„Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut“ … „and the world will live as one“. Zu „Hurra, die Welt geht unter“ von K.I.Z. und Henning May (2015)

K.I.Z. und Henning May

Hurra, die Welt geht unter 

Kleidung ist gegen Gott, wir tragen Feigenblatt
Schwingen an Lianen übern Heinrichplatz
Und die Alten erzählen vom Häuserkampf
Beim Barbecue in den Ruinen der Deutschen Bank
Vogelnester in einer löchrigen Leuchtreklame
Wir wärmen uns auf an einer brennenden Deutschlandfahne
Und wenn einer auf 'ner Parkbank schläft
Dann nur weil sich ein Mädchen an seinen Arm anlehnt
Drei Stunden Arbeit am Tag, weil es mehr nicht braucht
Heut' Nacht denken wir uns Namen für Sterne aus
Danken dieser Bombe vor zehn Jahren
Und machen Liebe bis die Sonne es sehen kann
Weißt du noch, als wir in die Tische ritzten in den Schulen
„Bitte Herr, vergib ihnen nicht, denn sie wissen was sie tun.“
Unter den Pflastersteinen wartet der Sandstrand
Wenn nicht mit Rap, dann mit der Pumpgun

Und wir singen im Atomschutzbunker:
„Hurra, diese Welt geht unter!“
„Hurra, diese Welt geht unter!“
„Hurra, diese Welt geht unter!“
Und wir singen im Atomschutzbunker:
„Hurra, diese Welt geht unter!“
„Hurra, diese Welt geht unter!“
Auf den Trümmern das Paradies

Nimm dir Pfeil und Bogen, wir erlegen einen Leckerbissen
Es gibt kein' Knast mehr, wir grillen auf den Gefängnisgittern
Verbrannte McDonald's zeugen von unsern Heldentaten
Seit wir Nestlé von den Feldern jagten
Schmecken Äpfel so wie Äpfel und Tomaten nach Tomaten
Und wir kochen unser Essen in den Helmen der Soldaten
Du willst einen rauchen? Dann geh dir was pflücken im Garten
Doch unser heutiges Leben lässt sich auch nüchtern ertragen
Komm, wir fahren in den moosbedeckten
Hallen im Reichstag ein Bürostuhlwettrennen
Unsere Haustüren müssen keine Schlösser mehr haben
Geld wurde zu Konfetti und wir haben besser geschlafen
Ein Goldbarren ist für uns das gleiche wie ein Ziegelstein
Der Kamin geht aus, wirf' mal noch 'ne Bibel rein
Die Kids gruseln sich, denn ich erzähle vom Papst
Dieses Leben ist so schön, wer braucht ein Leben danach?

Und wir singen im Atomschutzbunker: [...]

Die Kühe weiden hinter uns, wir rauchen Ot, spielen Tavla
Dort wo früher der Potsdamer Platz war
Wenn ich aufwache, streich ich dir noch einmal durchs Haar
„Schatz ich geh zur Arbeit, bin gleich wieder da.“
Wir stehen auf, wann wir wollen, fahren weg, wenn wir wollen
Sehen aus, wie wir wollen, haben Sex, wie wir wollen
Und nicht, wie die Kirche oder Pornos es uns erzählen
Baby, die Zeit mit dir war so wunderschön
Ja, jetzt ist es wieder aus, aber unsere Kinder wein' nicht
Denn wir ziehen sie alle miteinander auf
Erinnerst du dich noch, als sie das große Feuer löschen wollten?
Dieses Gefühl, als in den Flammen unsere Pässe schmolzen?
Sie dachten echt, ihre Scheiße hält ewig
Ich zeig den Kleinen Monopoly, doch sie verstehn's nicht
„Ein Hundert-Euro-Schein? Was soll das sein?
Wieso soll ich dir was wegnehm', wenn wir alles teilen?“

Und wir singen im Atomschutzbunker: [...]

     [K.I.Z.: Hurra, die Welt geht unter. Universal 2015.]

In Thomas Brussigs aktuellem Roman Das gibts in keinem Russenfilm (2015) beerbt Gregor Gysi Egon Krenz und verhindert auch für das Jahr 2016 wieder freie Wahlen in der DDR. Gut auch für Gysi ganz persönlich also, dass es entgegen Brussigs Fiktion vor ziemlich genau einem Vierteljahrhundert tatsächlich eine Wiedervereinigung gab. Statt Generalsekretär und Staatsratsvorsitzender konnte er Oppositionsführer, Medienstar und – spätestens nach Ankündigung seines relativen Rückzugs – irgendwie auch -liebling werden. So darf er sich nun u. a. gemütlich von einer ihm höflich gewogenen Redakteurin das Magazins Rap ist interviewen und ganz ohne jeglichen Polit-Talk-Druck zu Texten der provokant prolligen, selbstironisch sexistischen und vor allem bekanntermaßen eher linksdenkenden Hip-Hop-Formation K.I.Z. befragen lassen.

Trotz ihres polit(satir)ischen Engagements für die Partei Die Partei (vgl. etwa einen Bericht über ein entsprechendes Konzert Mitte Juli) findet Gysi die Jungs von K.I.Z. und speziell ihr fröhliches Endzeitsszenario namens Hurra, die Welt geht unter erwartungsgemäß „klug“, „witzig“ sowie überhaupt „gut“. An dieser Stelle vertritt er offenbar einmal eine durchaus mehrheitsfähige Meinung: Das gleichbetitelte Album landete auf Rang eins der Charts, das Video wurde auf Youtube bislang in den ersten drei Monaten seit der Veröffentlichung Anfang Juli 2015 über 16 Millionen Mal geklickt. Dieser Erfolg hat nicht nur mit der Eingängigkeit des Refrains und der beeindruckenden Reibeisenstimme Henning Mays von AnnenMayKantereit zu tun. Die Vision einer Bombe, die unsere Welt mitsamt einiger ihrer Annehmlich- aber eben auch Ungerechtigkeiten so ein bisschen zerstört, scheint sehr gut anzukommen. Eventuell trifft diese Hymne auf den halben Weltuntergang und die mit ihm verbundene „neue Verbundeheit mit Mutter Erde“ (vgl. laut.de) einen irgendwie gearteten Nerv der Zeit. Jedenfalls darf man das „so ziemlich […] einzige politisch korrekte Lied der Hip-Hop-Band aus Berlin“ (SZ-Magazin) einen Hit nennen. Wenn man sich die Wetterlage der Monate nach der Veröffentlichung in Erinnerung ruft, lässt sich vielleicht sogar von einem echten Sommerhit sprechen – die erste Zeile zumindest passt recht gut dazu: „Kleidung ist gegen Gott, wir tragen Feigenblatt“.

Exemplarisch bewertet Gysi diesen einleitenden Satz als „sehr klug“ und interpretiert, damit würde gesagt, „dass der Mensch natürlich anders geschaffen worden ist“, um anzumerken, wie wichtig es sei, dass wir als „Säugetiere“ häufiger die Natürlich- bzw. Sinnhaftigkeiten unserer Regeln hinterfragen. Ein entsprechendes Hinterfragen fördern die „Kannibalen in Zivil“ (vgl. zu dieser Bedeutungsvariante der namensgebenden Abkürzung aktuell im Stile einer eisler-brechtschen Kampfeshymne: Das Kannibalenlied), indem sie mit einer pfiffigen Umkehrung religiös motivierter Bekleidungsvorschriften gegen eine übertriebene Verhüllung fleischlicher Reize in der Postzivilisation plädieren. Wenn daran anknüpfend vom „Schwingen an Lianen übern Heinrichplatz“ erzählt wird, bringt dies hier nicht nur den obligatorischen Berliner Lokalkolorit, sondern auch eine ordentliche Portion Spaß ins Szenario. Üblicherweise hat man ja – geschult durch Hiroshima-Dokus und zu den Hochzeiten des Kalten Krieges gehäuft entstandenen Filmen wie z.B. Malevil (F/BRD 1981), The Day After (USA 1983), Threads (GB 1984) oder Briefe eines Toten (UdSSR 1986) sowie natürlich Guido Knopp (u.a. Der Dritte Weltkrieg aus dem Jahr 1998) – eher weniger schöne Bilder im Kopf, wenn man an Atomschläge denkt.

In einem Werbeinterview spricht K.I.Z.-Kopf Maxim dann auch genau davon, dass fiktionale „Weltutergangsszenarien“ sonst meistens dystopische „Alptraumwelt[en]“ zeigen, die auch deshalb so bedrückend wirken, weil die Leute dann kurioserweise immer gleich die „alte Ordnung“ wiederherstellen wollen würden – „aber man kann sich doch ebenso gut vorstellen, dass einfach alles Schlechte verschwindet“. Entsprechend erscheint die bessere Welt in Hurra, die Welt geht unter als eine großartige Gegenfolie bzw. Ausgangsbasis, um Zeile für Zeile klarzustellen, was hier und heute alles als kritik- oder gar zerstörungswürdig anzusehen bzw. als das „Schlechte“ zu haten ist: die „Deutsche Bank“, „McDonalds“ und „Nestlé“ etwa ganz konkret. Solche Symbole der „Scheiße“ bzw. „alte[n] Ordnung“ sind im utopischen Berlin zur „Ruine“ verfallen, verbrannt oder verjagt.

Im besseren, nüchtern zu ertragenden Leben sollen uns „Pornos“ nicht mehr vorschreiben, wie man Liebe macht, Soldatenhelme sind nur noch zum Kochen zu gebrauchen, und das architektonisch umstrittene Privatgelände „Potsdamer Platz“ hat es verdientermaßen auch erwischt. Auch werden „Leuchtreklame[n]“ nicht mehr unsere Innenstädte verunstalten, „Geld“ wird nur noch als „Konfetti“ dienen, „Goldbarren“ werden nicht mehr übertrieben viel wert sein etc. Dass ausgerechnet diese Wesentlichkeiten des Kapitalismus ausgerottet bleiben, erscheint als eine zwar naive, aber nicht nur für Gysi und Co. durchaus attraktive Vorstellung. Zusammenfassend kommentiert das SZ-Magazin: „Gier und Stress sind bäh, also muss man das ja gut finden“.

Insgesamt wirkt Hurra, die Welt geht unter als eine für das Jahr 2015 sehr gelungene Kreuzung aus Jacob van Hoddis‘ Weltende und John Lennons Imagine. „Die Eisenbahnen [fielen] von den Brücken“ und alles wurde traumhaft schön: „No heaven […], no countries […], no possessions“ heißt hier kein „Papst“, keine „Pässe“ und keine „Schlösser“ an den Haustüren mehr. In die aktuelle Situation passt das Lied auch deshalb so gut, weil K.I.Z. mit der Rede vom erhebenden „Gefühl, als in den Flammen unsere Pässe schmolzen“, auch einen beachtenswerten Kommentar zur aktuellen Flüchtlingsdebatte liefern (man vgl. auch Boom Boom Boom: „Denkt ihr die Flüchtlinge sind in Partyboote gestiegen […]?“). Hierzu passt auch die „brennende Deutschlandfahne“. Gregor Gysi mag sich inzwischen an den neuen ausgelassenen Schwarzrotgoldpatriotismus gewöhnt haben (vgl. wiederum Rap ist-Interview), K.I.Z. stören sich nach wie vor daran (vgl. Maximilian Sauers Beitrag zu Biergarten Eden).

Martin Kraus, Bamberg

Ironischer Nationalismus. „Biergarten Eden“ von K.I.Z.

K.I.Z.

Biergarten Eden

Okay für dich Deutschland:

Danke Deutschland, wir dürfen wieder stolz sein,
Ein Volk sein, Schwarz-Rot-Gold sein.
Poldi hat die Treffer versenkt.
Die Sehnsucht in den Herzen hat die Mauern in den Köpfen gesprengt.
All unsere Söhne in Afghanistan: Jungs haltet den Kopf hoch.
Wir sind Papst und das Wunder von Oslo.
2006 sah die Welt wir sind nicht verkrampft.
Ost und West, Ying und Yang.
Rückt zusammen all ihr Dichter und Denker.
Warum wir stolz sind? Blickt aus dem Fenster:
glänzende BMWs, saftige Wiesen.
Ich häng mit Schwaben Sachsen und Friesen.
Gute Musik und herzhaftes Essen,
Bayern, Preußen und Hessen.
Die Flaggen auf den Wangen verwischt von den Freudentränen.
Ich will kein Urlaub, ich will Deutschland schön.

Schwarz Rot Gold, wir sind das Volk.
Schwarz Rot Gold und nie ein anderes.
Schwarz Rot Gold und wir reiten auf den Schäferhunden Richtung Horizont.
Er leuchtet Schwarz Rot Gold.

Den Juden das Geld, den Schwarzen die Mädels.
Weil wir brauchen bloß unseren Spargel aus Beelitz.
Bescheidene Menschen, einfache Menschen.
Arbeiter, Handwerker, fleißige Menschen.
Wir Deutschen sind Sklaven.
Wir haben die Bombe erfunden doch dürfen sie bis heute nicht haben.
Man hat sich zu benehmen als Gast in unserem Land.
Unsre Hochkultur von hier bis zum Ballermann bekannt.
Wir helfen Kids in der dritten Welt mit Waffen.
'Ne Frau als Kanzlerin, wie fortschrittlich ist das denn?
Immer wenn 'ne Mutter einen blonden Knaben gebärt
verlässt ein neuer Volkswagen 's Werk.
Und alle singen:

Schwarz Rot Gold wir sind das Volk […]

Wie kann man diese Weltmacht doof finden ?
Der Adler fliegt von Kamerun nach Elsaß-Lothringen.
Und wir wollen nicht mehr streiten,
an dieser Stelle nochmal 'n dickes Sorry für den Zweiten.
Wir laufen barfuß auf den Scherben der Reichskristallnacht.
Wünschen allen Imigranten eine weiße Weihnacht.
Doch bevor ihr rein dürft in den Biergarten Eden,
gibts noch einigen Papierkram zu regeln.
Deutschland: Exportweltmeister der Herzen.
Hier gibt es keinen Grund Steine zu werfen.
16 Bundesländer unser ganzer Stolz.
Germany, wir machen die 20 voll.

Schwarz Rot Gold wir sind das Volk […]

Das Lied Biergarten Eden wurde von K.I.Z. im Juni 2010 frei im Internet veröffentlicht und in einer Videobotschaft als bester WM-Song aller Zeiten angekündigt. In der Botschaft wird die Entstehung des Liedes damit begründet, dass die Bandmitglieder so viel von Deutschland bekommen haben, dass es Zeit wäre, etwas an die „große Nation“ zurückzugeben. Dies geschieht jedoch mit dem für den Band typischen ironischen Unterton, der sich auch im gesamten Text des Lieds widerspiegelt.

Inhaltlich beschäftigt sich die erste Strophe zunächst mit der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland und scheint den durch dieses Ereignis wieder aufkeimenden Patriotismus, der sich z.B. durch Fahnen an Autos zeigt, als positiv zu bewerten. Der Bezug zur Weltmeisterschaft wird unter anderem durch den Vers „Poldi hat den Treffer versenkt“ und „2006 sah die Welt wir sind nicht verkrampft“ hergestellt.

Desweiteren wird auf diverse Ereignisse angespielt, auf die, deutschen Stereotypen folgend, Menschen hierzulande stolz seien, bzw. auf Erfolge, die die Menschen als nationalen Erfolg wahrnehmen. So werden zum Beispiel in dem Vers „Wir sind Papst und das Wunder von Oslo“ Bildzeitungsschlagzeilen zitiert, die zur Wahl des deutschen Papstes und zum deutschen Sieg beim Eurovision Songcontest 2010 in Oslo erschienen sind. Hier werden Ereignisse genannt, die zu ähnlichen kollektiven patriotischen Freudenbekundungen geführt haben wie ein Fußballspiel.

Außerdem werden noch das gute deutsche Essen, die Musik, die Automobilindustrie und die unterschiedlichen Regionen Deutschlands als besonders schön und hervorhebenswert genannt. Die gesamte Darstellung des Landes wirkt stark übertrieben und lässt schon eine gewisse Ironie durchscheinen, die im Verlauf des Liedes deutlicher hervortritt und gesteigert wird. So erscheint der Vers „All unsere Söhne in Afghanistan: Jungs haltet den Kopf hoch.“ vordergründig als Mischung der sprichwortartigen Aussagen „Kopf hoch“ und „Halt die Ohren steif, entpuppt sich bei genauer Betrachtung aber als sarkastische Anspielung auf Ereignisse beim Afghanistaneinsatz der Bundeswehr: Im Jahr 2006 wurde bekannt, dass deutsche Soldaten in Afghanistan Leichen schändeten und sich mit deren Schädeln fotografieren ließen. Diese Anspielung passt so gar nicht in das scheinbar positive Deutschlandbild.

Der auf Refrain ist hymnenartig gestaltet und hört sich wie der eines typischen WM-Liedes an. Es wird das Bild des in den Sonnenuntergang reitenden Cowboys gezeichnet, das Pferd wird jedoch durch einen Schäferhund, ein typisch deutsches Tier, ersetzt.

In der zweiten Strophe wird offensiv auf rechtes Gedankengut angespielt, das schon häufig Thema in der Gesellschaft war. Hierzu zählten nationalsozialistische Äußerungen, in denen Juden mit Geld in Verbindung gebracht werden sowie die Produktion der Volkswagenwerke, eines früheren NS-Unternehmens, gelobt und mit der Geburt eines blonden, dem arischen Idealbild entsprechenden, Jungen in Verbindung gesetzt wird. Zudem nimmt der Vers „Wir Deutschen sind Sklaven“ ein Thema rechter Propaganda auf, das z.B. schon im gegen den Versailler Vertag gerichteten Slogan eines Plakats rechtsgerichteter Gruppierungen der Weimarer Republik zum Volksbegehren gegen den Young-Plan zu finden war („Bis in die dritte Generation müßt ihr fronen!“).

Es lassen sich jedoch auch direkte Anspielungen auf neuere Ereignisse mit rechten Hintergründen finden, wie zum Beispiel die 2000 von Friedrich Merz losgetretene Debatte über eine „Leitkultur“. Daneben wird noch die Fortschrittlichkeit einer weiblichen Regierungschefin und die Bescheidenheit und der Fleiß der Menschen gelobt. Wie auch in der ersten Strophe lässt sich in einem Vers wieder deutlich die eigentlich kritische Haltung des Lieds erkennen. So heißt es „Wir helfen Kindern in der dritten Welt mit Waffen“. Hier wird durch den Zusatz „mit Waffen“ darauf aufmerksam gemacht, dass Deutschland der drittgrößte Waffenexporteur der Welt ist, und somit auch einen Anteil an dem bewaffneten Kampf von Kindersoldaten in Afrika hat.

Die dritte Strophe ist der zweiten sehr ähnlich. Deutschland wird in rechter Tradition als Weltmacht bezeichnet, die Reichskristallnacht wird thematisiert und es werden die ehemals deutschen Gebiete Kamerun und Elsaß-Lothringen erwähnt. Das Wünschen einer weißen Weihnacht für Emigranten scheint mehr auf die Hautfarbe, als auf die Hoffnung auf Schnee bezogen zu sein. Mit dem „Papierkram“ könnten die viel diskutierten Einbürgerungstests gemeint sein. Auch wenn die dritte Strophe eine Entschuldigung für den Zweiten Weltkrieg beinhaltet, endet sie mit der Forderung das Bundesgebiet auf 20 Bundesländer zu erweitern.

Insgesamt werden gesamten Lied Deutschland und das deutsche Volk vordergründig überaus positiv dargestellt. Durch die ironische Überzeichnung soll dabei jedoch Kritik am aufkommenden Patriotismus geübt und die fließenden Grenzen zum Nationalismus aufgezeigt werden. Dabei wird provokant mit rechten Vokabular und Gedankengut gespielt. Die Intention der Künstler wurde aber vielfach missverstanden.

Als die Bandmitglieder in Interviews auf das Lied angesprochen wurden, waren ihre Antworten zunächst von der gleichen Ironie geprägt, die bereits in der Ankündigung zu hören war. Dies änderte sich jedoch im Laufe der Zeit aufgrund der problematischen Rezeption vieler Hörer, die die Ironie hinter den Zeilen nicht erkannten, sie allzu wörtlich nahmen und der Band einen rechten Hintergrund unterstellten. Diese Rezeption zeigt sich auch, wenn man die unzähligen Kommentare bei YouTube zu dem Lied betrachtet. Dort finden sich Kommentare wie „Richtig so! Für mehr deutschen Nationalstolz!!!! =)“ oder

als ich dieses lied zum ersten mal gehört hab dacht ich…WOW!! es gibt noch deutsche musiker die solche schöne patriotische texte schreiben. da KIZ aber viel ironisch darstellt hab ich jetzt keine ahnung wie sie dieses lied jetzt meinen. ich nehm es einfach mal so wie es geschrieben ist und nehme mal an dass sie es auch so gemeint haben und da kann ich nur sagen: HUT AB ! ein wunderschönes, patriotisches lied. höre zwar eig. kein hiphop aber dieses lied spricht mich total an ()

Dies sind nur zwei Beispiele von vielen die zeigen, wie häufig die Botschaft des Liedes falsch verstanden wurde. Auf diese Problematik reagierten die Mitglieder auch in Interviews ungewöhnlich ernst. So erklärten sie bei der Sendung MTV Home ihre Motive für den Song ausführlich und machten klar, dass dieses Lied sich gegen Patriotismus und Nationalismus richtet, da „Leute, die sich für ihr eigenes Land freuen immer dazu tendieren auch andere Nationalitäten runter zu machen“, wie Nico Seyfried die Intention formulierte. Dies würde vor allem häufig beim Fußball geschehen. Auch im Interview mit meinrap.de sprechen die Mitglieder sehr ernst darüber, dass Rassismus häufig bei Patriotismus mitschwingt und, dass ihr Lied vielfach falsch verstanden wurde, indem es wörtlich und nicht als kritische Botschaft gegen Patriotismus wahrgenommen wurde.

Maximilian Sauer, Bamberg