„Wir lachen der Feinde und aller Gefahren“. Zu „Wir lieben die Stürme“

Anonym

Wir lieben die Stürme

1)Wir lieben die Stürme, die brausenden Wogen,
der eiskalten Winde rauhes Gesicht.
Wir sind schon der Meere so viele gezogen,
und dennoch sank uns're Fahne nicht.
Heijo, heijo, heijo, heijo, heijoho, heijo, heijoho, heijo!

2) Unser Schiff gleitet stolz durch die schäumenden Wogen,
jetzt strafft der Wind uns're Segel mit Macht.
Seht ihr hoch droben die Fahne sich wenden,
die blutrote Fahne, ihr Seeleut‘, habt Acht.

3) Wir treiben die Beute mit fliegenden Segeln,
wir jagen sei weit auf das endlose Meer.
Wir stürzen auf Deck, und wir kämpfen wie Löwen,
hei, unser der Sieg, viel Feinde, viel Ehr!

4) Ja, wir sind Piraten und fahren zu Meere,
wir fürchten nicht Tod und den Teufel dazu,
wir lachen der Feinde und aller Gefahren,
am Grunde des Meeres erst finden wir Ruh.

Entstehung

Entstanden ist das Lied in Kreisen der Pfadfinder; der Verfasser ist unbekannt. Die Melodie stammt gemäß dem Germanisten, Erzähl- und Liedforscher Heinz Rölleke (geb. 1936) aus der Jugendbewegung (vgl. Das große Buch der Volkslieder, 1993, S. 370). Wie zuvor Fritz Sotke (1902 – 1970), der als Herausgeber von Unser Lied fälschlicherweise als Verfasser des Liedes Wilde Gesellen vom Sturmwind durchweht angesehen wird (vgl. Interpretation), wird in manchen Liederbüchern der Musikpädagoge und Lehrer Wilhelm Volk (1909-1994) für den Urheber des Liedes gehalten. Wilhelm Volk hat das Lied in Lieder des Bundes (hg. vom Bund Deutscher Pfadfinder) zusammen mit anderen Liedern erstmals 1933 veröffentlicht.

Wir lieben die Stürme gehört zu der Reihe der jugendbewegten Sturmlieder wie auch Wenn die bunten Fahnen wehen (vgl. Interpretation), wie in der zweiten Strophe deutlich wird: „Blasen die Stürme, / brausen die Wellen, / singen wir mit dem Sturm unser Lied“). Auch Wir wollen zu Land ausfahrender mit dem Vers „Woll’n lauschen, woher der Sturmwind braust“ in der ersten Strophe (vgl. Interpretation) oder das bereits erwähnte Wilde Gesellen vom Sturmwind durchweht gehören dazu.

Interpretation

Die Freude der bündischen Jugendlichen, sich den Elementen, hier dem Sturm, den ‚eiskalten Winden‘ und dem Meer (dem Wasser), auszusetzen und ihnen zu widerstehen, wird deutlich. In ihrer Fantasie sind die unbekannten Verfasser in ihrem Segelschiff über viele Meere gefahren, sie sind stolz darauf, trotz ‚brausender Wogen‘ und Stürme nicht gekentert zu sein, poetisch benannt: „und dennoch sank uns’re Fahne nicht“. Und dem Sturm setzen sie, ähnlich wie in manchen Shanties einen im Chor gesungenen Refrain entgegen: „Heijo, heijo, heijo, heijo, heijoho, heijo, heijoho, heijo! (vgl. „to my hoodah, hoodah, ho“ aus: Ick heff mol een Hamburger Veermaster sehn).

In der zweiten Strophe wird klar: Hier handelt es sich nicht um ein Frachtschiff, geschweige denn um eine Yacht bei einem Segeltörn zum Vergnügen, sondern um ein Piratenschiff. Die Seeleute sind stolz darauf, wie ihr Schiff durch die „schäumenden Wogen“ gleitet und sie sind froh, eine steife Brise (seemännische Untertreibung für starken Wind) erwischt zu haben, die die Segel strafft und nicht wie in einer Flaute oder bei Schwachwind flattern lässt. Und in diesem Wohlgefühl warnen sie andere Seefahrer: Sie sollen den Hinweis auf ihre „blutrote Fahne erkennen und sich in Acht nehmen. Normalerweise ist eine Piratenflagge schwarz, meistens mit einem weißen Totenkopf. Wahrscheinlich haben hier die Verfasser aus dramaturgischen Gründen die Farbe Rot gewählt, die auf bevorstehende Kämpfe hinweist, bei denen Blut fließen wird.

Damit sich ein Frachter, von dem sie sich Beute versprechen, nicht in die Obhut eines Hafens flüchten kann, treiben unsere Piraten ihn „mit fliegenden Segeln / […] weit auf das endlose Meer“. Dort sind die Piraten sicher, dass dem von ihnen angegriffenen Schiff so schnell niemand zu Hilfe kommen kann. Nah genug gekommen, werden die Enterhaken geworfen, übergesetzt und dann auf dem fremden Deck „wie Löwen“ bis zum Sieg gekämpft, selbst wenn der Gegner zahlreich, unter Umständen sogar von der Anzahl her überlegen ist. Wie früher in der Schlacht bei Creazzo 1513, als der Landsknechtführer Georg von Frundsberg mit seinen perfekt gedrillten Landsknechten einen mehrfach zahlenmäßig überlegenen Gegner schlug, gilt dessen Devise auch hier: „Viel Feind, viel Ehr!“ (Offensichtlich hatten die bündischen Gymnasiasten im Geschichtsunterricht gut aufgepasst.)

Sie sind nun mal Piraten und fürchten weder ‚Tod noch Teufel‘. Sie machen sich selbst Mut, indem sie über den Feind und die drohende Gefahr lachen. Zugleich hoffen sie, dass sie noch lange leben werden, aber sie sind sich bewusst, dass auch sie der Tod ereilen kann und sie dann ‚auf dem Grund des Meeres Ruhe finden‘.

Rezeption

Nachdem – noch vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten – der Deutsche Pfadfinderbund Wir lieben die Stürme veröffentlicht hatte, übernahmen die Nazis das Lied. Die mitreißende Melodie und der vitalisierende Text passten in ihre ‚Zeit des Aufbruchs‘. Mit der ‚blutroten Fahne‘ konnten sie sich identifizieren (vgl. Unsre Fahne flattert uns voran) und die Devise ‚Viel Feind, viel Ehr‘ wurde von den HJ-Führern schon den Pimpfen und Hitlerjungen nahegebracht.

Zwar war das Lied im ersten vom Reichsjugendführer Baldur von Schirach herausgegebenen Hitlerjungen-Liederbuch Blut und Ehre (1933) nicht enthalten, aber 1934 wurde es in das am meisten verbreitete Liederbuch der Hitlerjugend (bis 1940 2,5 Millionen Auflage) Uns geht die Sonne nicht unter… aufgenommen. Der Titel entstammt dem Refrain des Liedes Wilde Gesellen vom Sturmwind durchweht, das wie viele andere Lieder der Jugendbewegung, z.B. Aus grauer Städte Mauern (Interpretation),  Im Frühtau zu Berge (Interpretation), Wir sind jung, die Welt ist offen oder Wir wollen zu Land ausfahren (Interpretation), von der HJ und anderen NS-Organisationen übernommen wurde. Und da es sich auf dem zugrunde liegenden 4/4-Takt gut marschieren ließ, folgten ab 1939 mehrere Liederbücher für Soldaten mit dem Lied, z. B. Der Führer hat gerufen – Unser Kriegsliederbuch und Morgen marschieren wir.

Einige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg galt das Lied als NS-belastet, aber seitdem es 1952 als Seemannslied wiederentdeckt wurde (vgl. Knurrhahn – Seemannslieder und Shanties und Die Seemannslust, 1954), setzte geradezu ein Run auf Wir lieben die Stürme ein: Die Sportjugend, die Christliche Pfadfinderschaft, die Turner- wie auch die Waldjugend nahmen das Lied in ihre Liederbücher auf. Da wollte der Deutsche Fußballbund nicht abseits stehen, und auch die konfessionellen Kreise liebten die Stürme, sogar die sonst so in sich gekehrten Schülerbibelkreise. Die größte Verbreitung erfuhren die Stürme seit 1953 durch Die Mundorgel (Textauflage bis 2013: 11 Millionen) mit den vier bekannten Strophen. Dagegen enthielten die ab 1956 hinzu gekommenen Liederbücher der Bundeswehr, wie die Mehrheit der Liedersammlungen, nur die ersten drei Strophen, vermutlich weil in der vierten Strophe vom Tod und vom Sterben die Rede ist.

Nachdem Heino 1965 die erste seiner 15 Schallplatten und CDs (bis 2013) mit dem Lied eingesungen hatte, wuchs die Popularität weiter an. Es erschienen auflagestarke Taschenbücher der Verlage Heyne, Schneider, Moewig, Insel und Reclam; auch namhafte Liederforscher wie Ernst Klusen und Heinz Rölleke nahmen das Lied mit jeweils vier Strophen in ihre Liedersammlungen auf. Die Nachfolgeorganisationen der Wandervögel und der bündischen Jugend scheuten sich ebenfalls nicht, alle vier Strophen des Liedes zu veröffentlichen.

Das Lied ist bis heute beliebt und bekannt geblieben. Dazu beigetragen haben auch die Interpretationen von Freddy Quinn, Hermann Prey, Achim Reichel und von zahlreichen Chören z.B. von Shanty-, Marine- und Polizeichören bis zum Montanarachor und den Alsterspatzen. Noch 2013 erschien eine jazzige Version der Combo Jazz Hoch Drei. Und wie bei beliebten Liedern so üblich, gibt es auch eine parodistische Strophe, die in Schülerkreisen gern gesungen wurde:

Wir lieben die Schule, die brausenden Lehrer,
des eiskalten Rektors graues Gesicht.
Wir sind schon so oft von der Schule geflogen,
und dennoch wankt uns’re Frechheit nicht.

Eine verachtenswerte Umdichtung wurde auf einer Veranstaltung von Pegida Nürnberg vorgetragen (die erste Strophe ist mit dem Original identisch):

2) Wir kommen von Süden und woll’n in die Mitte
Europas, wo Frauen und Geldscheine blühn.
Wir haben Macheten und heilige Bücher,
damit bringen wir Europa zum glühn.

3) Wir gehen in die Boote und lassen uns treiben
vor Libyens Küste, da wartet das Glück,
da warten die Retter, die schützen die Grenzen,
doch niemanden schicken die Retter zurück.

4) Auf unseren Booten ist mancher nicht gläubig,
denn nicht eine Sure kommt aus seinem Mund.
Für Christen und Heiden, da endet die Reise
mit offener Kehle am Meeresgrund.

5) So mancher von uns hat noch viele Geschwister,
die warten nur auf unser Rettungssignal.
Dann werden sie kommen, dann werden wir stärker.
Was wird aus Europa? Das ist uns egal!

6) So hört unsre Botschaft, ihr Frauen und Männer,
wir bringen euch Reichtum besonderer Art.
Wir zeigen euch bald die Gesetze des Dschungels
und wie man im Dschungel mit Wonne sich paart.

7) Denn ihr seid die Knechte und wir sind die Herren
der neuen Bevölkerungsmischungskultur.
Ihr werdet uns weichen, wir werden euch scheuchen
und darauf, da schwören wir jeden Schwur.

Getextet und gesungen wurde das Lied von Ernst Cran, einem ehemaligen evangelischen Pfarrer. Cran, der auch manchmal im schwarz-rot-goldenen T-Shirt auftritt, hält bei Pegida-Veranstaltungen im süddeutschen Raum Reden, in denen er Flüchtlinge ähnlich wie im Lied diskriminiert. Einem Video des Bayerischen Rundfunks ist zu entnehmen, dass Angehörige eines Verstorbenen, vor denen er eine Trauerrede gehalten hatte, völlig fassungslos waren, als sie von seinen Reden bei Pegida-Veranstaltungen hörten. Darauf hingewiesen, zeigte er sich unbeeindruckt: „Da muss ich natürlich intellektuell in einem Rahmen bleiben, der verstehbar ist, und ich muss sprachlich in einer Weise reden“, die dem Anlass entspreche. Mit der Überzeugung als Theologe, als geistig denkender Mensch äußere ich mich auch zu politischen Gegebenheiten“. „Ich schäme mich nicht für das, was ich sage, in keinster Weise“. Wie Ernst Cran die Texte seiner Lieder und Reden mit seinem Selbstbild „als empfindsamer, fühlender, denkender, gottesrufender Mensch“, so seine Worte in einer Nachtcafé-Sendung des SWR, vereinbaren kann, bleibt ein Rätsel.

Georg Nagel, Hamburg

Ach ja, die alten Reflexe: „Denn wenn et Trömmelche jeit“ von De Räuber (1993)

De Räuber

Denn wenn et Trömmelche jeit

Jedes Johr em Winter, wenn et widder schneit
kütt dr Fastelovend un mir sin all bereit
All de kölsche Jecke süht mr op dr Stroß
selvs dr kleenste Panz de weeß
jetzt jeht es widder loss

Denn wenn et Trömmelche jeht,
dann stonn mer all parat
un mer trecke durch die Stadt
un jeder hätt jesaat
Kölle Alaaf, Alaaf; Kölle Alaaf

Jo am 11.11. jeht dat Spillche loss
denn dann weed dr Aap jemaht
ejal wat et och koss
De Oma jeht nom Pfandhaus
versetzt et letzte Stöck
denn dr Fastelovend es für sie et jrößte Jlöck

Denn wenn et Trömmelche jeht,
dann stonn mer all parat
un mer trecke durch die Stadt
un jeder hätt jesaat
Kölle Alaaf, Alaaf; Kölle Alaaf

     [De Räuber: Wenn et Trömmelche jeit. Pavement 1993.
     Text nach www.de-raeuber.de.]

1991 gründeten der Gitarrist Karl-Heinz Brand und der Keyboarder und Sänger Kurt Feller die Kölner Mundart- und Karnevalsband De Räuber. Zwei Jahre später kam das 2007 verstorbene Multitalent Norbert Campmann hinzu. Aus dem gleichen Jahr stammt einer ihrer vielen großen, bis heute beim Narrenvolk unvergessenen Hits – Denn wenn et Trömmelche jeit. Der Schlager handelt von der Liebe und Treue der Kölschen Jecken zu ihrem Hauptfest, dem „Fastelovend“; wie man inzwischen nicht nur im Rheinland weiß, ist der Karneval „et Pläsiersche vun jedem dä nit doof eßß. Häßß do ävver en Ratsch am Kappes, dann sääß do natöörlijj dat dä Aschamettwoch et jrößte eßß.“ (Wikkipedija, Artikel Fastelovend) Hach ja, über Geschmack lässt sich prima streiten – mit Jecken wie mit Leuten mit en Ratsch am Kappes…

Muss man den Schlagertext übersetzen? Dank wochenlanger Fernsehübertragungen von hunderten von Prunksitzungen in tausenden von Fernsehsendern sollten die karnevalistischen Weltsprachen, zu denen das Kölsche ohne Zweifel mit an vorderster Stelle zu rechnen ist, heutzutage eigentlich allgemein (d.h. auch von Leuten mit en Ratsch usw.) flüssig beherrscht werden, zumindest passiv. Also verzichte ich auf Übersetzungen in andere deutsche Dialekte und widme mich sofort dem Casus knacksus, d.h. dem „Trömmelche“, das uns schon in der Titelzeile alarmiert. Der kollektive Sprecher scheint das ganze Jahr im Bereitschaftsmodus verbracht zu haben, darauf lauernd, ob nicht irgendwo ein Trömmelche zu vernehmen ist. Endlich, endlich verdichten sich unmissverständlich die Vorzeichen, dass es bald so weit sein könnte: Wintereinbruch (bitte weder astronomisch noch meteorologisch verstehen, eher phänologisch, noch besser: gefühlsmäßig!), Schneefall und – entscheidend – das Heranticken eines herrlichen Datums: „Am Ellefte im Ellefte öm Ellev_Uur Ellef weet de Sessjoon äöffnet. En Kölle jäijt dat tradizzjoonäll o_m Alldermaat aff. Nuur wänn_et doo nit jäijt, wann jraad en Bowshtäll eßß, dann wiishe_mer tradizjonäll op dä Heumaat uß. Do kumme dann emmer e paa zeen dousend Minsche zosamme un senge un schunkele, drenke sijj_eijn, danze un maachen sijj_en Freud.“ (ebd.)

Was das meint, fasst unser Lied kürzer und knackiger: dann „weed dr Aap jemaht“. Gut, Spaß soll sein, und ich wäre der letzte, der besungener Oma ihr schönstes Glück missgönnen würde, und sollte sie dafür auch ihr Häuschen versaufen. (Zumal ich nicht ihr Erbe wäre …) Aber zurück zum „Trömmelche“, das an allem schuld ist. Unser Räuber-Lied knüpft mit seiner ersten Refrain-Zeile an die bekannte deutsche Redewendung „die Trommel rühren“ an. Nach dem „Redensarten-Index“ denken wir dabei heute (!) zunächst an die sprichwörtliche Werbetrommel, mit der viel „Wirbel“ (gehört sprachlich zum weiteren Wortfeld von ,werben‘) gemacht wird, um uns zum Kauf dieses oder jenes Angebots zu bewegen. Nun hat die moderne Werbung wortgeschichtlich viele einstmals militärisch gebrauchte Begriffe übernommen: den Feldzug, die Taktik, die Strategie, die Kampagne und andere mehr. Die Werbetrommel gehörte auch einmal zur Ausrüstung von Werbeoffizieren, die junge Männer „auf dem Musterplatz zusammentrommelte, um ihnen die Freuden und den Lohn des Soldatentums zu verkünden, damit diese sich dann für einen Feldzug anwerben lassen“ (Redensarten-Index).

Da viele karnevalistische Bräuche, Symbole, Kostüme und Requisiten auf die Parodie militärischer Insignien zurückgeführt werden können, wundert es wenig, dass auch die Trommel in verniedlichter Form Eingang ins karnevalistische Brauchtum und Liedgut gefunden hat. Ich frage mich allerdings, ob der (pavlowsche?) Reflex loszumarschieren, sobald das, ein „Trömmelche“ gerührt wird, als ebenso niedlich betrachtet werden kann. Oder bleibt man so einfach nur im Training? Ejal, wat och passeet, so lang die Leute – heute und im Falle eines Falles – ihren Schlachtruf „Kölle, Alaaf Alaaf; Kölle Alaaf!“, der mit dem Lied der Räuber ja auch eintrainiert wird, als conditioned response produzieren, könnte Artikel 3 vom Rheinischen Grundgesetz vielleicht doch noch eine Weile in Kraft bleiben: „Et hätt noch emmer joot jejange.“ – Freie Übersetzung: „Wir wissen es ist Murks, aber es wird schon gut gehen.“ (Wikipedia)

Hans-Peter Ecker, Bamberg

 

Das einst drittbekannteste Lied der Welt: „O, du schöner Westerwald“

Münker/Böhmer/Scharthauer

O, du schöner Westerwald

I.
Heute wollen wir marschier'n
einen neuen Marsch probier'n
In den schönen Westerwald,
ja da pfeift der Wind so kalt.
In den schönen Westerwald,
ja da pfeift der Wind so kalt.

O du schöner Westerwald,
über deine Höhen pfeift der Wind so kalt,
jedoch der kleinste Sonnenschein
dringt tief in's Herz hinein.

II.
Und die Gretel und der Hans
geh'n des Sonntags gern zum Tanz,
weil das Tanzen Freude macht
und das Herz im Leibe lacht
weil das Tanzen Freude macht
und das Herz im Leibe lacht.

O du schöner Westerwald [...]

III.
Ist das Tanzen dann vorbei,
gibt es meist Keilerei
und dem Bursch', den das nicht freut,
sagt man nach, der hat kein Schneid.
Und dem Bursch', den das nicht freut,
sagt man nach, der hat kein Schneid.

O du schöner Westerwald [...]

Wer kennt es nicht, das Westerwaldlied? Radio Luxemburg ließ sogar verlauten, dass es das „drittbekannteste Lied der Welt“ sei (zitiert nach Der Spiegel). Denn das Lied bereitet beim Singen große Freude, der Text prägt sich leicht ein und im Laufe der Zeit wurden beim Singen Pfiffe und/oder verballhornende Zwischenrufe eingefügt, die zur Beliebtheit des Liedes beitrugen. Darüber eignet sich der Marschcharakter der Melodie hervorragend, Schritte einer Gruppe beim Wandern oder Marschieren zu koordinieren. Wer aber kennt die vierte Strophe, die zwar auf einigen „Lyrics“-Websites zu finden ist, aber in kein Liederbuch aufgenommen wurde und über deren Herkunft nichts bekannt ist?

O du schöner Westerwald
Bist ja weit und breit bekannt
Echte Menschen der Natur
Von Falschheit keine Spur.

Entstehung

„Der RAD (Reichsarbeitsdienst) hat dem Westerwald zwei Volkslieder geschenkt“, so betitelte der Heimatforscher und Liedersammler Otto Runkel (1873 bis 1946), der Hauptlehrer und „Volksliedwart“ in Dierdorf (Vorderer Westerwald) war, einen Beitrag im Nassauischen Heimatkalender 1941 und meinte das Westerwaldlied und Ich bin der Bub vom Westerwald*. Volksliedforscher bzw. Musikethnologen und Heimatforscher sind sich einig, dass der Text in einem Lager des Freiwilligen Arbeitsdienstes (FAD) entstanden ist, der bei Emmerzhausen (Hoher Westerwald, Kreis Altenkirchen) auf dem Stegskopfgelände Meliorations- und Drainagearbeiten durchführte. Der FAD – zur Erinnerung an den Schulunterricht – war aufgrund einer Notverordnung von Juni 1931 ein Dienst für arbeitslose Jugendliche und Erwachsene, der ausschließlich für gemeinnützige Arbeiten eingesetzt wurde – nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten überwiegend für militärisch nutzbare Bauarbeiten. Er war der Vorläufer des 1935 gegründeten Reichsarbeitsdienstes (RAD), mit dem eine sechsmonatige Dienstpflicht für junge Männer eingeführt wurde (vgl. Wikipedia).

Über die Entstehung des Westerwaldliedes sollen Aufzeichnungen des damaligen Gemeindebaumeisters (und späteren Bauamtsleiters) Willi Münker (1896 bis 1961) aus Daaden (Landkreis Altenkirchen) vorliegen, der im Lager des Arbeitsdienstes die Bauaufsicht hatte. Das Original oder ein Faksimile befinden sich jedoch derzeit weder im Landeshauptarchiv Rheinland-Pfalz noch im Heimatmuseum Daaden; angeblich befindet es sich in Privathand. Artikeln zweier Heimatforscher ist zu entnehmen, dass sich Willi Münker, der Lagerleiter Böhmer und der Sportlehrer Scharthauer im November 1932 in einer Holzbaracke des Freiwilligen Arbeitsdienstes (FAD) auf dem Stegskopfgelände (bei Daaden) vor Feierabend zusammen gefunden hatten, weil ein Unwetter das Weiterarbeiten unmöglich machte. Und weil sie gerade nichts Besseres zu tun hatten (nach anderen Versionen „spontan“ oder „aus Langeweile“), dichteten sie auf die Melodie eines altes Westerwaldliedes die drei Verse und den Refrain, wobei jeder seinen Teil zum Text beitrug.**

Wahrscheinlich haben die drei genannten Verfasser die Verszeilen aus Bruchstücken älterer Lieder zusammengesetzt, z. B. aus dem alten Kinderlied Heute wollen wir marschieren und im Gehen uns probieren aus der Mitte des 19. Jahrhundert, das sie in der Schule aus einem der von 1904 bis 1929 zahlreich erschienenen Schul- oder Liederbüchern gelernt hatten. Oder sie kannten das alte Lied Westerwald, meine goldne Heimat, in dem in der ersten Strophe die Zeilen vorkommen „Dunkle Tannen ragen zum Himmel, / auf den Höhen weht pfeifender Wind“ und „Meine Heimat ist schön und mir teuer, / ist auch grausig herb und kalt.“

Die Melodie ist gemäß dem Germanisten und Volksliedfachmann Heinz Rölleke „im 19. Jahrhundert entstanden“.*** Auch der Volkskundler und Liedforscher Otto Holzapfel weist daraufhin, dass in den Gebrauchsliederbüchern „für die Melodie zumeist Volksweise angegeben wird“. Dagegen nennt die Mehrheit der im Hubertus Schendel Archiv vorhandenen Liederbücher – sofern eine Angabe vorhanden ist – Josef Neuhäuser als Komponisten, und auch das Deutsche Musikarchiv, Leipzig, weist auf seinen Tonträgern ihn als Komponisten aus. Josef Neuhäuser (1890 bis 1949), zu der Zeit in Limburg wohnend, war Komponist von Blas- und Marschmusiken. „1934 fragte ein Limburger Musikhaus bei ihm an“, so nachzulesen in der Veröffentlichung des Archivkreises Brechen****, „ob er ein altes im Westerwald viel gesungenes Lied in einen Marsch umsetzen könne und schickte ihm, nachdem er zugesagt hatte, eine junge Westerwälderin, die ihm das Lied vorsang, das zuvor noch nie aufgezeichnet war“. Diese Version wird von seinem Sohn, Walter Neuhäuser (geb. 1926), als Ohrenzeuge des Vorsingens, bestätigt.

1935 komponierte Josef Neuhäuser den später weltbekannt gewordenen Westerwaldmarsch, in dem er im Trio das im FAD entstandene Westerwaldlied verarbeitete. Nachdem Neuhäuser den Marsch zunächst im Selbstverlag herausbrachte, bot er ihn dem renommierten Musikverlag B. Schott’s Söhne, Mainz, an. Der Schott-Verlag kaufte ihm den Marsch für 165 Reichsmark ab und erhielt 1937 von der STAGMA, der Staatlich genehmigten Gesellschaft für musikalische Aufführungsrechte (Vorläuferin der GEMA), das Copyright.

Westerwald_I

Westerwald_II

Analyse

Das Lied beginnt mit der Aufforderung „marschier‘n“ und „einen neuen Marsch [zu] probier’n“, wobei sich die drei Arbeitsmänner einbezogen haben: „wir wollen“. In einer Gruppe gesungen, stärkt das Wir sicherlich das Gemeinschaftsgefühl. Den ersten Zeilen ist zu entnehmen, dass bereits im freiwilligen Arbeitsdienst ganz im paramilitärischen Stil marschiert wurde. Später im Reichsarbeitsdienst gehörte Marschieren, den Spaten wie ein Gewehr geschultert, zum täglichen Dienstprogramm.

Im Refrain wird zunächst ein Lob ausgesprochen – „O, du schöner Westerwald“ -, dann aber bedauert, dass der „Wind so kalt“ pfeift, was nicht verwundert: es war ein Novembertag, als das Lied entstand. Immerhin wird diese Aussage relativiert, nicht im ganzen Westerwald, sondern (nur) „über deinen Höhen“ (schließlich entstand das Lied auf dem Stegskopfgelände, 654,4 m über N.N., im Hohen Westerwald). Das Ganze wird verbunden mit der Hoffnung auf ein bisschen Sonne: „jedoch der kleinste Sonnenschein / dringt tief ins Herz hinein“. Diese Zeilen muten angesichts der zackigen Einleitung geradezu romantisch an.

Und tatsächlich gibt es im 19. Jahrhundert eine große Anzahl von Gedichten, in denen die Topoi Sonnenschein und Herz verwandt werden, z. B. O Sonnenschein von Robert Reinicke (1805 bis 1852) mit den Anfangszeilen „O Sonnenschein, o Sonnenschein, / wie scheinst du in mein Herz hinein“ und Der goldene Sonnenschein von Ernst August Scherenberg (1839 bis 1905) mit den Zeilen „Es schleicht sich auch in’s ärmste Herz / ein Strahl des Lichts hinein / liegt leuchtend über aller Welt / der goldne Sonnenschein.“

In der Zweiten Strophe stehen „die Gretel und der Hans“ exemplarisch für ein Paar, das „des Sonntags gern zum Tanz“ geht, wie in einem alten Kirmeslied aus Hachenburg (Sitz des Landschaftsmuseums Westerwald), in dem es heißt:

Hat der Hans auch graue Haare,
und ist Gretel alt wie’er,
Kommt die Kirmes dann im Jahre,
Geben sie dem Tag die Ehr‘.
Einen Walzer voller Zier
Tanzt der Hans alsdann mit ihr,
Tra la lalala, Tra la lalala.

Die dritte Strophe bezieht sich darauf, dass auch die Arbeitsmänner gern zum Tanzen gingen, sei es auf der Kirmes oder beim Schützenfest. Geht man von den Aufzeichnungen Willi Münkers aus, dann haben die Arbeitsmänner auf einem Dorffest in der Nähe ihres Lagers mit einheimischen Mädchen und Frauen getanzt und die Erfahrung gemacht, dass die männlichen Dörfler eifersüchtig wurden. Nach einem Streit sei es dann zu einer Keilerei gekommen, der die FAD’ler nicht aus dem Wege gingen, da sie sonst als feige gegolten hätten („der hat keinen Schneid“).

Wettbewerb und andere Lieder

Mit aufkommendem Tourismus befürchteten viele Westerwälder Gemeinden, der Refrain des Westerwaldliedes könne potentielle Touristen abschrecken. Daher wurde von der Stadt Montabaur im Jahre 1975 ein Wettbewerb für ein neues Lied ausgeschrieben. Dieses Lied sollte ein Loblied auf die Landschaft sein. Da von 1.300 Einsendungen kein Lied den Anforderungen an Text und Melodie genügte, wurde das Preisgeld von 10.000 DM aufgeteilt. Erstaunlich, dass der Wettbewerb für nötig gehalten wurde – vielleicht geschah er auch aus Marketinggründen -, gibt es doch eine Anzahl Westerwaldlieder, die geradezu wie eine Liebeserklärung klingen. Hier eine Auswahl:

– „Heil dir, schöner Westerwald, / dich soll mein Land besingen, / dass weit und breit dein Lob erschallt, / dass Berg und Täler klingen“ (1870)

– „O Westerwald, o Heimatflur, wo unberührt noch die Natur“ (1925)

– „Mein Herz, das ist im Westerwald, / ich liebe seine dunklen Tannen.“ (1927)

– Laßt uns fröhlich wandern im schönen Westerwald“ (1969)

Andererseits gibt es aber auch ein Lied (vermutlich aus dem Jahre 1925), getextet von Georg Ortmüller (1896 bis 1946), der von 1920 bis 1946 Lehrer in Mudenbach (Oberwesterwaldkreis) war, das in der ersten Strophe das raue Wetter in höheren Lagen des Westerwaldes bestätigt, aber insgesamt die Liebe zum Westerwald deutlich werden lässt:

Dunkle Tannen ragen zum Himmel,
auf den Höhen ein pfeifender Wind.
Und ich ziehe durch lachende Fluren.
Ich bin ein Westerwälder Kind.
Meine Heimat ist schön mir schön und teuer,
ist auch grausig, herb und kalt,
doch im Herzen brennt heiliges Feuer
für die Heimat im Westerwald.

In dem vom Liedermacher und Komponisten Ulrik Remy (geb. 1949), der einige Jahre in Hachenburg (Westerwaldkreis) gelebt hat, verfassten Lied Ich bin aus‘m Westerwald wird das auf die Westerwälder angewandte Schimpfwort „Basaltköppe“ in der 7. Strophe widerlegt, und in der 8. Strophe werden die zeitweise rauen Wetterbedingungen akzeptiert:

Es gibt Leute, die behaupten, wir da hinter’m Wald,
wären ungehobelt und wir hätten Köpfe aus Basalt.
Doch wir haben warme Herzen, schicke Mode lässt uns kalt.
Wir sind aus’m Westerwald.
Und wir haben nichts dagegen, wenn der Wind mal weht
wenn er grade ist und sich nicht alle Augenblicke dreht.
Wer uns Westerwälder kennt, ich bin sicher, der versteht.
Ich bin aus’m Westerwald.

Rezeption bis 1945

Verbreitet durch die Arbeitsmänner des FAD/RAD wurde das Westerwaldlied bald in ganz Deutschland populär. Ein von Robert Zündorf (1896 bis 1943, Komponist, Lehrer und Schriftsteller aus Hagen) komponierter Marsch O, du schönes Sauerland, verarbeitet wie Neuhäuser ein Lied, dessen Melodie mit dem Westerwaldlied sehr große Ähnlichkeit aufweist. Zündorfs Sauerlandmarsch blieb allerdings trotz einiger Schellackplatten auf die besungene Region beschränkt.

Dagegen stieg die Popularität des von Josef Neuhäuser komponierten Westerwaldmarsches weiter an, besonders nachdem der Marsch häufig vom Großdeutschen Rundfunk ausgestrahlt wurde und mehr als 20 Schellackplatten mit dem Titel Westerwaldlied, Westerwald-Marsch oder O, du schöner Westerwald erschienen. Von Grammophon über Odeon und Polydor bis Telefunken u.v.a. – fast alle Schallplattenverlage wollten am finanziellen Erfolg des Liedes teilhaben.

Und sicherlich trugen auch die im Schott Verlag erschienenen Liederbücher und Partituren zur weiterhin wachsenden Beliebtheit bei, wie das Liederbuch der Wehrmacht (bereits 1939 in der 4. Auflage), Das neue Soldatenliederbuch, Heft 1 (1940) und die Notenausgaben für Klavier Unsere Soldatenlieder und für Akkordeon Alles in einem. Auch NS-Verlage verlegten weitere, hauptsächlich für Soldaten gedachte, Liederbücher mit dem Lied. Immerhin erschien das Lied 1941 auch in Das Liederbuch für den deutschen Wanderer und in Die Drehorgel – Liederbuch für fröhliche Kreise.

Eine Variante erschien als Lied der baltischen Freiheitskämpfer im Liederbuch des RAD Singend wollen wir marschieren mit folgenden Zeilen:

Heute wollen wir marschier‘n
weit in Feindesland hinein
und die Fahne, die wir führen
soll uns unsre Heimat sein.

Westerwald_III

Rezeption ab 1945

Nach dem Zweiten Weltkrieg galten Westerwaldlied und -marsch als belastet durch das NS-Regime. Daher waren die westdeutschen Musikverlage (die ostdeutschen eh) etliche Jahre zurückhaltend mit dem Verlegen des Marsches. Doch es dauerte nur etwas mehr als ein Jahrzehnt, da griff die Bundeswehr nach ihrer Gründung 1955 das Trio des Westerwaldmarsches, bekannt unter der Bezeichnung „Westerwaldlied” auf, als wenn das Lied nicht durch die deutschen Soldaten im Zweiten Weltkrieg „verbrannt“ worden wäre, die mit dem Lied auf den Lippen im Mai 1940  in Holland, Belgien und Luxemburg einmarschiert waren.

Immerhin heißt es 1958 und auch noch in der zweiten Auflage von 1991 im Liederbuch der Bundeswehr Kameraden singt!: „Dieses Lied ist das wohl bekannteste Lied der ehemaligen deutschen Wehrmacht […] Es sollte daher immer besonders sorgsam abgewogen werden, ob und wo dieses Lied durch Angehörige der Bundeswehr gesungen wird“. Dagegen heißt es 1976 im Liederbuch der Bundeswehr Hell klingen unsere Lieder in abgemilderter Form: „Trotz seiner vorzüglichen Eignung für den Marschgesang der Truppe sollte es nur als wichtiges Lied in der Entwicklung des deutschen Soldatenlieds angesehen werden“.

Bald kamen LPs und CDs auf den Markt. Zu den ersten LPs mit dem Westerwaldlied gehörten 1962 und 1964 die Aufnahmen des Heeresmusikkorps der Bundeswehr, 1965 die Stimmungslieder mit dem Gesang von Willy Millowitsch und 1968 Heino mit seiner ersten LP Heino (bis 1984 sechs weitere LPs und 1985 bis 2013 acht CDs mit dem Lied). Und natürlich kamen weitere Aufnahmen von Bundeswehr-Musikgruppen heraus, von den Musikkorps der jeweiligen Teilstreitkräfte und diversen Soldatenchören. Vom Norden (Marinechor Blaue Jungs 1979) bis zum Süden (Tölzer Knabenchor, 1979), vom berühmten Montanara Chor bis hin zu regionalen Chören wie den Westerwälder Nachtigallen und sogar in Österreich (von den Kremser Buam) wurde der Westerwald besungen. Das Deutsche Musikarchiv weist in seinem Katalog insgesamt 75 Tonträger und 34 Notenausgaben aus.

Und nachdem auch die westdeutschen Rundfunkanstalten ihren Teil dazu beigetragen hatten, das Lied wieder „salonfähig“ zu machen, nahmen wieder große Verlage es ebenfalls in ihre Liederbücher auf, so z. B. Heyne mit dem Taschenbuch Die schönsten deutschen Volkslieder (1977), der Weltbild Verlag mit Deutsche Heimatlieder (1985), Deutscher Liederschatz (Band 1, 1988) und Das Volksliederbuch (1995), Kiepenheuer & Witsch mit Das große Buch der Volkslieder (1993, das später von der Bertelsmann Buchgemeinschaft übernommen wurde) und Das Beste in Kooperation mit dem ADAC mit Die schönsten deutschen Volkslieder (2004), um nur die umsatzstärksten Liedersammlungen zu nennen. Hingegen wurde es in die vom CVJM (Christlicher Verein junger Menschen) herausgegebene Mundorgel (mit der höchsten deutschen Auflage für ein Textliederbuch von 10 Millionen, und 4 Millionen Notenausgabe) bewusst nicht aufgenommen.

Das Westerwaldlied wurde auch gesungen in publikumsträchtigen Filmen wie 08/15 (1954/55; hier wurde die Pause nach „pfeift der Wind so kalt“ gefüllt mit dem Ruf „Eukalyptusbonbon“), Steiner – Das Eiserne Kreuz (1977, hier „Prima Damenschlüpfer“) und Das Boot (1981, nur Refrain, mit oder ohne Ruf?).

Wie populär das Lied und der Marsch heute noch sind, vor allem bei Veteranen und Soldaten der Bundeswehr und – betrachtet man die Titelbilder – bei jungen und alten Ewiggestrigen im In- und Ausland, zeigen mehrere tausend Videos bei Youtube (darunter allerdings viele mehrfach hochgeladene). Eine antimilitaristische Parodie boten 1988 die Dresdner Rapper Three M-Men.

Georg Nagel, Hamburg

* Auf den Spuren der musikalischen Volkskultur im Westerwald, bearbeitet von Dr. Manfrid Ehrenwerth u.a., München 2008, S. 412

** Quellen: Ulrich Meyer, Vorsitzender des Arbeitskreises Heimatgeschichte Daadener Land und Marc Rosenkranz, Mitglied, vgl. www.skiverein-stegskopf-emmerzhausen.de und     www.emmerzhausen-westerwald.de.

*** H.R.: Das große Buch der Volkslieder, Köln, 1993, S. 286

**** www.gemeinde-brechen.de unter Archiv, Prominente Persönlichkeiten: Josef Neuhäuser.