„Gar lustig ist die Jägerei“ – Der „Jäger aus Kurpfalz“ als erotisches Lied

Anonym (evtl. Martinianus Klein)

Ein Jäger aus Kurpfalz

1) Ein Jäger aus Kurpfalz,
der reitet durch den grünen Wald.
Er schießt das Wild alsbald,
gleich wie es ihm gefällt.

Ju, ja, ju, ja, gar lustig ist die Jägerei
allhier auf grüner Heid,
allhier auf grüner Heid.

2) Bursch, sattel mir mein Pferd
und leg darauf mein´n Mantelsack.
So reit ich weit umher
als Jäger aus Kurpfalz.

Ju, ja, ju, ja, gar lustig ist die Jägerei [...]

3) Hubertus auf der Jagd,
der schoß ein’n Hirsch und einen Has’.
Er traf ein Mägdlein an
und das war achtzehn Jahr.

Ju, ja, ju, ja, gar lustig ist die Jägerei [...]

4) Jetzt reit ich nimmer heim
bis daß der Kuckuck kuckuck schreit.
Er schreit die ganze Nacht,
allhier auf grüner Heid.

Ju, ja, ju, ja, gar lustig ist die Jägerei [...]

Entstehung

In nur fünf der über 400 ausgewerteten Liederbücher (Online-Archiv Hubertus Schendel und eigene Sammlung) wird ein Urheber des Liedes genannt. Der Karmeliterpater Martinianus Klein, Hauslehrer der 14 Kinder des churpfälzischen Jägers und Försters (und späteren Eisenhüttenbesitzers) Friedrich Wilhelm Utsch (1732-1795), soll zu Ehren seines Dienstherrn und Freundes um 1770 den Text verfasst und die Melodie komponiert haben. Ob Utsch der personifizierte Jäger aus Kurpfalz war, wie manche Heimatforscher annehmen, oder Johann Adam Melsheimer, der laut Sterberegister der  Gemeinde Argenthal (im Hunsrück bei Rheinböllen, dem Geburtsort Melsheimers) „Churpfälzischer reitender Förster im Soonwald“ war, ist bis heute bei den Lokalhistorikern umstritten. Während 1914 Kaiser Wilhelm II. ein Denkmal in Gedenken an F.W. Utsch (gegenüber dem Forstamt Soonwald, Nähe Bad Sobernheim) eingeweiht hat, musste sich die Gemeinde Argenthal mit einem Gedenkstein zugunsten J. A. Melsheimers (1683-1757) begnügen.

 

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Denkmal für F. W. Utsch                                                          Gedenkstein für J.A. Melsheimer

Von einigen Heimatforschern abgesehen schreiben Volksliedforscher (u.a. Ernst Klusen und Heinz Rölleke) das Lied unbekannten Verfassern zu. In den Liederbüchern werden jeweils andere Regionen der Entstehung des Liedes angegeben: noch vor der Pfalz am häufigsten Hessen, aber auch Schwaben, Elsass oder Franken. Die Zeit der Entstehung datieren sowohl die Volksliedforscher als auch die Liederbücher „18. Jahrhundert“, einige auch „um 1800“.

In mehr als 300 von über 400 Liederbüchern wird das Jägerlied nur mit drei Strophen ausgewiesen. Einigen Herausgebern war die Erwähnung eines 18jährigen Mägdleins in einem Jagdlied wohl zu heikel; daher wiesen sie als dritte Strophe lieber die „Kuckucksstrophe“ aus, obwohl (zunächst) nicht klar wird, wieso ein Kuckuck hier „die ganze Nacht ruft“. Aber auch mit der „Hubertusstrophe“ statt der „Kuckucksstrophe“ bleibt es bei den dreistrophigen Fassungen der Fantasie des Lesers überlassen, ob und wie es weitergehen könnte. Auch der Ausweis der obigen ersten vier Strophen hilft nicht weiter.

Aufschluss dagegen gibt die fünf Verse umfassende Version, die vor 1800 laut Historisch-kritischem Liederlexikon (HKL) des Deutschen Volksliederarchivs Freiburg auf diversen Flugblättern verbreitet war. Dort gab es eine vierte Strophe, die, nach der obigen dritten Strophe eingefügt, vermuten lässt, dass es sich um ein erotisches Lied handelt:

Wohl zwischen seine Bein,
da muss der Hirsch geschossen sein,
geschossen muss er sein,
auf eins und zwei und drei.

Jagdinteressierte und Laien meinen, dass es nicht gerade waidmännisch sei, einen Hirschen zwischen seine Läufe zu schießen und ihn dadurch (zunächst) nur zu verwunden. Gemeint ist allerdings nicht, den Hirsch zwischen seine Vorderläufe zu schießen, sondern seitwärts zwischen Vorder- und Hinterläufe zu treffen und ihn mit einem Blattschuss zu erlegen.

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Illustration aus dem Liederbuch Musik und Jägerei (Dank an Hubertus Schendel)

In der Sendung Volkslieder des SWR 2 wurde ausgesprochen, worum es ging: „Die Jagd war (im 18. Jahrhundert) zugleich die Gelegenheit, sich sexuell zu vergnügen“ (Nicole Dantrimont am 2.9.2001). Und damit erschließt sich auch der Zusammenhang mit der „Kuckuckstrophe“. Wenn sich der Jäger die ganze Nacht vergnügt hat („der Kuckuck schreit die ganze Nacht“), ist es wahrscheinlich, dass die junge Frau schwanger geworden ist und ein „Kuckuckskind“ zur Welt bringen wird. Diese Anzüglichkeit ist sicherlich der Grund dafür, dass „das Lied um 1800 von der Zensur erfasst und z.B. in die Kursächsische Liedverbotsliste 1802 aufgenommen“ wurde („Volkslieder“ –  Gemeinschaftsprojekt von SWR 2, dem Carus-Verlag  und Zeit Online). Daraufhin nahm der Dichter Leo von Seckendorf (1775-1809) das Lied ohne die „Beinschuss-Strophe“ in seinen Musenalmanach für das Jahr 1808 auf, zum ersten Mal mit der heute noch geläufigen Melodie. Von wem die Melodie stammt, ist ebenso unbekannt geblieben wie der oder die Verfasser des Textes.

Bei den Volksliedforschern des 19. und 20. Jahrhunderts ist strittig, ob das Lied bereits Anfang oder Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden ist. Nach neuerer Forschung von Tobias Widmair (Historisch-kritischem Liederlexikon des Deutschen Volksliederarchivs Freiburg) „findet sich die erste tatsächlich datierbare Spur des Liedes 1794“.

Interpretation

Betrachtet man nur die ersten beiden und die vierte Strophe, verwundert es nicht, dass der Jäger aus Kurpfalz als Kinderlied angesehen wird und in vielen Kinderliederbüchern, von Deutsche Schulgesänge für Mädchen (1884) und Des Knaben Liederschatz (1887 ) bis zu Der Liederquell (1999) und auch so auf Tonträgern (z. B. Lieder fürs Kinderherz, 1976 oder Ich geh mit meiner Laterne, 2009) vertreten ist.

In der ersten Strophe wird die Freude des Jägers an der Jagd ausgedrückt, wie in manchen anderen Liedern, z.B. Auf, auf zum fröhlichen Jagen (Interpretation hier), „Im Wald und auf der Heide, / da find ich meine Freude“ oder „Was kann schöner sein als Jagen und ein rechter Weidmann sein“?

Unser Waidmann muss von höherem Stand sein: er befiehlt seinem oder einem Burschen das Pferd zu satteln und den Mantelsack auf das Pferd zu legen, also eine runde sackartige Tasche mit Kleidung und/oder eine Decke hinter den Sattel zu schnallen. So ausgerüstet, lässt es sich weit umher reiten und wie wir der „Kuckucksstrophe“ entnehmen können, auch übernachten und dabei den Kuckuck schreien hören.

Die ersten Verse der zweiten Strophe spielen an auf die Hubertuslegende, nach der ein Hirsch mit einem weißen (oder leuchtenden) Kreuz zwischen dem Geweih einen Jäger zum Christentum  bekehrte (nach anderer Lesart: von seiner Jagdlust kurierte). Dieser heilige Hubertus wird seit dem Mittelalter als Schutzpatron der Jagd angesehen; außerdem ist er Patron der Natur und Umwelt, der Waldarbeiter, der Schützen und Schützenbruderschaften.

Ist in manchen dreistrophigen Fassungen mit der „Hubertusstrophe“ von einem 18jährigen Mägdelein die Rede, so war das allein für viele Herausgeber kein Grund, das Lied nicht in Kinder- und Schulbücher aufzunehmen. Erst mit der zusätzlichen „Kuckucksstrophe“ und einiger Fantasie wird das Jägerlied zu einem erotischen Lied.

Auch in andern Jägerliedern fällt auf, welche Affinität zwischen Jäger und Mädchen Ende des 18. Jahrhunderts (wenn nicht einige Jahrzehnte darüber hinaus) bestanden hat. In dem bekannten Lied Der Jäger in dem grünen Wald heißt es in der vierten Strophe: „Und als ich in den  Wald reinkam, / traf ich ein schönes Mägdlein an“. Immerhin ist hier nicht ein „Kuckuckskind“ das Ergebnis der sexuellen Begegnung, denn  in der fünften Strophe sagt der Jäger: „Bleib du bei mir als Jägerin“ und bekräftigt den Antrag mit „bleibe du bei mir als meine Braut“. Die obige Aussage des SWR 2, derzufolge im 18. Jahrhundert „die Jagd […] zugleich die Gelegenheit [war], sich sexuell zu vergnügen“, wird im Lied Es blies ein Jäger wohl in sein Horn erneut bestätigt. Wird in der dritten Strophe beschrieben, dass der Jäger mit einem Netz auf Niederwild geht („Er zog sein Netz wohl über den Strauch, / da sprang ein schwarzbraunes Mädchen heraus“), so konkretisieren die achte und neunte Strophe „er warf ihr’s Netz wohl um den Fuß, / auf dass die Jungfrau fallen muss“ und „Er warf ihr’s Netz wohl  übern Arm, / da war sie gefangen, dass Gott erbarm“, um dann in der 10. und letzten Strophe zur Sache zu kommen: „Er warf ihr’s Netz wohl um den Leib, / da ward sie bald des Jägers Weib“. Ähnlich heißt es in dem bekannten Lied Hört ihr nicht den Jäger blasen etwas allgemein „der Jäger mit dem grünen Hut, / der die Mädchen lieben tut“.

Vermutlich im 19. Jahrhundert sind zu dem Jäger aus Kurpfalz die folgenden Strophen sechs bis neun hinzugekommen:

6) Der Jäger sah zwei Leut
und sagt zu ihnen: Guten Tag,
wo wollt ihr hin ihr Leut?
Wir wollen nach Kurpfalz.

7) Ich will euch auf der Reis
begleiten, wenn es euch gefällt.
Wißt ihr wohl, wer ich bin:
der Jäger aus Kurpfalz

8) Nun wärn wir in Kurpfalz,
wer aber gibt uns Mittagsbrot,
wer schenkt die Gläser voll:
der Jäger aus Kurpfalz.

9) Nun weiß ich weiter nichts,
was noch geschah, denkt selber nach,
stoßt an: Es lebe hoch:
der Jäger aus Kurpfalz.

Der Jäger aus Kurpfalz ist so weit geritten, dass er die Landesgrenze hinter sich gelassen hat. Als er zwei Leuten (vermutlich Reitern) begegnet, die offensichtlich nicht den rechten Weg wissen, fragt er sie, wohin es gehen soll. Auf ihre Antwort „nach Kurpfalz“, bietet er ihnen an, sie zu begleiten. Als Jäger aus Kurpfalz weiß er, wie sie dahin kommen können. Und bald ist das nicht näher beschriebene Ziel, die Kurpfalz, erreicht. Rein rhetorisch fragt er, wer ihnen Essen und Trinken geben soll, um gleich selbst darauf zu antworten: er, der Jäger aus Kurpfalz. Wie es weiter gegangen ist, erfahren wir nicht. Das Sprecher-Ich weiß es nicht und fordert uns auf, selber darüber nachzudenken. Eventuell ist das ein Hinweis, die dritte, vierte und fünfte Strophe nach eigenem Gutdünken zu interpretieren.

Im Vergleich zu den ersten fünf Strophen wirken die Strophen sechs bis neun belanglos, ihnen fehlt die Pfiffigkeit. So erstaunt es nicht, dass diese Strophen nur in vier von über 400 Liederbüchern zu finden sind, z. B. 1918 in Spielmanns Goldgrube und 1937 in Musik und Jägerei der Deutschen Jägerschaft.

Rezeption

Zusätzlich zu den oben erwähnten Kinderliederbüchern mit drei Strophen sind im 19. Jahrhundert zahlreiche Liederbücher mit fünf Strophen erschienen. Wie beliebt das Lied war, zeigt sich auch darin, dass es in auflagestarken Liedersammlungen vertreten war, wie z.B. im von Erk und Greef herausgegebenen Singvöglein (1883, 5 Heft, 59. Auflage) und in Schauenburgs Allgemeinem Deutschen Commersbuch (1888; 1933: 101.000 bis 110.000. Auflage).

Mit Ausnahme von Wandervogels Liederbuch (1905, fünf Strophen) und des Zupfgeigenhansls (10. Auflage 1913, vier Strophen) weisen die Mehrheit der Liedersammlungen der Jugendbewegungen und der bis 1933 erschienenen Liederbücher nur drei Strophen auf. Das gilt sowohl für studentische und bündische als auch für konfessionelle und schulische Liederbücher.

Ab 1933 enthalten die zahlreichen Liederbücher für die Schulen und für die Hitlerjugend ebenfalls nur drei Strophen: Dagegen weisen die für Erwachsene gedachten vier Strophen auf, z.B. das Liederbuch für die NS-Frauenschaften (1934) und Singend wollen wir marschieren (Reichsarbeitsdienst, 1933). Eine Ausnahme bildet das von der Deutschen Jägerschaft 1937 herausgegebene Werk  Musik und Jägerei mit den erwähnten neun Strophen. Die Wehrmachtsführung brachte mit dem Einverständnis der Reichsführung Liederbücher mit den oben aufgeführten fünf Strophen heraus, z. B. das Deutsche Soldaten-Liederbuch (1937) oder das Liederbuch der Wehrmacht (1939). Bei den Soldaten war das Lied nicht nur beliebt, weil sich nach dem 4/4-Takt gut marschieren ließ, sondern weil es ihnen auchb wegen der Zweideutigkeit gut gefiel.

Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg wurden von politisch orientierten Kreisen die ersten Liederbücher mit dem Jägerlied herausgegeben, z. B. Das Volksliederbuch für die demokratische Erneuerung Deutschlands (1945) oder das Liederbuch für die schaffende Jugend (1946). Schulbücher wie Musik in der Grundschule (Bd. 2 und 3, 1947) und konfessionelle Liedersammlungen wie Der helle Ton (ev., 1948) und Jungen singt (kath., 1952, 6. Auflage 1956) schließen sich an. Danach taucht das Lied in zahlreichen Schul- und Jugendliederbüchern auf und auch 1956 im Liederbuch für Soldaten (1956) und dem des Deutschen Fußballbundes.

Von den anschließend bis 2016 edierten Liedersammlungen sind vor allem zu nennen die Neuauflagen von Simrocks Die deutschen Volkslieder (1851/1982), Erk/Böhmes Deutscher Liederhort III (1884/1988) und Ditfurths Fränkische Volkslieder, Teil 2, Weltliche Lieder (1855/1999). Wie man der Aufnahme in die weitverbreiteten Lieder-Taschenbücher (Reclam, Schneider, Knaur,  Fischer und gleich zweimal Heyne) entnehmen kann, ist der Jäger aus Kurpfalz nach wie vor in weiten Kreisen beliebt. Auch in der Schweiz und in Österreich ist das Lied gut bekannt.

Gemäß dem Deutschen Musikarchiv Leipzig, das fast 300 Tonträger mit dem Lied archiviert hat, stammen die meisten Aufnahmen von Kinderchören wie den Wiener Sängerknaben und den Regensburger Domspatzen oder von Männer- und gemischten Chören wie den Thomaner Chor, dem Montanara und dem Botho Lucas Chor oder den Fischer Chören, um nur die bekanntesten zu nennen. Geht man von der Anzahl der Tonträger mit Blasmusik aus, dann ist der Jäger aus Kurpfalz als Marsch ganz besonders beliebt bei den Musikkorps der Bundeswehr  (z. B. beim Stabs-, Gebirgs-, Heeresmusikkorps), den Bückeburger Jägern und anderen Blasorchestern. Interpretiert haben das Lied auch berühmte Sänger wie die Tenöre Rudolf Schock und Peter Schreier sowie die Baritone Günther Wewel und Hermann Prey. Während Plattentitel wie Auf der Pirsch oder Heimatklänge zum Lied passend sind, wundert man sich über das Lied enthaltende Alben wie Hoch die Tassen oder Party Sound.

Incipit und Parodien

Die Popularität eines Liedes kann sich auch darin zeigen, dass der Titel oder der erste Vers (das Incipit) außerhalb des musikalischen Zusammenhangs verwendet werden, so als Buchtitel, z.B. Ein Jäger aus Kurpfalz – ein geschichtliches Zeitbild und Ein Jäger aus Kurpfalz – ein Künstlerbilderbuch oder zur Benennung eines Heimatkalenders. Aber auch der Schützenverein von Argenthal (s. oben zu Melsheimer) und ein Hundezwinger sind nach dem Jäger aus Kurpfalz benannt. Und wer möchte, kann auf dem Wanderweg „Jäger von Kurpfalz“ im Soonwald bei Sobernheim (Hunsrück) – acht Kilometer vom Utsch-Denkmal (s.o.) zur tausendjährigen Willigiskapelle – über das Lied und seine Geschichte sinnieren.

Ein anderer Gradmesser für Beliebtheit ist, ob und wie oft ein Lied umgedichtet und parodiert worden ist. Von den zahlreichen Liedern, die die Melodie des kurpfälzischen Jägers verwenden, ist die politische Parodie von Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874) aus dem jahr 1844 am bekanntesten:.

Das erwachte Bewusstsein

Bei einer Pfeif‘ Tabak,
bei einer guten Pfeif‘ Tabak
und einem Glase Bier
politisieren wir.

Juja ! Juja !
Wie glücklich ist fürwahr der Staat
der solche Bürger hat,
der solche Bürger hat.

Da wird dann viel erzählt,
gar viel und mancherlei erzählt,
gestritten und gelacht
und manch ein er Witz gemacht.

Haha ! Haha !
Wie glücklich ist fürwahr der Staat
der solche Bürger hat,
der solche Bürger hat.

Dann stoßen wir auch an,
auch auf die deutsche Freiheit an:
Und unsre Polizei
sitzt fröhlich mit dabei.

Und wenn die Stunde schlägt,
und wenn die Feierstunde schlägt,
löscht man die Lichter aus.
Und wir, wir gehen nach Haus.

Gut Nacht ! Gut Nacht !
Wie glücklich ist fürwahr der Staat
der solche Bürger hat,
der solche Bürger hat.

Von den vielen weiteren Umdichtungen soll hier nur noch eine weitere historisch interessante Parodie aus der Zeit der Okkupation nach dem Ersten Weltkrieg gezeigt werden:

Der Jäger aus Kurpfalz,
der reitet fluchend durch den Wald,
denn rings französisch schallt’s:
„Der Jäger aus Kurpfalz!“

Der Jäger aus Kurpfalz
wünscht, wenn er einen Yankee sieht,
die Pest ihm an den Hals,
die Pest ihm an den Hals!

Der Jäger aus Kurpfalz,
er wünscht dem langen Englishman
zum Frühtrunk Glaubersalz,
zum Frühtrunk Glaubersalz.

Der Jäger aus Kurpfalz,
der flucht: „Schert fix zum Henker euch!
Den Segen auf die Walz,
den gibt euch die Kurpfalz!“

Eine drastische Parodie Der Bulle aus Kurpfalz (LP 2 Stunden Krach) von 1980 der anarchistischen Kabarettgruppe 3 Tornados wurde 1981 gerichtlich verboten.

Zu erwähnen ist noch: Bei der Verabschiedung des Bundeskanzlers Helmut Kohl 1998 wurde von einer Militärblaskapelle Ein Jäger aus Kurpfalz gespielt.

Georg Nagel, Hamburg

Das beliebteste deutsche Jagdlied: „Auf, auf zum fröhlichen Jagen“ von Gottfried Benjamin Hancke

Gottfried Benjamin Hancke

Auf, auf zum fröhlichen Jagen

1. Auf, auf zum fröhlichen Jagen,
Auf in die grüne Heid,
Es fängt schon an zu tagen,
Es ist die schöne Zeit.
Die Vögel in den Wäldern
Sind schon vom Schlaf erwacht
Und haben auf den Feldern
Das Morgenlied vollbracht.
Tridihejo, dihejo, dihedihedio
Tridio,hejo,dihejo,tridio,tridio.

2. Frühmorgens, als der Jäger
In grünen Wald 'neinkam,
Da sah er mit Vergnügen
Das schöne Wildbret an.
Die Gamslein Paar um Paare,
Sie kommen von weit her,
Die Rehe und das Hirschlein,
Das schöne Wildbret schwer.

3. Wir rüsten uns zum Streite
und jagen Paar an Paar
Die Hoffnung reicher Beute
versüßet die Gefahr.
Wir weichen nicht zurücke
ob gleich ein wilder Bär
und noch ein großes Stücke
nicht ferner von uns wär.

4. Will gleich ein wilder Hauer
mit seinen Waffen dräun
Fängt man an ohne Schauer
Hussa! Hussa! zu schrein
Damit das Ungeheuer
wenn es die Kugel brennt
schon nach empfangnem Feuer
in sein Verderben rennt.

5. Das edle Jägerleben
Vergnüget meine Brust
Dem Wilde nachzustreifen
Ist meine höchste Lust.
Wo Reh und Hirsche springen
Wo Rohr und Büchse knallt
Wo Jägerhörner klingen,
Da ist mein Aufenthalt.

6.Frischauf,zum fröhlichen Hetzen
fort in das grüne Feld!
Wo man mit Garn und Netzen
das Wild gefangen hält.
Auf, ladet eure Röhren
mit Pulver und mit Blei
und macht der Jagd zu Ehren
ein fröhlich Jagdgeschrei.

7. Sind unsre matten Glieder
vom Sonnenglanz erhitzt
So legen wir uns nieder
wo frisches Wasser spritzt
wo Zephyrs* sanftes Blasen
der Sonne Glanz besiegt
da schläft man auf dem Rasen
mit Anmut eingewiegt.

8. Das Gras ist unser Bette
der Wald ist unser Haus
Wir trinken um die Wette
das klare Wasser aus.
Laßt drum die Faulen liegen,
gönnt ihnen ihre Ruh:
Wir jagen mit Vergnügen
dem schönen Walde zu.

9. Ein weibliches Gemüte
hüllt sich in Federn ein
Ein tapferes Jagdgeblüte
muß nicht so träge sein.
Drum laßt die Faulen liegen,
gönnt ihnen ihre Ruh:
Wir jagen mit Vergnügen
dem dicken Walde zu.

10. Frisch auf, ihr lieben Brüder
ergreifet das Geschoß!
Auf, legt die Winde nieder
und geht aufs Wildbret los!
Erfrischt die matten Hunde
durch frohen Zuruf an
und ruft aus vollem Munde
so viel ein jeder kann!

11. Will gleich zu manchen Zeiten
Blitz, Wetter, Sturm und Wind
einander widerstreiten
die uns zuwider sind.
So sind wir ohne Schrecken
bei allem Ungemach
und jagen durch die Hecken
den schnellen Hirschen nach.

     *Eine Windgottheit der Antike, die den milden Westwind verkörpert

Entstehung

Der Text stammt vom deutschen Barocklyriker Gottfried Benjamin Hancke (etwa 1695 bis 1750). Hancke war Hofdichter des böhmischen Grafen Franz Anton von Sporck (1662 bis 1738), der ein großer Anhänger der in Frankreich praktizierten Jagd war und von einer seiner Reisen vermutlich Melodie und Text des französischen Jagdlieds Pour aller a la chasse faut être matinaux (Wenn man gehen will auf Jagd, so muss man früh aufstehn) mitbrachte, das Hancke als Grundlage seiner Verse genommen hat. Die Melodie wurde auch von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) in seiner Bauernkantate (1742) verarbeitet. Die französische Melodie war auch in Kärnten bekannt, denn viele Liederbücher vermerken: „Volkslied aus Kärnten“ oder „in Kärnten von Karl Liebleitner aufgezeichnet“. Der österreichische Volksliedforscher und Chorleiter, Karl Liebleitner (1858 bis 1942), nahm die Kürzungen der Liederbücher des 19. Jahrhunderts auf (s. unten) und fügte den Refrain hinzu. Seine gekürzte Version wurde zuerst 1903 in 30 echte Kärtnerlieder veröffentlicht.

Die kunstgeschichtlich als Barock bezeichnete Zeit, in der dieser Text entstand, war dadurch gekennzeichnet, dass in Europa seit dem Frieden von Osnabrück und Münster (1648) Jahrzehnte lang keine Kriege geführt worden waren. Könige und Fürsten waren auf Kosten der Untertanen immens reich geworden. Der Reichtum und die zunehmende Unabhängigkeit der Fürsten von der Zentralgewalt der Könige zeigten sich in den Bauten prächtiger Schlösser und Kirchen im Stil des Barock. Klerus und Fürstentum demonstrierten ihre Macht und versuchten sich in der Prachtentfaltung zu übertreffen. Und das nicht nur in Bauten, Parks und Gärten, sondern auch in der Ausstattung der Gebäude mit Skulpturen und Gemälden, Teppichen, Chinoiserien u. ä. Rauschende Feste wurden gefeiert; man ergötzte sich an Schauspielen, vorwiegend an Komödien und goutierte Konzerte (häufig Auftragswerke). Außerdem wurden Einladungen ausgesprochen, bei denen man sich an Prunk in Kleidung und Dekorationen, mit erlesenen Speisen und Getränken bei ausgewählter Tafelmusik und mit Geschenken gegenseitig zu übertreffen versuchte.

In dieser Zeit des Müßiggangs und der Lebenslust suchten der betuchte Adel und der gehobene Klerus nach weiteren Vergnügungen und fanden sie in der Jagd (evtl. auch als eine Art der Ersatzbeschäftigung für den Krieg); Jagdlieder schienen dazu zu gehören. So entstand eine Vielzahl von Jagd- und Jägerliedern, häufig im Auftrag eines Aristokraten, wie das zum Volkslied gewordene Auf, auf zum fröhlichen Jagen oder auch Es blies ein Jäger wohl in sein Horn, Es wollt ein Jäger jagen u. v. a.

Interpretation

Das Lied hat inhaltlich mehrere Teile. In den ersten beiden Strophen wird eine morgendliche Idylle beschrieben; die Vögel singen „tridihejo dihejo, dihedihehedio“, lautmalerische Wörter, die als Refrain auch in Strophe 5 als Klang des Jagdhorns aufgegriffen und in der 6. Strophe wiederholt werden. Und es ist frühmorgens, als der Jäger sich im Wald „mit Vergnügen das schöne Wildbret, die Gamslein, die Rehe und das Hirschlein“, seine potentielle Beute ansieht.

Im dritten und vierten Vers geht es auf Großwild. Vorsichtshalber jagt man zu zweit und macht sich gegenseitig Mut – „wir weichen nicht zurücke“, wenn sich ein „wilder Bär“ nähert – und man ist „ohne Schauer“, selbst wenn „ein wilder Hauer“ (ein Eber) mit seinen riesigen Schneidezähnen gefährlich werden kann. Wie in der zweiten Strophe ist auch in der fünften vom Vergnügen die Rede; das Jägerleben wird idealisiert („edel“), und der Jäger empfindet es als „höchste Lust“ zu jagen und die „Jägerhörner“ zu hören.

Ging es bisher um eine Bewegungs- oder Hetzjagd, in der einzeln oder paarweise (s. 3. Strophe) die Tiere aus ihrem Einstand (jägersprachlich für Ruhe- oder Schutzstelle) getrieben (gedrückt, daher auch Druckjagd genannt) und gestellt wurden, so wird in der 6. Strophe eine höfische Jagdmethode beschrieben. Mit Hilfe von Treibern und Absperrungen, häufig durch Leinen, an denen Tuchlappen oder Federn befestigt waren (falls ein Tier seine Angst vor den im Wind flatternden Lappen überwand, war es „durch die Lappen gegangen“), hier „mit Garn und Netzen“, wurde das Wild in die Richtung getrieben, in der die hohen Herren bereits auf der Lauer lagen (oder auch geschützt hinter Wällen oder in gar gemütlich in Jagdhütten saßen) und dann die flüchtenden Tiere en masse abknallten.

Hatte bereits diese Jagdart wenig mit edlem Waidwerk zu tun, so kann die Gatter- oder Gehegejagd schlicht als Gemetzel bezeichnet werden. Hier wurden die Tiere nach dem Treiben in großräumig umzäunten Arealen gefangen gehalten. Die „Jäger“ saßen häufig erhöht und schossen von oben in die Masse der verschiedenen Tiere. Manchmal wurden noch Hunde hineingeschickt, die die Unruhe des Wildes vergrößerten und dabei häufig verletzt wurden oder zu Tode kamen (vom Jagdhund als treuem Gefährten des Jägers konnte bei einer Barockjagd nicht gesprochen werden). Häufig griffen mitgefangene Bären das Rotwild an, Keiler verletzten andere Tiere, und in der ausbrechenden Panik wurden manche Tiere totgetrampelt. „Je effektvoller die Tiere starben, desto größer war der Unterhaltungswert der fürstlichen Entourage. […] Bei manchen dieser Jagden starben an einem Tag über 200 Hirsche und an die 400 Wildschweine“ (ARTE, Jagdkumpane, Sendung vom 12.11.2013, 19.30). Unsere heutige Bewunderung des edlen Hirschen oder des grazilen Rehs kannte man nicht, und auch der Jagdhund war reines Nutztier. Eine Variante der Gehegejagd, in dem die Tiere in einen künstlich angelegten See getrieben wurden, zeigt die folgende Zeichnung:

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Erstaunt erfährt man in der 7. und 8. Strophe, dass die „Jagd“ so anstrengend war und man sich erst einmal ausruhen („matte Glieder“, „das Gras ist unser Bette“) und mit Wasser erfrischen musste. Nachdem die Jäger zugegeben haben, dass auch sie nach all den „Anstrengungen“ der Ruhe bedürfen, streben sie, sich abgrenzend von den „Faulen“, weiter „mit Vergnügen dem dicken (wahrscheinlich: dichten) Walde zu“ (9. Vers). Dass hier das „weibliche Gemüte“ als „träge“ genannt wird, würde man heute als frauenfeindlich bezeichnen. In der 10. und 11. Strophe wird eine weitere Jagdmethode beschrieben. Diesmal ist es eine Hetzjagd (auch Parforcejagd genannt). Die Hunde, (etwas ermattet) werden erfrischt, und dann geht es über Stock und Stein (hier „durch die Hecken“) auf Pferden „den schnellen Hirschen nach“:

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So gibt das Lied anschaulich wieder, was im 18. Jahrhundert den hohen Herren die Jagd bedeutet hat und welche Arten der Jagd gepflegt wurden. Das Jagen war den hohen Herren vorbehalten; andere wurden schwer bestraft, selbst wenn es nur ein Hase war oder es sich um den Fund eines von einem Bären getöteten Rehes handelte.

Anmerkung: „1,15 Millionen Rehe haben Jäger in der Saison 2013/14 geschossen, dazu 75.000 Rothirsche, und 64.000 Damhirsche. […] Oberstes Ziel der bürgerlichen Jäger ist seit dem 19. Jahrhundert die Trophäe, das Geweih der Hirschen, Gemsen, Rehe für die Hauswand, die Zähne von Keilern für die Uhrkette.“ (Ulrike Fokken, Der Waldstratege, Die Tageszeitung, 3. Aug. 2015, S. 5.)

Rezeption

Betrachtet man die Anzahl der Liederbücher, in denen das Lied vorhanden ist, so ist Auf, auf zum fröhlichen Jagen bereits im 18. Jahrhundert recht beliebt gewesen. Liederbücher wie Die Volkslieder der Deutschen (1836), Deutsche Volkslieder (1840, herausgegeben vom A. W. von Zuccalmaglio [1803 bis 1869], das über studentische Kreise hinaus weit verbreitete Schauenburgs allgemeines Deutsches Commersbuch (1888) bis Loreley – Liedersammlung für gemütliche Kreise (1897), um nur einige zu nennen, hatten das Jagdlied (allerdings verkürzt auf 3 oder 5 Strophen) in ihr Repertoire aufgenommen.

Von 1914 bis 2014 erschienen rund 420 Liederbücher mit dem Jagdlied (Anzahl ermittelt aus dem Lieder- und Liederbuch-Archiv von Hubertus Schendel, www.deutscheslied.com, dem Deutschen Musikarchiv, Leipzig, www.dnb.de und dem Liederarchiv von Michael Zachcial www.volksliederarchiv.de). Die Mehrheit der Liederbücher weist nur die Verse 1, 2 und 6 auf. In der Zeit bis 1933 war das Lied nicht nur in der Jugendbewegung außerordentlich populär. Es wurde in Schulen, von Turnern und Wanderern, in politischen Kreisen und christlichen Jugendgruppen gesungen. Statistisch gesehen ist in dieser Zeit durchschnittlich jedes Jahr ein Liederbuch mit dem Jagdlied – ebenfalls in gekürzter Fassung – erschienen.

In den zur Zeit des nationalsozialistischen Regimes mehr als 50, überwiegend von NS-Verlagen, herausgegebenen Liederbüchern wurde als Herkunft der Melodie nicht „französisches Jagdlied aus dem 17. Jahrhundert“ angegeben, sondern „aus Kärnten“ oder „aufgezeichnet in Kärnten“. Auch hier wurde bis auf wenige Ausnahmen das Lied auf drei Strophen verkürzt. Geht man von den Liederbüchern aus, so wurde Auf, auf zum fröhlichen Jagen von der Hitlerjugend und dem Bund Deutscher Mädel, in Schulen, von der SS und ab 1939 auch von Soldaten gesungen.

Bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg nahmen einige Liederbücher, herausgegeben von christlichen Verlagen, der Naturfreundejugend oder den Falken, das Jagdlied auf. Auf, auf zum fröhlichen Jagen ist von 1947 bis 2015 in rund 150 Liederbüchern enthalten (etwa die Hälfte davon erschien 1951 bis 1970). Dazu gehören die auflagenstarken, in Form des Taschenbuchs erschienenen Editionen wie ab 1953 Die Mundorgel (im gleichnamigen Verlag, mit einer Textauflage von über 10 Millionen und einer Text- und Notenausgabe von rund 4 Millionen), Der Deutsche Liederschatz (1975) und Die schönsten deutschen Volkslieder (1977, beide Heyne Verlag) sowie 1990 Deutsche Volkslieder (Reclam Verlag) und 1995 Das Volksliederbuch (Weltbild Verlag). Auf Grund der weiten Verbreitung ist davon auszugehen, dass es in allen Bevölkerungskreisen gesungen wurde, speziell von Wanderern und Bergsteigern, von Pfadfindern und anderen Nachfolge-Bündischen, in christlichen Kreisen, bei der Bundeswehr und auf Klassenausflügen.

Mit der o. a. Verbreitung steht das Jagdlied an vierter Stelle der nach 1945 in Lieder- und Schulbüchern veröffentlichten Lieder (nach Kein schöner Land in dieser Zeit, Der Mond ist aufgegangen und Abend wird es wieder). Auch auf Tonträgern wurde das Jagdlied weit verbreitet. Nachdem Heino 1966 mit der LP Heino und die Wiener Sängerknaben 1970 große Erfolge mit ihren LPs hatten, auf denen auch Auf, auf zum fröhlichen Jagen zu hören war, setzte ab 1971 geradezu eine Welle von Veröffentlichungen mit dem Lied ein. Von bekannten Männerchören wie den Fischer Chören, vom Montanara-, Botho Lucas- und Harry Pleva-Chor sowie von zahlreichen berühmten wie auch unbekannten Kinderchören, z .B. von den Regensburger Domspatzen oder dem Bielefelder Kinderchor, wurden Langspielplatten mit dem Jagdlied herausgebracht. So verwundert es nicht, dass das Lied 1975 nach einer repräsentativen Umfrage, durchgeführt vom Institut für musikalische Volkskunde Neuss (heute Institut für europäische Musikethnologie), an 2. Stelle von 20 der bekanntesten Volkslieder in Deutschland stand (vgl. Ernst Klusen: Zur Situation des Singens in der Bundesrepublik Deutschland. II. Band. Die Lieder. Köln 1975).

Seit 1979 erschienen von namhaften Tenören wie Hermann Prey (7 LPs) Rudolf Schock (4 LPs) und Peter Schreier (2 LPs) Schallplattenaufnahmen, denen in späteren Jahren Kassetten und CDs folgten. Die zusätzlich von Hörzu, Das Beste und Bertelsmann weitverbreiteten Tonträger trugen zur weiteren Popularität des Liedes bei. Und nach sieben Platten bzw. CDs von Heino mit dem Jagdlied kam dann noch 2014 das Remake Heino als CD hinzu. Insgesamt weist das Deutsche Musik Archiv, dem von den deutschen Musikverlagen je ein Exemplar eines Tonträgers zugeführt werden muss, von 1971 bis 2014 rd. 340 Tonträger aus, davon rund 200 LPs, Kassetten und CDs und rd. 120 Partituren.

Varianten

Wie populär ein Lied ist, kann sich auch in Umdichtungen oder Parodien zeigen. Von den zahlreichen Varianten auf die Melodie Auf, auf zum fröhlichen Jagen sollen hier nur drei kurz vorgestellt werden (zu den vollständigen Texten s. volksliederarchiv.de).

Als Aufruf an junge Männer, sich freiwillig zu den „Jägern“ (sie waren häufig Scharfschützen und kämpften in kleinen Gruppen außerhalb der Linie oder in selbständigen Reitereinheiten, die stoßtruppartig gegen den Feind vorgingen, s. Abb.) im Kampf gegen die französische Fremdherrschaft zu melden, verfasste 1813 Friedrich de la Motte Fouqué (1777 bis 1817), ein Dichter der Romantik, ein fünfstrophiges Mobilisierungslied. Darin wird mit den Worten „Frisch auf“ „zum fröhlichen Jagen“ des Feindes aufgerufen: „ins Feld, ins Feld gezogen“, wo „die Kanonen blitzen“ und man „lustig in den Feind dringt“. Mit „frohem Gottvertrauen geht es um das „Heil“ des „deutschen Landes“; man wird siegen, zumal „Gott [den Kämpfern] wohl gewogen“ ist. Immerhin wird nicht verschwiegen, dass nicht alle Soldaten „mit Jubelliedern“ siegreich zurückkehren werden. Doch die Toten heißt es zynisch, werden das „verschmerzen“, denn „ihrer ist das Himmelreich“ (vgl. das  Mobilisierungslied von A. Methfessel aus dem Jahr 1813).

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Ebenfalls 1813 dichtete Max von Schenkendorf, (1784 bis 1817), einer der bedeutendsten Lyriker der Befreiungskriege, der selbst als Leutnant und Rittmeister an den Befreiungskriegen teilgenommen hat, das Soldaten-Morgenlied nach der Melodie von Auf, auf zum fröhlichen Jagen, das wie folgt beginnt und mit der 4. Strophe endet:

1. Erhebt euch von der Erde
Ihr Schläfer aus der Ruh‘.
Schon wiehern uns die Pferde
Den guten Morgen zu.
Die lieben Waffen glänzen
So hell im Morgenrot,
Man träumt von Siegeskränzen
Man denkt auch an den Tod.

2. Dann Klang von allen Türmen
Und Klang aus jeder Brust
Und Ruhe nach den Stürmen
Und Lieb‘ und Lebenslust!
Es schallt auf allen Wegen
Dann frohes Siegsgeschrei
Und wir, ihr wackern Degen
Wir waren auch dabei!

Rund 20 Jahre später wurde eine andere Variante auf Flugblättern verbreitet: ein Lied, nicht weniger martialisch, mit dem Titel Fürstenjagd. Im Vormärz, der Zeit vor der gescheiterten deutschen Revolution 1848/49, schuf der politische Schriftsteller Johann Rudolf Kölner (1800 bis 1877), genannt Kölner der Saure, diesen sechs Strophen umfassenden Text, der bereits 1840 in der 4. Auflage im Handwerker-Liederbuch Deutsche Volksstimme erschien. Die erste Strophe lautet:

1. Hallo! Zum wilden Jagen,
auf jedes Kronentier*
seht, es beginnt zu tagen
im ganzen Jagdrevier.
Herab, du treue Büchse
von stiller Hüttenwand!
Zum Schuss auf Fürstenfüchse
im grossen Vaterland!
Hei-ho, tridihei-ho,
Tridihei-tridihei-tridihei-tridiho.

     * gemeint sind die Fürsten, die ja eine Krone tragen durften

Das Lied, besonders die sechste und letzte Strophe, in der die Farben Schwarz-Rot-Gold für die Forderungen nach nationaler Einheit, Freiheit und Volkssouveränität stehen, wurde angeblich auf dem Hambacher Fest 1832 von den national gesinnten Burschenschaftlern mit besonderer Inbrunst gesungen:

6. Das Schwarz der Knechtschaft schwindet
in Kampfes blutigem Rot,
der Freiheit Gold verkündet
das Ende aller Not.
Zielt gut, haut scharf, ihr Treuen!
Du Büchse und du Schwert.
Das wird die Nachwelt freuen
am freien eigenen Herd.

Georg Nagel, Hamburg