„Die Schlampe und der Held“ – Gemeinsam ins Glück? Zu „Traumpaar“ von Silly

Silly

Traumpaar

Das Traumpaar des Jahrhunderts 
Die Schlampe und der Held 
tanzen mit großer Geste 
auf dem Parkett der Welt 

Die feuerroten Haare 
hat man ihr schwarz gemacht 
ich hab den blassen Schimmer 
die wachsen wieder nach 

Sie schwebt verwirrt in Düften 
in Lichtern bunt und grell 
und er versäuft in aller Ruh 
die Mitgift und ihr Fell 

Und wenn es ihr zu eng wird 
im sündhaft teuren Kleid 
sagt er: Sei still und schäm dich 
für deine Vergangenheit 

Die Suppe ist dünn 
und das Bett nicht sehr breit 
der Hunger kommt beim Essen 
und die Liebe mit der Zeit

     [Silly: Hurensöhne. DSB Berlin 1993]

Das 25-jährige Jubiläum des Mauerfalls am 9. November 1989 wurde vielfach zum Anlass genommen, um an die friedliche Revolution in der DDR und die (Wieder-)Vereinigung beider deutscher Staaten im Jahr 1990 zu erinnern. Im Fokus der Medienöffentlichkeit standen dabei zum einen die Wendejahre 1989/90 (vgl. die Sendereihe Mauersplitter, die von August 2014 bis Januar 2015 im Deutschlandfunk gesendet wurde oder die Wiederholung der preisgekrönten Dokumentation Chronik der Wende im RBB). Zum anderen rücken zunehmend die gesellschaftspolitischen Entwicklungen der frühen 1990er Jahre in den sog. neuen Bundesländern und ihre Bedeutung für das heutige Zusammenleben in Deutschland in den Mittelpunkt (vgl. der preisgekrönte Roman Als wir träumten (2006) von Clemens Meyer und dessen Verfilmung im Jahr 2015 durch Andreas Dresen, die filmische Aufarbeitung der ausländerfeindlichen Übergriffe 1992 in Rostock-Lichtenhagen in Wir sind jung. Wir sind stark oder die jährliche Veröffentlichung des Jahresberichts der Bundesregierung zum Stand der Deutschen Einheit).

Wenn man sich dem Lebensgefühl der Wende- und Nachwendejahre nähern will, kann man dies nicht nur mithilfe von zeitgeschichtlichen Dokumenten, Zeitzeugeninterviews, Originaltönen und -mitschnitten tun, sondern auch mithilfe von Musik. Besonders geeignet ist das Album Hurensöhne der Ostberliner Band Silly aus dem Jahr 1993. Als „eine Art Soundtrack der Postwendedepressionen“ (vgl. die Interpretation von Halloween in Ostberlin in diesem Blog) behandelt das Album Themen, die damals von essentieller Bedeutung waren: der Umgang mit der Vergangenheit, plötzlicher politischer und wirtschaftlicher Wandel, Teilung und Einheit Deutschlands, zwischenmenschliche Beziehungen, Identitätsfragen und -krisen.

Während das Lied Halloween in Ostberlin nach dem Intro das erste Lied auf dem Album ist, wird der Hörer mit „Traumpaar“ in die ‚Wirklichkeit‘ entlassen. Beide Lieder bilden den Rahmen des Albums und sind kontrastiv gestaltet: Halloween in Ostberlin löst mit seinen schaurigen und teilweise aggressiven Klängen Assoziationen zu einem Totentanz aus, während die Ballade Traumpaar, melodisch, melancholisch und getragen, an ein Wiegen- oder Trauerlied erinnert.

Die erste Strophe des Liedes lautet:

Das Traumpaar des Jahrhunderts
Die Schlampe und der Held
tanzen mit großer Geste
auf dem Parkett der Welt

Mit dem Titel bzw. der ersten Zeile des Liedes werden falsche Hoffnungen geweckt, Hoffnungen auf Liebe, Harmonie und Einigkeit, Hoffnungen, die bereits in der zweiten Zeile zerstört werden. Der Titel erweist sich als Ironie. Hier ist nicht etwa von ‚Frau‘ und ‚Mann‘, ‚Braut‘ und ‚Bräutigam‘ oder ‚Liebenden‘ die Rede, sondern „die Schlampe und der Held / tanzen mit großer Geste / auf dem Parkett der Welt“. In der Beziehung zwischen ‚Schlampe‘ und ‚Held‘, metaphorisch für die ehemals geteilten und nun vereinten deutschen Staaten DDR und BRD, kriselt es. Sie, die abwertend als ‚Schlampe‘ bezeichnete DDR, hat sich ‚prostituiert‘, war leicht zu haben, während er, der ‚Held‘ BRD, sie aus ihrer Notsituation gerettet hat. So entsteht ein ungleiches Machtgefüge innerhalb der Beziehung, das sich im Verlauf des Liedes nicht auflösen wird. Im Gegensatz dazu wird in der internationalen Politik die Friedliche Revolution und Wiedervereinigung als Meilenstein der Geschichte gefeiert. Das Paar tanzt „mit großer Geste / auf dem Parkett der Welt“ und ist bemüht, die Illusion von Glück, Einigkeit und Harmonie aufrechtzuerhalten. In der zweiten Strophe wird die weibliche Figur näher beschrieben:

Die feuerroten Haare
hat man ihr schwarz gemacht
ich hab den blassen Schimmer
die wachsen wieder nach

Im Unterschied zu den sonstigen Silly-Liedern ist die Frauenfigur in „Traumpaar“ nicht selbstbestimmt, stark und selbstbewusst, sondern fremdbestimmt, schwach und naiv. „Die feuerroten Haare / hat man ihr schwarz gemacht“: Sie, die früher überzeugte Kommunistin war, wurde nun zur christlich-konservativen Wählerin gemacht (Wahl der Passiv- statt Aktiv-Konstruktion im Lied). Jedoch glaubt das Sprecher-Ich zu wissen, dass diese politische ‚Bekehrung‘ nicht von Dauer sein wird, ihre frühere Überzeugung wieder an Bedeutung gewinnen wird. An dieser Stelle sei auf die Farbsymbolik in der zweiten Strophe hingewiesen: feuerrot – schwarz – blass. Mit etwas Fantasie kann man hierin die deutschen Nationalfarben Schwarz – Rot – Gold erkennen. In der Regel sind Nationalfarben Symbol für eine Gemeinschaft und Ausdruck des Zusammengehörigkeitsgefühls einer Nation. Hier sind sie (noch?) verschwommen und unscharf, was als Ausdruck für die Identitätskrise vieler Ostdeutscher in den Nachwendejahren gedeutet werden kann. Die dritte Strophe spielt auf die neuen und schier unendlichen Möglichkeiten der freien Marktwirtschaft an:

Sie schwebt verwirrt in Düften
in Lichtern bunt und grell
und er versäuft in aller Ruh
die Mitgift und ihr Fell

Konsumgüter sind immer verfügbar und werden mit bunt-leuchtender Reklame angepriesen, die Menschen sollen zum Kauf animiert werden, Geld spielt keine Rolle. Die weibliche Figur im Lied, stellvertretend für die Bürger der ehemaligen DDR, ist verwirrt und orientierungslos ob der vielen Möglichkeiten und großen Auswahl, die es zu Zeiten der Planwirtschaft nicht gegeben hat. Währenddessen versäuft der vermeintliche Held, von ihr unbemerkt, ihre Mitgift und feiert ihr ‚Begräbnis‘ (‚das Fell versaufen‘ bedeutet so viel wie ‚am Umtrunk nach einem Begräbnis teilnehmen‘). Es entsteht ein morbid-aggressives Bild, in dem sie als naiv und unwissend, geblendet und lethargisch dargestellt wird, während er ihren Zustand ausnutzend ihr Hab und Gut rücksichtslos plündert, um Profit daraus zu schlagen. Dieses Motiv findet in der vierten Strophe seine Fortsetzung.

Und wenn es ihr zu eng wird
im sündhaft teuren Kleid
sagt er: Sei still und schäm dich
für deine Vergangenheit

Ganz im Sinne der freien Marktwirtschaft trägt sie ein „sündhaft teures Kleid“, in dem es ihr nun zu eng wird. Ein Paradoxon, denn schließlich hatten die DDR-Bürger für ihre Freiheit gekämpft. Schnell lässt die berauschende Wirkung der Konsumgüter nach; Ernüchterung macht sich breit. Sie äußert erstmals Unzufriedenheit, er jedoch verbietet ihr jegliche Art von Widerrede oder Kritik und sagt, sie solle sich ihrer Vergangenheit schämen. Er ist dominant und rechthaberisch und entzieht ihr nicht nur jegliches Recht zum Widerspruch oder zur Unzufriedenheit mit den neuen Lebensbedingungen, sondern, vor dem Hintergrund der Konstruktion der DDR als ‚Unrechtsstaat‘, auch zur Bewahrung der eigenen (ganz persönlichen) Vergangenheit (vgl. Sabrow 2010, 18-20). Damit spiegelt die vierte Strophe ein Gefühl vieler DDR-Bürger in den Nachwendejahren wider, die angesichts politischer Entwicklungen ihre gesamte bisherige Lebenswirklichkeit infrage gestellt sahen und den Eindruck hatte, ihre Lebensleistung werde delegitimiert (vgl. Interview im Deutschlandfunk mit Friedrich Schorlemmer). Das Lied schließt mit einer Reihe formelhafter Ausdrücke, die Assoziationen von Zwangsheirat und Zweckgemeinschaft auslösen.

Die Suppe ist dünn
und das Bett nicht sehr breit
der Hunger kommt beim Essen
und die Liebe mit der Zeit

Im Unterschied zu den vorherigen vier Strophen wird die fünfte Strophe mehrstimmig gesungen, wodurch sie wie ein Schwur oder eine Beschwörungsformel wirkt. Die letzte Zeile, ‚die Liebe kommt mit der Zeit‘, wird zweimal wiederholt bevor die Musik ausklingt und nur das Schlagzeug als letztes Instrument zu hören ist. Sein Rhythmus erinnert an einen Herzschlag, der schließlich im Nichts verklingt. Dabei ist die letzte Zeile durchaus ambivalent: Symbolisiert sie Hoffnung und wird sich Liebe einstellen, wenn man sie nur oft genug beschwört? Wächst tatsächlich zusammen, was vermeintlich zusammengehört? Oder ist diese Zeile vielmehr Ausdruck einer tiefen Skepsis gegenüber dem neuen ‚Traumpaar‘, zwischen dem die Differenzen scheinbar unüberbrückbar sind und zukünftig bleiben werden? Auch 25 Jahre nach der Wiedervereinigung lässt sich diese Frage nicht abschließend beantworten.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass in Traumpaar die Wendezeit aufgearbeitet wird (zur Verarbeitung ist es zu früh). Das Lied ist Ausdruck der Vereinigungskrise in den frühen 1990er Jahren, Ohnmachts- und Verlustgefühle, enttäuschte Zukunftshoffnungen vieler DDR-Bürger und eine Skepsis gegenüber den veränderten Werten des vereinten Deutschlands kommen hierin zum Ausdruck. „[D]em einst leuchtenden Westen [ist] sein schöner Schein abhanden“ gekommen, wie es Czada (1998, 24) treffend ausdrückt. Die DDR-Bürger seien des Vorbildes Bundesrepublik beraubt worden. Nach der Einigungseuphorie hat sich Ernüchterung in der breiten Bevölkerung eingestellt. Damit kann das Lied als Abgesang auf die untergegangene DDR interpretiert werden.

Janett Münch, Stuttgart

Literatur:

Roland Czada: Vereinigungskrise und Standortdebatte. Der Beitrag der Wiedervereinigung zur Krise des westdeutschen Modells. In: Leviathan. Zeitschrift für Sozialwissenschaft 26 (1) (1998), S. 24-59.

Martin Sabrow: Die DDR erinnern. In: Erinnerungsorte der DDR. Hg. v. Martin Sabrow. Bonn: bpb 2010, S. 9-25.

 

Soundtrack der Postwendedepressionen. Zu „Halloween in Ostberlin“ von Silly

Silly

Halloween in Ostberlin

Der Osten is ne Reise wert
den sollten sie besuchen
hier gibt‘s noch ein Stück
vom neuen deutschen Kuchen.
Die Rosinen sind schon weg,
das macht ihn etwas trocken,
doch in mancher Treu-hinter-hand
klebt noch ein fetter Brocken.

Die Ossis, die sind lall und mall
vom Plunder und vom Fusel,
wenn die mal aus dem Koma sind,
kommt das kalte Gruseln.
Sie schlagen sich die Köpfe ein
mit ihren Stasi-Akten,
derweil wir mitten auf dem Platz
die letzten Ferkel schlachten.

Halloween in Ostberlin
hier schwoofen die Gespenster
Halloween in Ostberlin
hier füllt man sich die Wänster
Halloween in Ostberlin
die schaurigsten Gestalten
Halloween in Ostberlin
gut drauf und wohlbehalten
die Neuen und die Alten

Dann räumen sie von ganz allein
die Buden und die Posten,
und wir ziehn weiter mit Geheul
zum nächsten Fest gen Osten.
Da tobt auch schon die Klopperei
und wir, die guten Geister
ziehn denen auch das Hemd vom Arsch
nur flinker noch und dreister.

Der Osten ist ne Reise wert,
den sollten sie besuchen,
kein schöner Land hier weit und breit
zum Zocken und zum Spuken.

Halloween in Ostberlin […]

     [Silly: Hurensöhne. DSB Berlin 1993.]

An dieser Stelle sei etwas wiederholt, was in diesen Tagen Tausende (ältere) Menschen gesagt haben mögen: Halloween – so ein Quatsch, das hat es früher bei uns nicht gegeben. Bekanntlich kommen die Umtriebe in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November ursprünglich aus dem katholischen Irland. Über die USA schwappten gewisse damit zusammenhängende Bräuche in den letzten zwei Jahrzehnten dann auch zu uns. Als wesentlicher Grund für die schnelle Ausbreitung darf wohl gelten, dass den Süßigkeiten-Produzenten im Jahresablauf zwischen Schulanfang und Nikolaus noch ein weiterer Anlass zum verstärkten Fruchtgummi- und Schokoladenabsatz recht war; die Kostümbranche ist umso dankbarer, dass sich zur Faschings- respektive Karnevalszeit noch ein zweites Großereignis gesellte. Wenn Halloween verdammt wird, dann sind die Vorbehalte vornehmlich gegen Amerikanisierung und Kommerzialisierung gerichtet. Insofern erscheint der Titel Halloween in Ostberlin sehr treffend gewählt.

Das Lied der Ostberliner Band Silly erschien 1993 auf dem Album Hurensöhne, also auf ihrer sechsten Studienproduktion, der ersten nach Februar 1989, dem „Soundtrack der Wende“ (hier ist der dazugehörige Wikipedia-Eintrag zitiert) – Hurensöhne ist demgegenüber eine Art Soundtrack der Postwendedepressionen. Das Album steckt voller entsprechender Textstellen: Der Song Kriminelle Energie beginnt etwa mit den Zeilen „Tag für Tag vorm Kaufhaus auf der Bank. / Kein Job, kein Moos, die Weile ist lang. / Wer redet da von Life Style? / Na schönen Dank.“ In Fliegender Fisch wird gefragt: „Wie kann ich leben in der dünnen Luft, / die ihr verbraucht für euer Marktgeschrei?“ In Diebe heißt es: „Mit diesem Kapital / gewinnen wir die Wahl. / Du wirfst dich in Schale, / und ich zahle.“ In Neider: „Trüffelschweine wühlen in deiner Vergangenheit / und treten mit den Hinterbeinen die eigene Scheiße breit.“

Wie bei diesen Texten geht es auch im bekanntesten Lied des Albums, in Halloween in Ostberlin, sehr direkt um Arbeitslosigkeit („Dann räumen sie von ganz allein / die Buden und die Posten“), um die Auswüchse des neuen kapitalistischen Systems mit dem damit verbundenen Umgang mit vormals volkseigenen Betrieben („Die Rosinen sind schon weg, / das macht ihn etwas trocken, / doch in mancher Treu-hinter-hand / klebt noch ein fetter Brocken“) sowie um die umstrittene Aufarbeitung der DDR-Geschichte („Sie schlagen sich die Köpfe ein / mit ihren Stasi-Akten“).

Dabei wird aus Perspektive derer gesungen, die man damals als gierige „Heuschrecken“ über die besten Stücke des „neuen deutschen Kuchen[s]“ herfallen sah, und die sich den „Jammerossis“ gegenüber als „Besserwessis“ bzw. als „die guten Geister“ aufspielten. Halloween in Ostberlin erscheint so als ‚ganz klassisches‘ Dokument einer Phase der neusten deutschen Geschichte, in der zu den Wörtern des Jahres nicht nur „die neuen Bundesländer“ oder  eben „Besserwessi“ (erster Platz 1990 und 1991) zählten, sondern in den entsprechenden Listen auch Begriffe wie „Stasisyndrom“ oder „Wohlstandsmauer“ (1991), das heute nicht mehr ganz so eindeutig zu verstehende Verb „gaucken“ (1992) und dann im Jahre 1993 auch schon „Ostalgie“ (vgl. Internetauftritt der Gesellschafft für deutsche Sprache) festgehalten wurden.

Für Fans des Ostrocks traf Sängerin Tamara Danz als Texterin damals mit ihren Bildern vom  „Ausverkauf Ostdeutschlands gegen den Willen der Bürger, in einer Gesellschaft, wo nur das Geld regiert“ genau den „Nerv der Zeit“ (hier ist aus einer Vorstellung der Band auf der Internetseite ostmusik.de zitiert, entsprechende Formulierungen finden sich auch auf silly-fanpage.de). So kann man dann über die Veröffentlichung von Hurensöhne auch Folgendes lesen: „Im Westen wurde das Album kaum wahrgenommen, während es im Osten die mittlerweile von der Wiedervereinigung desillusionierten Fans in die Arme von Silly zurück trieb.“ (fan-lexikon.de). In den ersten  Jahren nach der Wiedervereinigung hatte die Band enorm darunter leiden müssen, dass sich die alte Fangemeinde nurmehr für die Musik aus dem Westen (solchen Nummer 1-Hits wie Phil Collins‘ Another Day in Paradise, Wind of Change von Scorpions, Mr. Vain von Culture Beat etc.) interessierte. Unter Umständen konnten sie deshalb umso besser – umso glaubwürdiger – über die Zurücksetzungen der Ostdeutschen texten.

Zu den Anekdoten, die die Geschichte der Band Silly garnieren, gehört, dass bei den Aufnahmen der Studioversion von Halloween in Ostberlin zufällig ein Death-Metal-Sänger anwesend war (vgl. Alexander Osang: Tamara Danz. Legenden. Berlin: Aufbau 2002, S. 196), der dann auch gleich engagiert wurde, um durch sein Grölen das Lied noch ein bisschen ‚gefährlicher‘ klingen zu lassen – manche würden vielleicht auch ‚westlicher‘ sagen. Seine Stimme passte für  Danz jedenfalls zu ihren „schaurigsten Gestalten“. Es sei angemerkt, dass solche „schaurigsten Gestalten“ zum „kalte[n] Gruseln“ mit ihrem „Spuken“ und auch mit ihrem „[S]chlachten“ keineswegs nur in dieser einen Auseinandersetzung mit dem jung wiedervereinten Deutschland auftauchten; man denke da etwa an Schliengensiefs Das deutsche Kettensägenmassaker (1990).

Martin Kraus, Bamberg