Revolutionslied im Gewand eines Kinderlieds: „Auf einem Baum ein Kuckuck“

Anonym

Auf einem Baum ein Kuckuck

Auf einem Baum ein Kuckuck, –
Simsaladim bamba saladu saladim
Auf einem Baum ein Kuckuck saß.

Da kam ein junger Jäger, –
Simsaladim bamba saladu saladim
Da kam ein junger Jägersmann.

Der schoß den armen Kuckuck, –
Simsaladim bamba saladu saladim
Der schoß den armen Kuckuck tot.

Und als ein Jahr vergangen, –
Simsaladim bamba saladu saladim
Und als ein Jahr vergangen war,

Da war der Kuckuck wieder, –
Simsaladim bamba saladu saladim
Da war der Kuckuck wieder da.

Was die Häufigkeit der Erwähnung in Liedern anbelangt, wird der Kuckuck unter den Vögeln wohl nur von der Nachtigall übertroffen. Allerdings reicht weder die süße Sängerin noch sonst ein Vogel, ja, wahrscheinlich überhaupt kein Tier an die Vielseitigkeit heran, die dem Kuckuck zugeschrieben wird. Vom tiefsten Negativpol bis zum höchsten Positivpol besetzt dieser seltsame Vogel in unserer Vorstellung eine Fülle widersprüchlicher Positionen. Da ist die ihm nachgesagte Verbindung zu Betrug, Trennung und Tod, die sich hauptsächlich in den Liedern des slawischen Raumes findet. In vielen dieser tiefe Empfindungen anrührenden Liedern geht es nicht wirklich um den Kuckuck als ihn selbst; er gibt statt dessen das Motiv ab oder dient als Symbol für eine bestimmte menschliche Eigenschaft, für ein Gefühl oder ein Verhalten.

Im germanischen und angelsächsischen Raum finden sich häufiger Lieder, in denen der Kuckuck als er selbst agiert, z.B. den Tag kündet, die Schläfer weckt oder als Frühlingsbote auftaucht. Auch der lachende, der Schabernack treibende, der fröhliche Kuckuck ist gehäuft in deutschen und englischen Liedern vertreten. Eine gewisse Ambivalenz von Scherz und Mythengläubigkeit schwingt in jenen mit, die den Kuckuck nach der Anzahl der Jahre fragen, die man noch zu leben hat. Da wird die Beziehung des Kuckucks zum Tod in launiger Rede angedeutet. Seltsamerweise sind die Kuckuckslieder im romanischen Sprachraum dünner gesät. Spanien scheint gar keine zu kennen, in Italien und Frankreich fungiert der Kuckuck sowohl als Zeichen des Frühlings als auch symbolisch für ein bestimmtes Verhalten. Wenn ein einzelnes Wesen eine solche Bandbreite an Zuschreibungen auf sich vereinigt, drängt sich die Frage auf: Wie verhält es sich mit dem realen Kuckuck, dass er so unterschiedliche, doch überall leicht wiedererkennbare Bilder hervorrufen kann? Welche realen Verhaltensweisen bilden die Vorlage für all diese widersprüchlichen Unterstellungen?

Das Verbreitungsgebiet des Kuckucks reicht von Nordafrika bis in den Norden Europas einschließlich Englands und Irlands, von Portugal im Westen quer über Asien bis nach Japan. Als Langstreckenzieher überwintert die europäische Population südlich des Äquators in Afrika. Entsprechend der Temperaturen in den Brutländern kehrt der Kuckuck nach Südeuropa bereits im März zurück, nach Deutschland gegen Mitte April, nach Nordeuropa erst zwischen Juni und Juli. Damit erklärt sich schon ein Aspekt der Kuckuckslieder, nämlich, warum der Vogel einmal eher das Ende des Winters einläutet, ein andermal den Sommer durchschwirrt.

Bei seinem Zug nach und von Afrika bevorzugt der Kuckuck die Nacht. Die Heimlichkeit, die ihm in vielen Liedern vorgeworfen oder nachgesagt wird, auch die Unsichtbarkeit und das Sichverstecken, finden also auch hier einen Angelpunkt im tatsächlichen Verhalten des Kuckucks. Überhaupt hört man den Kuckuck öfter, als dass man ihn zu sehen bekommt. Sein Ruf hat sogar einen eigenen Namen und festen Platz in der großen Musiktheorie bekommen: die Kuckucksterz, das heißt, eine kleine Terz nach unten. Allerdings ist dies nur der häufigste Kuckucksruf, es kommen jedoch auch andere Intervalle vor. Und nur der männliche Kuckuck kuckuckt, während das Weibchen Laute ausstößt, die mit einiger Phantasie als rachitisches Lachen gedeutet werden können. Damit ist ein weiteres Verbindungsfädchen zwischen dem realen Vogel und seinem Mythos enthüllt: der „lachende Kuckuck“ des Liedes ist keine rein poetische Erfindung.

Eigentlich müsste man den Kuckuck gut sehen können, er ist ja mit Taubengröße nicht direkt klein. Doch er versteckt sich tatsächlich, wenn auch nicht unbedingt vor den Menschen sondern vor seinen Wirtsvögeln. „Tief im Waldgesträuch versteckt“ – wie es in einem fröhlichen deutschen Lied heißt – beobachtet das Kuckucksweibchen die Nester seiner erkorenen Wirtsvögel, um in einem unbewachten Augenblick ein Ei hineinzulegen. Immer nur eins (dafür aber bis zu 15 pro Jahr), um dem Nachkommen keine unnötige Konkurrenz beizugesellen. Häufig bevorzugen Kuckucksweibchen immer dieselbe Art an Wirtsvögeln. Das Ei des Kuckucks ähnelt dann den Eiern des Wirtsvogels, es ist nur größer. Als fast reiner Insektenfresser sucht sich der Kuckuck seine Brutwirte vernünftigerweise nur unter dieser Gattung aus. Die Anpassung im Aussehen der Eier ist auch wieder eins der Geheimnisse des Kuckucks; die genetischen Eltern wirken daran passiv ebenso mit wie die Wirtseltern aktiv durch Fütterung und Brutpflegeverhalten.

Im Brutschmarotzertum wurzelt der größte Teil des schlechten Rufes des Kuckucks. Heimlichtuerei, Lüge, Betrug lassen sich an verwerflichen menschlichen Eigenschaften in dieses Brutverhalten hineinlesen und erzeugen in Liedern Bilder, die überall sofort verstanden werden. Der Vorwurf des Betrugs wird noch unterstützt durch das Aussehen des Kuckucks. Das Gefieder ist auf der Oberseite meist schiefergrau – daneben gibt es auch eine braune Form – Kehle und Seiten sind von hellerem Grau, ebenso wie die Vorderbrust, die dazu noch auffällig quer gebändert ist. Damit und mit dem langen Schwanz ähnelt er einem Sperber. Der Kuckuck gibt sich durch diese Mimikry also für einen gefährlichen Raubvogel aus.

Der heutige Name des Kuckucks geht fast in ganz Europa auf die lateinische Form Cuculus canorus zurück. Das gilt uneingeschränkt für die romanischen und slawischen Sprachen, aber auch die Griechen, Ungarn und Türken übernahmen das römische Fremdwort mit nur leichter sprachlicher Eingemeindung. Selbst im finnischen „käki“ und estnischen „kägu“ lässt sich die Verwandtschaft vermuten. Ältere lokale Namen wurden dadurch überall gründlich verdrängt. In den Sprachen Skandinaviens ist noch die gemeinsame Wortwurzel mit dem deutschen „Gauch“ oder „Gutzgauch“ der alten Lieder zu erkennen: dänisch „gøg“, norwegisch „gjøk“, schwedisch „göken“. Am nächsten kommt unserem alten Kuckucksnamen das Isländische mit „gaukur“. Im gälischen „cuach“ und „cuthag“ lässt sich möglicherweise lautmalerisch das heisere „Lachen“ des weiblichen Kuckucks vermuten. Dass die Römer auf Litauen und Lettland keinen Einfluss hatten, beweist der Kuckuck in diesen Ländern. Der heißt bis heute unbeirrt „geguté“ bzw. „dzeguze“. Sehr erhellend ist, welchen Aspekt des Kuckucks die Sprachen durch die reine Zuordnung eines Artikels hervorheben: In den slawischen Sprachen ist der Kuckuck weiblich, die Kuckuckin, die ihre Eier in fremde Nester legt, in den meisten anderen Sprachen haben wir einen männlichen Kuckuck mit seinem markanten Balzruf.

Der Kuckuck darf im hier vorgestellten Lied erst einmal er selbst sein. Ganz harmlos sitzt er auf einem Baum. Das tut er auch in einigen anderen alten Liedern aus verschiedenen Regionen des seinerzeitigen deutschen Territoriums. Um 1500 ist es der Gutzgauch, der „auf dem Zaune saß“, vom Regen nass wird, aber umstandslos wieder trocknet. Später heißt der Vogel schon Kuckuck, der in Schleswig-Holstein „op dem Tune satt“; in der Batschka1 sitzt er auf dem Bierenast und in Mährisch-Trübau auf dem Kirschbaum. Zwischen den viel häufigeren Liedern, die den Kuckuck seines charakteristischen Rufes wegen besingen, steht Auf einem Baum ein Kuckuck also nicht als Solitär sondern als Teil einer kleinen Gruppe. Selbst auf die Unsinnssilben des Kehrreims hat das Lied kein Exklusivrecht: Im schleswig-holsteinischen Lied heißt es zwischendrin „heidi, heida, heitrallerala!“; das aus der Batschka weist zudem auch noch die abgebrochene Anfangsphrase auf: „Der Kuckuck auf dem Bieren-, zitteribum und dotterodo… (Bierenast)“.

Das früheste schriftliche Zeugnis des hier besprochenen Liedes findet sich 1838 in Erk-Irmers Deutschen Volksliedern. Es ist dort als aus dem Bergischen Land stammend angegeben und hatte nur drei Strophen. Obwohl der von einem Jäger totgeschossene Kuckuck eigentlich nicht unbedingt zu Heiterkeitsstürmen Anlass geben dürfte, erschien diese dreistrophige Fassung in Mainz 1842 auch in einer Sammlung von Karnevalsliedern (Narhalla-Lieder).

Während sich die Melodie bis heute nicht verändert hat, kamen zu den anfänglichen drei Strophen sehr bald zwei weitere hinzu, die dem doch etwas unbefriedigendem Schlusse eine entscheidende Wendung geben. Bemerkenswert ist dabei, wie sich durch die Wahl der Anschlusskonjunktion „und“ eine leichte Bedeutungsverschiebung gegenüber dem erwartbaren „doch“ ergibt. Der Kuckuck ist tot, „doch als ein Jahr vergangen…“ würde und dürfte man erwarten. Er ist zwar tot, aber er kommt trotzdem wieder, er trotzt dem Tod, er tut etwas Ungewöhnliches, er nimmt das Endgültige nicht hin. „Doch“ leitet etwas zum vorher Gesagten in Widerspruch stehendes ein. Statt dessen schließt die vierte Strophe mit „und“ an:

4. „Und als ein Jahr vergangen […] war,“

5. „Da war der Kuckuck wieder […] da.“

Dieses „und“ macht den Vorgang der Wiederkehr aus dem Tode zu etwas ganz Üblichem, völlig Normalem und Erwartbarem. Der Kuckuck ist tot, und dann ist er einfach wieder da; so ist das eben bei diesem Vogel, niemand wundert sich. Wobei sich diese Unempfänglichkeit für das Endgültige des Todes in diesem Liede auch ein wenig der Zauberei verdanken dürfte. Im Gegensatz zu den höchstens Mutwillen und Lust am Spielen mit dem Sprachklang verratenden Unsinnssilben „heitrallerala“ und „zitteribum, dotterodo“ transportiert „simsaladim“ sehr wohl Sinn. „Simsalabim“ ist ein alter Zauberspruch, doch einer, der wohl schon von Anfang an immer auch mit einem kleinen Augenzwinkern benutzt wurde. Man erwartete nicht wirklich, dass sich simsalabim das neue Schloss über Nacht von allein baute oder sich die aufs Feld gestreuten Bohnen bis zum Morgengrauen von selbst aufgesammelt hätten. „Simsalabim“ sollte einen real möglichen Prozess ins Unermessliche beschleunigen oder ein unrealistisches Geschehen bewirken, wie z.B. die sekundenschnelle Verwandlung eines Menschen in einen Frosch oder die plötzliche Heilung einer tödlichen Krankheit.

Im hier besprochenen Kuckuckslied nimmt die Melodie den Aspekt der Geschwindigkeit kongenial auf, indem der gerade Takt der umklammernden Strophenzeilen für den Simsaladim-Kehrreim zu einem flott voranspringenden ¾-Takt mutiert. Damit wird dieser Kehrreim auch zum kleinen Zungenbrecher. Warum aus dem ursprünglichen „Simsalabim“ im Liede „Simsaladim“ mit der Wiederholung des Konsonanten im abschließenden „dim“ wurde, lässt sich nicht ermitteln. Die größere Herausforderung an eine flinke, gelenkige Zunge hätte im Wechsel vom –bim auf dim gelegen – simsalabim bamba saladu saladim.

Die Herkunft dieses Zauberspruchs ist nicht ganz geklärt. Eine Vermutung geht dahin, dass es sich um verballhorntes Latein handeln könnte. Similia similibus, das Prinzip der Homöopathie, Gleiches mit Gleichem zu heilen, mutete manchmal die unwissende Bevölkerung wie Zauberei an, besonders wenn die Arzneiwirkung mit einem geheimnisvollen Spruch verstärkt wurde. Statt um schlecht verstandenes Latein könnte es sich jedoch auch um noch weniger verstandenes Arabisch gehandelt haben. Im Spätmittelalter waren die „Muselmanen“ auf technischem, wissenschaftlichem und wirtschaftlichem Gebiet den Völkern Europas weit überlegen. Manche Fähigkeiten schienen sogar Zauberei zu sein. Da lag es nicht fern, in der Anrufung Gottes, die von Muslimen vor jeder bedeutenden Tätigkeit gesprochen wurde, einen Beschwörungszauber zu vermuten. Bi-smi llāhi r-rahmāni r-rahīm (= im Namen Gottes, des Allbarmherzigen) könnte so zum „Simsalabim“ geworden sein.

Nicht zuletzt der Lust an der Sprachspielerei und zungenbrecherischen Geschwindigkeit im „Simsaladim“ verdankt das Lied wohl seine ungebrochene Beliebtheit bis zum heutigen Tage. Mit den beiden Auferstehungsstrophen ist es kindertauglich geworden. In fast keinem Schulliederbuch fehlt es, und auch Volksliedersammlungen verzichten selten auf den simsaladim alljährlich wiederauferstandenen Kuckuck. Zum reinen Kinderlied verengt, taucht mancherorts noch eine 6. Strophe auf: „Da freuten sich die Leute…sehr.“ Völlig kindisch wird es, wenn gelegentlich wohlmeinende Kindergärtnerinnen und Grundschullehrerinnen diese Leute auch noch als 7. Strophe in die Hände klatschen und die Kleinen dazu herumhopsen lassen.

Dabei gab es eine Zeit, in der die Geschichte des totgeschossenen und wiederauferstandenen Kuckucks allegorisch und viel gewichtiger gedeutet wurde. Um 1800 existierten in Mitteleuropa keine in ihren Territorien klar begrenzten Staaten. Das ganze Land war zersplittert in kleine und kleinste Fürstentümer mit je eigener Währung, eigenen Rechtsnormen, sogar eigenen Maßen und Gewichten. „Deutschland“ definierte sich nicht über ein deutlich begrenztes Staatsgebiet sondern über seine Sprache. Nach Napoleons Sturz 1815 fand eine territoriale Neuordnung mit drei Machtzentren statt: Preußen im Norden, Österreich im Südosten, das Dritte Deutschland in der Mitte und im Südwesten. Die Gründung des „Deutschen Bundes“ ließ auf eine baldige Beendigung der Fürstenwillkür und Kleinstaaterei hoffen. Doch der Adel wollte seine Privilegien nicht aufgeben. Als Reaktion auf die sich im Wartburgfest vom Oktober 1817 Bahn brechenden Proteste vorwiegend von Studentenseite aus setzte Metternich 1819 mit den „Karlsbader Beschlüssen“ harte Repressionsmaßnahmen durch. Zensur, Bespitzelung, Inhaftierung und Entfernung aus allen Ämtern gehörten dazu und trieben u.a. Heinrich Heine, Ludwig Börne und Karl Marx ins Exil. Im deutschen Vormärz (1830-1847) erstarkte das Bürgertum dennoch. Politische Parteien gründeten sich, in Landesparlamenten forderten Bürgerliche vom verblüfften Adel größere Freiheiten, Aufhebung der Standesschranken und soziale Gerechtigkeit. Die Konflikte kulminierten 1848 in einer Revolution der Bürger gegen den Adel. Während dieser turbulenten Zeit erlangte das Lied des Kuckucks, der sich einfach nicht totkriegen lässt, große Beliebtheit. Wir Bürger sind der Kuckuck, sagten sich die um Freiheit und Gerechtigkeit Streitenden, und sooft ihr uns auch zu vernichten trachtet, so sehr ihr uns auch beschränken wollt, wir kommen immer wieder. Wir geben nicht auf, unser Freiheitswille ist unzerstörbar. Und diese Deutung, diese wahre Geschichte macht das flotte, leicht daherkommende Lied zu so viel mehr als einem bloßen Kinderträllerliedchen.

Gudrun Demski, Reichshof-Eckenhagen

1 Batschka (serbisch Bačka): Gebiet zwischen Donau und Theiß; wie der Banat und Syrmien heute in der Vojvodina der Republik Serbien gelegen.

 

Quellen der Fakten zur Biologie des Kuckucks und zur deutschen Geschichte:

Cerny/K. Drchal: Welcher Vogel ist das? Ein Bestimmungsbuch für Vogelfreunde, Kosmos Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart 1973.

Wikipedia, Aufsatz von Prof. Dr. Jürgen Osterhammel, Bundeszentrale für politische Bildung.

Exemplarisch für die erwähnten Kuckuckslieder: Unser Liederbuch 2 für das 5.-7. Schuljahr, Ernst Klett Stuttgart 1969.

 

Zuerst abgedruckt im „Lied des Monats“ der Klingenden Brücke e.V. (www.klingende-bruecke.de) , Heft Nr. 25 vom August 2015.

 

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Über deutschelieder
“Deutsche Lieder” ist eine Online-Anthologie von Liedtextinterpretationen. Liedtexte sind die heute wohl meistrezipierte Form von Lyrik, aber zugleich eine in der Literaturwissenschaft vergleichsweise wenig beachtete. Die Gründe für dieses Missverhältnis reichen von Vorurteilen gegenüber vermeintlich nicht interpretationsbedürftiger Popkultur über grundsätzliche Bedenken, einen Songtext isoliert von der Musik zu untersuchen, die Schwierigkeit, eine editorischen Ansprüchen genügende Textfassung zu erstellen, bis zur Problematik, dass, anders als bei Gedichten, bislang kaum ein Korpus von Texten gebildet worden ist, deren Interpretation interessant erscheint. Solchen Einwänden und Schwierigkeiten soll auf diesem Blog praktisch begegnet werden: indem erprobt wird, was Interpretationen von Songtexten leisten können, ob sie auch ohne Einbeziehung der Musik möglich sind oder wie eine solche Einbeziehung stattfinden kann, indem Textfassungen zur Verfügung gestellt werden und im Laufe des Projekts ein Textkorpus entsteht, wenn viele verschiedene Beiträgerinnen und Beiträger ihnen interessant erscheinende Texte vorstellen. Ziel dieses Blogs ist es nicht nur, auf Songtexte als möglichen Forschungsgegenstand aufmerksam zu machen und exemplarisch Zugangsweisen zu erproben, sondern auch das umfangreiche Wissen von Fans zugänglich zu machen, das bislang häufig gar nicht oder nur in Fanforenbeiträgen publiziert wird und damit für die Forschungscommunity ebenso wie für eine breite Öffentlichkeit kaum auffindbar ist. Entsprechend sind nicht nur (angehende) Literaturwissenschaftler, sondern auch Fans, Sammler und alle anderen Interessierten eingeladen, Beiträge einzusenden. Dabei muss es sich nicht um Interpretationen im engeren Sinne handeln, willkommen sind beispielsweise ebenso Beiträge zur Rezeptions- oder Entstehungsgeschichte eines Songs. Denn gerade die Verschiedenheit der Beiträge kann den Reiz einer solchen Anthologie ausmachen. Bei den Interpretationen kann es schon angesichts ihrer relativen Kürze nicht darum gehen, einen Text ‘erschöpfend’ auszuinterpretieren; jede vorgestellte Lesart stellt nur einen möglichen Zugang zu einem Text dar und kann zur Weiterentwicklung der skizzierten Überlegungen ebenso anregen wie zum Widerspruch oder zu Ergänzungen. Entsprechend soll dieses Blog nicht zuletzt ein Ort sein, an dem über Liedtexte diskutiert wird – deshalb freuen wir uns über Kommentare ebenso wie über neue Beiträge. Jeden Montag wird ein neuer Text veröffentlicht.

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