelalter‘ – zum Trost vorsagte, wie z.B. „Heile, heile Segen! / Morgen gibt es Regen, / Uebermorgen Schnee: / Thut’s Kindle nicht mehr weh.“ Oder: „Heile, heile Kätzchen / ’s Kätzchen hat vier Beine / Und einen langen Schwanz: / Morgen ist Alles wieder ganz!“ usw. usw. Solche Sprüche sind bei Karl Simrock (Das deutsche Kinderbuch) und in vergleichbaren Sammlungen traditioneller Kinderverse und -lieder mehrfach überliefert, darunter auch Varianten mit dem Anfang „Heile, heile Gänsje“.

Martin Mundo war seinerzeit eine tragende Säule des MCC, der in vielen Auftritten die Rolle des Vater Knörzel verkörperte. Für die Zeit des Nationalsozialismus, der in Mainz ohnehin nur schwer Fuß fassen konnte, wird er als prominente karnevalistische Widerstandsfigur angeführt. So berichtet der Historiker Markus Leifeld in einem Interview von einer giftigen Büttenrede Mundos über die ,Idiotie des Herings‘, die in der Kampagne 1935 Hermann Göring aufs Korn genommen hatte. Dieser satirische Angriff blieb nicht ohne Folgen: Die Nazis verhafteten ihn und andere Narren und durchsuchten seine Wohnung, woraufhin seine Frau einen Herzinfarkt erlitt. Um 11.11 Uhr ließ ihn der Mainzer Gauleiter wieder frei, bezeichnete alles als einen Ulk und lud die Narren zu einem Katerfrühstück. Heile, heile Gänsje?

Zu seinem durchschlagenden, viele Jahre überdauernden Erfolg verhalf dem Karnevalsschlager nach dem Zweiten Weltkrieg dann allerdings der ,singende Dachdeckermeister‘, Ernst Neger. Mainz war damals durch den britischen Bombenangriff vom 27. Februar 1945 fast komplett zerstört, außerdem durch die politische Zonengliederung der Alliierten von seinen rechtsrheinischen Stadtteilen abgetrennt. Als Ernst Neger das Lied im Jahre 1952, ergänzt um eine (manchmal auch zwei) aktualisierende Zusatzstrophe(n) von Georg Zimmer-Emden, vortrug, rührte er sein Saalpublikum zu Tränen. (Übrigens hatte bereits Mundo seiner Liedfassung ein politisches da capo angehängt, das damals auf die französische Besatzung gemünzt war; vgl. den einschlägigen Wikipedia-Artikel.) In den Folgejahren forderte man nach jedem seiner Auftritte rituell das ,Gänsje‘ als Zugabe.

In den Wirtschaftswunderjahren schien sich die Lehre des Trostliedes zu bewahrheiten, sein psychologischer Doppelbezug – Erinnerung an die erlittenen Verletzungen und zugleich die Erfahrung der den Schrecken mildernden, ja ,heilenden‘ Wirkung der verstreichenden Zeit – besaß damals eine ungeheure emotionale Wucht, die ein heutiges Publikum – zumindest als Kollektiv – kaum mehr nachvollziehen kann. Insofern verwundert es mich einigermaßen, dass das Heile-Gänsje 2009 bei einer Umfrage des Südwest-Fernsehens (überregionale Befragungen erbringen natürlich andere Ergebnisse!) unter 111 zur Auswahl angebotenen Karnevalhits immer noch den Spitzenplatz belegte. Einen wesentlichen Teil besagter ,Wucht‘ schreibe ich dem Regressions-Angebot des Liedes zu: Dem Rezipienten wird die Rolle eines Kleinkinds angetragen, er darf sich fallen und von einer liebevollen, mütterlichen Sprecherinstanz trösten lassen. Tränen sind in dieser Situation ausdrücklich erlaubt, auch und gerade im karnevalistischen Rahmen, der ohnehin die Normen des Alltags lockert.

Durch den Beginn der deutschlandweiten Fernsehübertragungen der zentralen Prunksitzung der größten Mainzer Karnevalsvereine im Jahre 1955 erlangte das Heile-Gänsje einen nationalen Bekanntheitsgrad, Ernst Neger und sein blinder Begleiter am Klavier, der Pianist und Komponist Toni Hämmerle, stiegen zu Karnevalstars auf. Mit dem Humba Tätärä, einem eigenen Titel, der bereits auf einen neuen gesellschaftlichen Hintergrund verweist, konnte das Duo 1964 seinen früheren Mega-Erfolg noch einmal wiederholen, wenn nicht sogar toppen.

Die Erzählstrophen des Liedes von Martin Mundo berichten von der ersten Erfahrung eines Kleinkinds mit der tröstlichen Zauberformel vom ,Heile-Gänsje‘ und einer späteren Wiederholung (bzw. lerntheoretischen ,Befestigung‘) dieser Situation im jugendlichen Alter. Die dritte Liedstrophe formuliert dann eine aus jenen Erfahrungen ableitbare lebenspraktische, im Grunde stoische Quintessenz: Man dürfe sich von Leid und Unglück nicht unterkriegen lassen, sondern müsse sein Schicksal mit Geduld und Humor annehmen. Dabei helfe einem die in dem alten Kinderlied aufgehobene Erfahrung, dass Zeit alle Wunden heile. Allerdings lohnt es sich, den Refrain dieses (vorgeblichen) Trostliedes genauer zu betrachten.

Die Verse des Refrains sind kürzer als die der erzählenden Liedstrophen, in der Folge stehen die Reime hier dichter. Einigermaßen unsinnige Aussagen bzw. Satzfragmente, mischen sich mit suggestiv wiederholten Beschwörungen, dass die Welt bald wieder in Ordnung kommen, der Schaden wieder heilen wird. Als ,Gesamtkunstwerk‘ erinnert der Refrain des Liedes an einen Zauberspruch, der seine Kraft nicht aus logischer Argumentation zieht, sondern aus einem sprachlichen Ritual, das von einem machtvollen Sprecherfigur (hier einer gegenüber dem Kind allmächtigen Mutterfigur) korrekt artikuliert wird. Damit funktioniert die ,Zauberei‘ dieses Liedes durchaus analog zum priesterlichen Vollzug eines katholischen Sakraments oder zum Aufsagen eines Merseburger Zauberspruchs durch einen kompetenten Heiler. Von den genannten Vergleichsritualen unterscheidet sich unser Refrain natürlich durch Bausteine, die der kindlichen Vorstellungssphäre entsprechen, und einen ganz speziellen, verzweifelten Humor: „Heile, heile Mausespeck, / in hunnert Jahr‘ is alles weg.“ Absolut mitgedacht wird hier, wenn auch wahrscheinlich nicht auf Seiten des zu tröstenden Kindes, aber mit Sicherheit auf Seiten der tröstenden Mutter, dass für einen Menschen seine Leidenszeit erst mit dem Tode beendet sein wird.

Dass wir Menschen diese eine Sicherheit haben, nicht mehr – aber eben doch wenigstens diese, ist wirklich tröstlich und ein echter Fortschritt, z.B. gegenüber jenen dialektischen Angeboten, die uns von Religionen angeboten werden. Besagte Einsicht scheint mir zutiefst humoristisch und somit gebührt dem Heile-Gänsje sein Platz im karnevalistischen Olymp auch zu Recht. (Dass das auch die Jecken von der kölschen Konkurrenz so sehen, gereicht ihnen unbedingt zur Ehre!)

Hans-Peter Ecker, Bamberg

Karnevalsschlager, Kult und Droge: Das „Humba-Täterä“ von Toni Hämmerle, Ernst Neger und Lukas Podolski

Ernst Neger (Text: Toni Hämmerle)

Das Humbta-Tätärä

Man hört so oft, die Blasmusik ist heut nicht mehr modern,
Und trotzdem hört man sie halt immer wieder gern;
Denn überall, wo Blechmusik erklingt, ihr lieben Leut,
Ja da herrscht Jubel‚ Trubel, Heiterkeit.

Ja da geht’s humbta humbta humbta tätäerä tätärä tätärä,
Ja da geht’s humbta humbta humbta tätärä tätärä tätärä,
Dann ruft der ganze Saal: Dasselbe noch einmal!

Ja da geht’s [...]

Und schießt bei uns der Sportverein am Sonntag mal ein Tor,
Steht alles auf dem Kopf, denn das kommt selten vor.
Dann geht es mit Hipp-Hipp-Hurra ins Dorf vom Fußballplatz
Und im Vereinslokal gibt’s dann Rabatz.

Ja da geht’s [...]

Und find’ bei uns ein Umzug statt, dann stehn am Straßenrand
Die Leute aus der Stadt und auch die Leut vom Land.
Kommt die Kapelle anmarschiert, im Rhythmus und im Takt,
Ihr glaubt ja nicht, wie das gleich jeden packt.

Ja da geht’s [...]
Ja da geht’s [...]

     [Ernst Neger: Das Humbta-Tätärä. Ariola 1964.
     Das "t" aus "Humbta" ist im Laufe der Jahre beim Singen und schließlich auch in
     der Schreibung weggefallen. Ebenso wurde das zweite "ä" durch ein "e" ersetzt.]

     Eine weniger ekstatische, aber mit allen Originalstrophen gesungene
     Fassung aus dem Jahr 2010 findet sich hier.

1964 wurde Nikita Chruschtschow als sowjetischer Regierungschef gestürzt, Lyndon B. Johnson als amerikanischer Präsident im Amt bestätigt. Amerika erlebte sein stärkstes Erdbeben und stieg offiziell in den Vietnamkrieg ein. Bei den englischen Unterhauswahlen siegte Labour. Die Volksrepublik China unternahm ihren ersten unterirdischen Atombombenversuch, Nelson Mandela wurde zu lebenslanger Haft verurteilt und Westdeutschland änderte seine Straßenverkehrsordnung, damit hinfort die Fußgänger auf den Zebrastreifen Vorrang hätten. Der Tunnel unter dem Großen Sankt Bernhard wurde eröffnet und der 1. FC Köln deutscher Fußballmeister.

Ferner vermerkt der Chronist für den Kultursektor, dass 1964 die Kleine Meerjungfrau von Vandalen heimgesucht wurde, Sergio Leone seinen Spaghetti-Western Für eine Handvoll Dollar drehte und die Rolling Stones ihre erste LP herausbrachten. Auf dem internationalen Parkett des Musikgeschäfts platzierte Millie Small mit My Boy Lollipop den ersten kommerziellen Ska-Titel, daneben verkauften sich Hang on Sloopy und Don’t Let Me Be Misunderstood millionenfach, Louis Armstrong führte Hello, Dolly! in die Charts und Shirley Bassey feierte Triumphe mit Goldfinger. Im gleichen Jahr schenkte ein „eschter Meenzer Bub“ der Welt – oder wenigstens ihrem närrischen Teil – den größten Karnevalsschlager aller Zeiten: Das Humba-Täterä.

Mir ist bekannt, dass das Publikum der südwestdeutschen Fernseh- und Rundfunksender bei einer Umfrage 2009 Humba Täterä vorgeblich nur auf den dritten Platz der „111 größten Fastnachthits“ aller Zeit gewählt hat (gewonnen hat bei dieser weder für Deutschland repräsentativen noch notariell abgesicherten Erhebung übrigens Heile, heile Gänsje), doch kann das meine Überzeugung nicht erschüttern, dass dem Humba ein für alle Mal die Krone der karnevalistischen Brüller gebührt – schließlich war ich televisionärer Augenzeuge jener legendären Prunksitzung im Kurfürstlichen Schloss zu Mainz, als das Humba des blinden Komponisten Toni Hämmerle (1914-1968) in der Interpretation eines singenden Dachdeckermeisters namens Ernst Neger (1909-1989) das strenge Ritual der Fernsehsendung Mainz wie es singt und lacht aufmischte (die Sendung überzog den Zeitplan damals – und wir befinden uns 1964 immer noch in den zwangsneurotischen Strukturen bundesdeutscher Nachkriegswirklichkeit – um eine geschlagene Stunde!), den Saal mit seinem vornehmen und prominenten Publikum in ein Tollhaus verwandelte und dabei im Grunde genau das leistete, worum es bei der Narretei zutiefst geht: die ,Entfesselung’ von Menschen, die rigorosen Normen unterworfen sind. Seit 1955 hatte der Südwestfunk eine Gemeinschaftssitzung der Karnevalsclubs MCC und MCV stets am Freitag vor dem Rosenmontag übertragen; 1965 kopierte das ZDF dieses Format als Mainz bleibt Mainz mit anderen Vereinen mehr oder minder erfolgreich, bis man 1973 beide Sendungen zusammenlegte und seitdem abwechselnd bei der ARD bzw. im ZDF unter der neuen Markenbezeichnung Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht ausstrahlte.

Beim Karnevalslied handelt es sich um eine urdeutsche Domäne, die von ausländischen Einflüssen weitgehend unberührt geblieben ist (vgl. dazu Norbert Linke: Karnevalsschlager. In: Schlager in Deutschland. Hg. v. Siegmund Helms. Wiesbaden: Breitkopf & Härtel 1972, S. 109-119). Ihm kommt es vor allem darauf an, das Saalpublikum einer Fastnachtssitzung zu aktivieren, d.h. zum Schunkeln, Tanzen und Mitsingen zu bewegen – kurz: in „Stimmung“ zu versetzen. Ein entsprechend disponiertes Publikum empfindet und agiert kollektiv, gleich ob im Lied sentimentale, ausgelassene oder kritische Töne angeschlagen werden. Voraussetzungen für solche Reaktionen sind eingängige Melodien und einfach zu memorierende Texte, speziell im Refrain. Im Prinzip sollte dieser bereits nach einmaligem Hören mitgesungen werden können. Das Humba-Täterä erfüllt diese Kriterien perfekt, darüber hinaus erinnert sein Refrain an kindliche Wortspiele, die auf eine komische Art und Weise Geräusche nachahmen oder unsinnige Lautketten erzeugen; das Humba verlockt dergestalt zur Regression in kindlich-alberne Verhaltensweisen (vgl. zu entsprechenden Affinitäten karnevalistischen Treibens Wolfgang Oelsner und Rainer Rudolph: Karneval ohne Maske. Köln: Greven 1987).

Wie ich an anderer Stelle gezeigt habe (Der Zwerg reinigt die Kittel. Das Alberne als ästhetische Kategorie. In: Literatur und Ästhetik. Texte von und für Heinz Gockel. Hg. v. Julia Schöll. Würzburg: Königshausen & Neumann 2008, S. 67-74), fungiert das Alberne heute eskapistisch als Fluchtvehikel in eine simulierte Prä-Adoleszenz im Kontext einer ansonsten durchrationalisierten Gesellschaft. Es unterscheidet sich von anderen Formen der Lachkultur wie der Satire, Karikatur oder dem Spott durch fehlende Aggressivität und ,Zielgerichtetheit“, bietet dadurch aber auch staatlichen bzw. kulturellen Machtinstanzen kaum Ansatzpunkte für harte Gegenmaßnahmen. So entzieht es sich den Alltagsroutinen ,nützlicher’ Verrichtungen, die es qua Existenz subversiv unterläuft und mehr oder weniger irritiert. Will man sich als ernsthafter Bürger von herumalbernden Zeitgenossen (die zum Beispiel ununterbrochen „humba humba täterä“ tönen) partout nicht anstecken lassen, kann man darauf unwirsch reagieren; weitergehende Maßnahmen wären unangemessen und würden einen selber nur allzu leicht ,albern’ aussehen lassen.

Bemerkenswert am Humba-Täterä ist neben seinem Refrain der Fußballbezug in der zweiten Textstrophe. Vermutlich hat dieser Umstand dem Schlager – um einige kleine Neuerungen erweitert („Gebt mir ein H!“ etc. – vgl. etwa die Fassung von Tim Toupet, deren Strophe die Verbreitung des Lieds reflektiert) – Kultstatus in deutschen Fußballstadien verschafft. So dient das Humba Täterä u.a. den Ultras von Mainz 05 schon seit 1995 als Schlachtgesang, und spätestens seit Lukas Podolskis legendärem Auftritt bei der Europameisterschaft 2008 dürfte das ursprünglich „Meenzer Liedsche“ auch in der kölschen Seele angekommen sein.

Bislang ist noch unerforscht, inwieweit Ernst Negers grandioser Fastnachtsschlager den Lauf der Weltgeschichte beeinflusst hat, der bekanntlich schon vom Flügelschlag eines Schmetterlings manipuliert wird. Hätten die Genossen im Kreml auch ohne das Humba den Mumm besessen, Chruschtschow zu stürzen? Wackelte 1964 in Amerika die Erde, weil die Mainzer Narren im Kurfürstlichen Schloss so lange toben durften? Sperrte man Mandela ein, bevor er mit Hilfe von deutschen Karnevalsschlagern die südafrikanischen Rassengesetze sabotieren konnte? Und klingen die frühen Stones nicht doch ziemlich nach Humba-Täterä?

Hans-Peter Ecker, Bamberg