Reimportierter Nationalismus. Warum gerade Frei.Wild aus Tirol erfolgreich die Rückbesinnung auf nationale „Wahre Werte“ fordern können

Frei.Wild
 

Wahre Werte

Lichter und Schatten
Undefinierbar, woher sie kommen
Formen und Spalten
Die dein Ich-Gefühl zurückerstatten
Geräusche und Winde
Die dich umgeben und unheimlich wirken
Höhen und Tiefen
Laden ein zum Genießen

Da, wo wir leben, da wo wir stehen
Ist unser Erbe, liegt unser Segen
Heimat heißt Volk, Tradition und Sprache
Für uns Minderheiten eine Herzenssache
Das, was ich meine, und jetzt werft ruhig Steine
Wir sind von keinem Menschen die Feinde
Wir sind verpflichtet, dies zu bewahren
Unser Tirol gibt's seit 1200 Jahren

Wo soll das hinführen, wie weit mit uns gehen
Selbst ein Baum ohne Wurzeln kann nicht bestehen
Wann hört ihr auf, eure Heimat zu hassen
Wenn ihr euch ihrer schämt, dann könnt ihr sie doch verlassen
Du kannst dich nicht drücken, auf dein Land zu schauen
Denn deine Kinder werden später darauf bauen
Sprache, Brauchtum und Glaube sind Werte der Heimat
Ohne sie gehen wir unter, stirbt unser kleines Volk

Dialekte und Umgangssprache
Hielten so lange, so viele Jahre
Bräuche, Geschichten, Kunst und Sagen
Sehe schon die Nachtwelt klagen und fragen
Warum habt ihr das verkommen lassen
Die Wurzeln des Landes, wie kann man die hassen?
Nur um es manchen recht zu machen,
Die nur danach trachten, sich selbst zu verachten.

Nicht von gestern, Realisten
Wir hassen Faschisten, Nationalsoziallisten
Unsere Heimat hat darunter gelitten
Unser Land war begehrt, umkämpft und umstritten
Patriotismus heißt Heimatliebe
Respekt vor dem Land und Verachtung der Kriege
Wir stehen hier, mit unseren Namen
Wir werden unsere Wurzeln immer bewahren

     [Frei.Wild: Gegengift. Rookies & Kings 2010.]

„Wer ohne primäre Not Identität verlangt, stiftet oder verehrt, ist ein Faschist. Da, wo Identitäten ohne primäre Not angehäuft werden, hat jemand etwas vor. Und zwar nichts Gutes.“ (Diedrich Diederichsen: Freiheit macht arm. Das Leben nach Rock’n’Roll. 1990-1993. Berlin: Kiepenheuer & Witsch 1993,  S. 268) Diese Einschätzung von Diedrich Diederichsen ist zwar nicht unbedingt Allgemeingut, aber wenn es um die politische Beurteilung von Bands ging, wurde sie, zumindest bezogen auf nationale oder ethnische Identität, bis vor einigen Jahren von vielen geteilt – die auch nach der Abwendung der Böhsen Onkelz von der neonazistischen Skinheadszene lange aufrecht erhaltene Ächtung der Band durch große Multimediaketten und Musiksender ist das vielleicht bekannteste Beispiel dafür. Bedeutsam ist bei Diederichsens Äußerung vor allem die zweimal genannte Einschränkung „ohne primäre Not“. In der Konsequenz hieß das: Politisch unterdrücken oder marginalisierten Völkern und Ethnien gestand man die unkritische Bezugnahme auf eine nationale Identität zu, denjenigen, die die Mehrheit bildeten und die Herrschaftseliten stellten, hingegen nicht. Entsprechend betrachten es die linksradikalen Freunde des Sprecher-Ichs in Freundin von Aeronauten auch nicht als Widerspruch, die Faschisten schlagen zu wollen und zugleich Musik aus dem Baskenland zu hören.

Bezeichnenderweise kam einer der ersten erfolgreichen Versuche, sich innerhalb der Popmusik affirmativ auf Deutschland zu beziehen, aus dem Rap: Fler übernahm als ethnischer Deutscher den Minderheitennationalismus von Rappern mit Migrationshintergrund. Auf seinem Album Fremd im eigenen Land, dessen Titel ein berühmtes antirassistisches Stück der multiethnischen Gruppe Advanced Chemistry deutschnational rekontextualisiert, findet sich das programmatische Lied Ich bin Deutscha. Es beginnt mit den Zeilen:

Ich bin Deutscha, du hast keine Identität
Du bist ein Niemand, okay Junge, ich zeig dir, wie es geht
Ich bin Deutscha, auch wenn es niemand versteht
Ich bin stolz auf was ich bin, denn ich hab Identität
Ich bin Deutscha, ich bin Berliner hoch zehn
und meine Ausländerjungs sagen, ich hab Identität
Ich bin Deutscha, auch wenn es niemand versteht
Ich bin Deutscha, denn ich hab Identität

[…]

     [Fler: Fremd im eigenen Land. Aggro Berlin 2008.]

Das Sprecher-Ich sichert sich hier gleich mehrfach gegen den drohenden Vorwurf des Rechtsradikalismus ab: Die Mitteilung, dass seine „Ausländerjungs“ seine „Identität“ wahrnehmen, kommuniziert zum einen, dass es ausländische Freunde hat; zum anderen wird eine des Deutschnationalismus unverdächtige Instanz bemüht, um sein Gefühl zu objektivieren: Nationale Identität erscheint hier nicht nur als Gefühl, sondern als von anderen wahrgenommene Entität. Und indem das Sprecher-Ich sich als „Berliner hoch zehn“ bezeichnet, stuft es den allgemein als harmlos angesehenen Lokalpatriotismus als für seine Identität deutlich wichtiger ein (dem steht allerdings performativ die häufigere Nennung der deutschen Identität entgegen, wobei allerdings die Schreibung „Deutscha“ wiederum dem Berliner Idiom nachempfunden ist).

Frei.Wild hingegen sind hinsichtlich der aggressiven Artikulation von Nationalgefühlen in der privilegierten Situation, keine Deutschen (und auch keine Österreicher oder Schweizer) zu sein, sondern deutschsprachige italienische Staatsbürger aus Südtirol. Der Status als Minorität wird im Text auch eigens betont, interessanterweise ist dabei von „Minderheiten“ im Plural die Rede, womit eine Parallele zur Situation anderer Minderheiten in anderen Staaten gezogen wird.

Dennoch ist auch in Wahre Werte ist das Sprecher-Ich zusätzlich um Abgrenzung vom Rechtsradikalismus bemüht, es differenziert zwischen den bejahten, ja eingeforderten Gefühlen „Heimatliebe“ bzw. „Patriotismus“ einerseits und abgelehntem „Nationalismus“ andererseits. Im übrigen Liedtext (wie etwa auch in anderen, z.B. Südtirol) wird diese postulierte Differenzierung aber nicht umgesetzt: Es wird ausdrücklich ein nicht nur kultureller, sondern auch völkischer Heimatbegriff verwendet („Heimat heißt Volk, Tradition und Sprache“), und in dieser Hinsicht Andersdenkenden wird das gute alte „Geht doch rüber“-Argument entgegengeschleudert, eine kritische Haltung gegenüber dem Konzept nationaler Identität wird, ganz wie in Texten rechtsradikaler Bands, mit Hass auf die Heimat identifiziert. Hinzu kommt, dass die Bedürfnisse des Individuums hinter den Erhalt eines synchron wie diachron gedachten Volkskollektivs zurückgestellt werden: Der Einzelne ist seinen Nachfahren verpflichtet, das kulturelle Erbe seiner Vorfahren zu tradieren – militärisch zugespitzt kommt eine solche Haltung etwa in der berüchtigten, dem Soldatenlied von Heinrich Lersch entlehnten Inschrift des Kriegerdenkmals am Hamburger Dammtor „Deutschland muß leben, und wenn wir sterben müssen“ zum Ausdruck, gegen die sich das berühmte Slime-Lied Deutschland richtete, in dem die Inschrift umgekehrt wird zu „Deutschland muß sterben, damit wir leben können.“

Die explizite Ablehnung von Faschismus und Nationalsozialismus erfolgt in Wahre Werte dann auch nicht mit ideologischen Begründungen, sondern unter Verweis auf die Geschichte Südtirols, wobei „Faschisten“ in diesem Kontext (wie auch im Vorspann des Videos) die italienischen Faschisten, also die kulturell und ethnisch fremde ‚Besatzungsmacht‘ bezeichnet, und Nationalsozialisten die Deutschen, die Südtirol von 1943 bis 1945 besetzt hatten. Dass Kriege schließlich ganz allgemein abgelehnt werden und dies als Ausdruck von Patriotismus verstanden wird, ist durchaus kompatibel mit dem in der ‚Neuen Rechten‘ propagierten Konzept des „Ethnopluralismus“, also einer (friedlichen) Koexistenz ethnisch und kulturell jeweils homogener Staaten.

Eine bundesdeutsche Band, die in ihren Texten so massiv rechte Ideologeme integrierte, hätte umfangreichen Widerstand, nicht nur seitens antifaschistisch engagierter Gruppen, sondern wohl auch aus der sogenannten Mitte der Gesellschaft zu gewärtigen, zumal wenn Bandmitglieder, wie im Fall von Frei.Wild der Sänger, früher in einer Neonaziband (Kaiserjäger) aktiv gewesen wären. Bei Frei.Wild hingegen lässt sich das eingangs referierte Argument, dass es marginalisierten Bevölkerungsgruppen zusteht, sich im Zuge von Emanzipationsbestrebungen positiv auf eine nationale Identität zu beziehen, entschuldigend ins Feld führen.

Dieser Exkulpationsmechanismus dürfte auch ein Grund dafür sein, dass es Frei.Wild gelungen ist, den Platz der in ihrer Vergangenheit skandalumwitterten, aber letztlich erfolgreichen Band von der Straße einzunehmen (Der Titel ihrer aktuellen DVD lautet Durch Straßen, durch Dreck – in’s Händemeer), der mit der Auflösung der Böhsen Onkelz, mit denen der Sänger von Frei.Wild auch die Naziskin-Vergangeheit teilt, frei geworden war. Der Erfolg von Frei.Wild in Deutschland lässt sich als Reimport von Nationalismus beschreiben: Die Band wurde nach eigenen Angaben massiv von den Böhsen Onkelz beeinflusst und entspricht ihnen musikalisch wie biographisch, es handelt sich also, um im Bild zu bleiben, um das gleiche Produkt; dadurch, dass es aus dem Ausland eingeführt wird, hat es aber gegenüber inländischen Konkurrenzprodukten einen wettbewerbsentscheidenden Vorteil.

Frei.Wild werden aber von ihren deutschen Fans keineswegs ausschließlich als südtiroler Band, deren Texte nur vor einem spezifischen, in Deutschland nicht gegebenen Hintergrund verstanden werden können, wahrgenommen; vielmehr kommt es zu einer identifikatorischen Rezeption der Texte, wie sie gerade unter Fans des als ehrlich und authentisch geltenden Genres „Deutschrock“ verbreitet ist (was sich in entsprechenden Foren nachlesen lässt). Werden nationalistische Identitätskonzepte auch von denjenigen übernommen, die sich nicht in einer Minderheitenposition befinden, sondern die Mehrheit stellen, greift Diederichsens Einschränkung jedoch nicht mehr und liegt entsprechend die Befürchtung nahe, dass zumindest einige Frei.Wild-Fans nichts Gutes vorhaben.

Nun begibt man sich in fragwürdige Gesellschaft, wenn man eine Band für die Rezeption ihrer Lieder verantwortlich macht – man denke etwa an die Vorwürfe gegenüber Marilyn Manson nach dem School Shooting an der Columbine High School von Littleton. Deshalb ist es in solchen Debatten unumgänglich, genau zu analysieren, inwiefern eine bestimmte Lesart der Texte und die von Rezipienten realweltlich daraus gezogenen Konsequenzen erwartbar waren oder nicht. Eine rein vom Text her argumentierende literaturwissenschaftliche Unterscheidung zwischen legitimer Interpretation und Lektüre gegen den Strich erscheint hier jedoch wenig zielführend, da bei Frei.Wild, ebenso wie ehemals bei den Böhsen Onkelz, der Vorwurf der Camouflage im Raum steht, demzufolge die Bands sich nur aus taktischen Gründen vom Rechtsradikalismus distanzierten, dem rechtsradikalen Teil der Fans aber signalisierten, insgeheim doch die Alten geblieben zu sein. Zudem hat sich in der Debatte um diverse „Deutschrock“-Bands der Begriff „Grauzone“ etabliert, der Bands zugerechnet werden, die zwar nicht selbst explizit rechtsradikal auftreten, allerdings „rechtsoffen“ agierten, indem sie bewusst Anschlussmöglichkeiten für rechtsradikale Fans böten.

Bei Frei.Wild bestünde eine solche Anschlussmöglichkeit darin, die Affirmation des südtiroler Minoritätsnationalismus auf den deutschen Majoritätsnationalismus zu übertragen. Begünstigt wird dies nicht nur dadurch, dass Wahre Werte und andere Texte der Band allgemein gehaltene nationalistische Formulierungen beinhalten, die auch von deutschen Fans identifikatorisch mitgesungen werden können, und dass Frei.Wild selbst immer wieder auf eine deutsche nationale Identität Bezug nehmen (etwa, wenn der Sänger im Video zu Land der Vollidioten ein Plakat mit der Aufschrift „Deutsch sein = Nazi sein“, unterschrieben mit „Die Vollidioten“, verbrennt, oder wenn die Band anlässlich der vergangenen Fußballweltmeisterschaft mit Dieses Jahr holen wir uns den Pokal ein Lied veröffentlicht, das zur Unterstützung der deutschen Nationalmannschaft aufruft), sondern vor allem dadurch, dass Frei.Wild nicht im südtiroler Dialekt, dessen Erhalt in Wahre Werte gefordert wird, sondern auf hochdeutsch singen. Mit dieser Entscheidung adressieren sie ihre Texte auch an ein Publikum, das keiner Minderheit angehört. Insofern muss es sich die Band gefallen lassen, dass ihr deutschnationalistische „Missverständisse“ ihrer Texte zugerechnet werden.

Martin Rehfeldt, Bamberg

Advertisements

Über deutschelieder
“Deutsche Lieder” ist eine Online-Anthologie von Liedtextinterpretationen. Liedtexte sind die heute wohl meistrezipierte Form von Lyrik, aber zugleich eine in der Literaturwissenschaft vergleichsweise wenig beachtete. Die Gründe für dieses Missverhältnis reichen von Vorurteilen gegenüber vermeintlich nicht interpretationsbedürftiger Popkultur über grundsätzliche Bedenken, einen Songtext isoliert von der Musik zu untersuchen, die Schwierigkeit, eine editorischen Ansprüchen genügende Textfassung zu erstellen, bis zur Problematik, dass, anders als bei Gedichten, bislang kaum ein Korpus von Texten gebildet worden ist, deren Interpretation interessant erscheint. Solchen Einwänden und Schwierigkeiten soll auf diesem Blog praktisch begegnet werden: indem erprobt wird, was Interpretationen von Songtexten leisten können, ob sie auch ohne Einbeziehung der Musik möglich sind oder wie eine solche Einbeziehung stattfinden kann, indem Textfassungen zur Verfügung gestellt werden und im Laufe des Projekts ein Textkorpus entsteht, wenn viele verschiedene Beiträgerinnen und Beiträger ihnen interessant erscheinende Texte vorstellen. Ziel dieses Blogs ist es nicht nur, auf Songtexte als möglichen Forschungsgegenstand aufmerksam zu machen und exemplarisch Zugangsweisen zu erproben, sondern auch das umfangreiche Wissen von Fans zugänglich zu machen, das bislang häufig gar nicht oder nur in Fanforenbeiträgen publiziert wird und damit für die Forschungscommunity ebenso wie für eine breite Öffentlichkeit kaum auffindbar ist. Entsprechend sind nicht nur (angehende) Literaturwissenschaftler, sondern auch Fans, Sammler und alle anderen Interessierten eingeladen, Beiträge einzusenden. Dabei muss es sich nicht um Interpretationen im engeren Sinne handeln, willkommen sind beispielsweise ebenso Beiträge zur Rezeptions- oder Entstehungsgeschichte eines Songs. Denn gerade die Verschiedenheit der Beiträge kann den Reiz einer solchen Anthologie ausmachen. Bei den Interpretationen kann es schon angesichts ihrer relativen Kürze nicht darum gehen, einen Text ‘erschöpfend’ auszuinterpretieren; jede vorgestellte Lesart stellt nur einen möglichen Zugang zu einem Text dar und kann zur Weiterentwicklung der skizzierten Überlegungen ebenso anregen wie zum Widerspruch oder zu Ergänzungen. Entsprechend soll dieses Blog nicht zuletzt ein Ort sein, an dem über Liedtexte diskutiert wird – deshalb freuen wir uns über Kommentare ebenso wie über neue Beiträge. Jeden Montag wird ein neuer Text veröffentlicht.

22 Responses to Reimportierter Nationalismus. Warum gerade Frei.Wild aus Tirol erfolgreich die Rückbesinnung auf nationale „Wahre Werte“ fordern können

  1. Nico says:

    Lieber Verfasser,
    Auf dieser Seite sollte sich intensiv mit Musik und Texten von Künstlern befasst werden, die vorzugsweise ihre Texte auf deutsch verfassen.
    Was hat also so ein Text hier verloren?
    Er passt vielleicht auf Seiten wie „Netz-gegen-Nazis.de“ (einige Formulierungen aus dem Text finden sich auch dort in ähnlicher Form wieder), aber hat nichs mit einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Thematik zu tun.
    Keine These wird belegt, nach Quellen suche ich vergebens (abgesehen vom „Verweis“ auf „entsprechende Foren“), und, was noch wichtiger ist, auf den Inhalt des Textes und das Zusammenspiel zwischen Lied und Video wird so gut wie gar nicht Bezug genommen.
    Wenn boulevardeske Berichtsformen wichtiger werden als das Ziel, das man eigentlich haben sollte, wenn man hier veröffentlicht (WISSENSCHAFTLICH fundierte Arbeit abliefern), sind sie hier falsch, befürchte ich.

    • Lieber Nico,
      vielen Dank für Ihren Kommentar.
      Den Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit fasse ich so auf, dass Ihnen sowohl das Erkenntnisinteresse als auch die Methodik unangemessen scheint und dass Ihnen stattdessen als Ideal eine mit Kontextinformationen argumentierende Interpretation vorschwebt, bei der etwa die im ersten Zeilenblock beschriebenen Gesteinsformationen mit realweltlichen Orten in Südtirol identifiziert und die Aussagen über Heimat auf die historische und gegenwärtige dortige Situation bezogen würden. Zu beidem stellt ja auch das Video Bezüge her.
      Ein solches Vorgehen erscheint mir zwar durchaus als ein möglicher Zugang, aber nicht als der im Fall von Frei.Wild interessanteste, wird doch seit geraumer Zeit eine kontroverse Debatte um ihre ideologische Verortung geführt. Dazu wollte ich einen Beitrag liefern, indem ich der Frage nachgegangen bin, warum gerade Frei.Wild das Marktsegment nutzen konnten, das durch die Auflösung der Böhsen Onkelz frei geworden war, und es nicht breiteren Protest aufgrund bestimmter Texte gab. Meine These dazu lautet, dass ein wichtiger Grund dafür eine verbreitete Differenzierung zwischen toleriertem Minderheitsnationalismus und abgelehntem Mehrheitsnationalismus ist, die Frei.Wild als südtiroler Band einen Vorteil gegenüber deutschen Bands, die ähnlich argumentieren, verschafft.
      Bis auf den naturmystischen ersten Zeilenblock bin ich auf alle Aussagen des Textes eingegangen, wenn ich sie auch nicht immer noch einmal wörtlich zitiert habe.
      Dass Frei.Wild von vielen Fans als ehrliche, authentische Band empfunden werden und dass manche deutsche Fans das Bekenntnis zum Patriotismus auch identifikatorisch verstehen, lässt sich nicht nur u.a. an den Kommentaren zu den verlinkten Videos sehen, sondern gehört auch zum Selbstbild der Band, wie sich etwa auf ihrer Myspace-Seite und ihrer Homepage nachlesen lässt. Und der Sänger räumt seine Neonazi-Vergangenheit selbst ein (http://www.youtube.com/watch?v=yRNcfrsVL2I ).
      Dass manche Formulierungen meines Textes denen anderer, dezidiert politischer Artikel gleichen, dürfte seinen Grund darin haben, dass ich deren Position – im Konjunktiv – referiere.
      An die Überlegungen zur Rezeption habe ich noch die Frage angeschlossen, inwiefern die Band damit rechnen konnte/musste, dass ihre Texte auch außerhalb Südtirols nationalistische Gefühle zu mobilisieren. Dabei geht es nicht zwingend um Absicht, es reicht aus meiner Sicht eine Entsprechung zu dem, was im Strafrecht als bedingter Vorsatz bezeichnet wird: dass man billigend in Kauf nimmt, dass es zum Taterfolg kommt. Frei.Wild begünstigen eine deutschnationalistische Rezeption ihrer Texte u.a. dadurch, dass sie ihre Texte an zentralen Stellen allgemein halten. Wenn es in „Land der Vollidioten“ etwa heißt „Dies ist das Land der Vollidioten, /die denken Heimatliebe ist gleich Staatsverrat“, so lässt sich dies nicht nur als Beschreibung italienischer Debatten über Südtirol, sondern auch als Paraphrase der These vom „Schuldkult“ und „negativen Nationalismus“ in der BRD auffassen, ebenso wie die Zeile „Wir sind Opfer einer Resozialisierungspolitik“ sich nicht nur auf die Italianisierungsversuche der autochtonen südtiroler Bevölkerung, sondern eben auch auf die Re-Education in den Westzonen nach dem Zweiten Weltkrieg bezogen werden kann.
      Ich würde mich freuen, hier wieder von Ihnen zu lesen.

      Mit besten Grüßen

      Martin Rehfeldt

      • Nico says:

        Danke erstmal für die Antwort,

        ihre Sichtweise ist verständlich und überrascht mich ehrlich gesagt in keiner Weise, ich habe keine andere erwartet.
        Dennoch bleibt mir ihr Standpunkt weiterhin zu oberflächlich für eine wissenschaftliche Vorangehensweise.
        In einem Punkt liegen meiner Meinung nach sogar falsch.
        Denn: Losgelöst vom historischen Kontext ist bei einem Liedtext, der ununterbrochen Bezug auf die Historie Südtirols nimmt, eine anständige Analyse überhaupt nicht möglich.
        In diesem Zuge halte ich es für falsch und unverantwortlich, die Aussagen im Text auf Deutschland zu übertragen, weil hierzulande die historischen Vorkommnisse ebenfalls nicht zu vergleichen sind, sprich der Vergleich ist historisch inkorrekt.

        Und wenn der Künstler, in diesem Fall die Band Frei.Wild, (im Gegensatz zu Goethe und Konsorten, die alle tot sind und sich nicht vor Fehlinterpretationen ihrer Werke schützen können), sagt, was der Text ihrer Meinung nach ausdrückt, also die Interpretation frei Haus liefert, wieso behaupten sie dann, etwas anderes in dem Text zu erkennen?
        Ich verweise hier auf die Autonomie des Kunstwerks, was kein Widerspruch zu meiner Forderung ist, den Text im historischen Kontext zu analysieren, da die Forderung nach dieser Autonomie heutzutage nicht mehr nur von den vertretern der sog. Werkimmanenz geäußert wird.
        Ich bin an dieser Stelle so frei, ihnen zu unterstellen, dass sie voreingenommen sind (was sie in ihrem Antwortkommentar indirekt mit dem Verweis auf ihre Referententätigkeit zugeben)
        und der damit verbundene Aufwand ihrer „interessanteren“ (interessanter, weil sie mehr Zündstoff beim Leser erzeugt?) Herangehensweise im Wege stünde. Deshalb ignorieren sie die Interpretation des Künstlers.

        Und das ist meiner Ansicht der Todesstoß für jede seriöse Arbeit im wissenschaftlichen Bereich. Weil es eine Erkenntnis einem solchen Fall dann nicht gibt, sondern der Arbeitsprozess in das Bild eingefügt wird, das vorher bereits vorhanden war. Das meinte ich in meinem ersten Kommentar übrigens mit boulevardesk, weil dies Vorgehensweisen von gewissen großen deutschen Zeitungen sind, die je nach Lage ungeachtet von lästigen Dingen wie Fakten Person rauf oder runte oder erst rauf und anschließend runterschreiben.

        Ich will ihren Text nicht per sé schlechtreden, aber um einem Text eines ohne Frage diskussionswürdigen Künstlers gerecht zu werden, sollte man den Aufwand, den ich, wie sie richtig erkannt haben, im Sinn hatte, ZUSÄTZLICH machen und dies dann mit ihrer Herangehensweise kombinieren.
        Die betriebene Schwarz-weiss-Malerei, die den Künstler in ein Bild presst, zudem Facetten dem Bild hinzufügt, die eigentlich in der Wirklichkeit gar nicht existieren, ist unangemessen und verzerrt die Wahrheit, indem sie falsche Assoziationen aufruft.
        Woher sie ihre Bezüge zu Fler und Slime beispielsweise hernehmen, bzw in welcher Weise die Verweise irgendwie wichtig sind zum Verständnis des Liedtextes oder der Band an sich, wird wohl ihr Geheimnis bleiben.
        Ich bin mir sicher, dass das Ergebnis einer solchen Arbeit, die alle Aspekte darstellt, schwarz und weiss vermischt, einer Band aus der „Grauzone“ (achtung, schlechter Wortwitz) eher gerecht würde und zudem noch interessanter wäre.

        Nico

      • Lieber Nico,

        schön, dass sich unser Dialog zu einer Methodendiskussion entwickelt. Sie präferieren eine biographisch-hermeneutische Interpretation, bei der der Liedtext und Kontextinformationen (Aussagen der Band, Video, Geschichte Südtirols und die aktuelle politische Situation in Südtirol) wechselseitig auf einander bezogen werden. Das ist, wie gesagt, eine gängige, aber eben nur eine Herangehensweise an literarische Texte neben anderen und nicht, wie Sie vertreten, die einzig legitime. Seit den 1970er Jahren ist der zuvor bereits latent vorhandene Methodenpluralismus der (germanistischen) Literaturwissenschaft offensichtlich und auch anerkannt (vgl. dazu das Handbuch Methodengeschichte der Germanistik. Hg. v. Jost Schneider. Berlin: de Gruyter 2009).
        Das heißt, dass die Frage nach der Rezeption eines Textes durch eine bestimmte Rezipientengruppe und nach der Vorhersehbarkeit eben dieser Rezeption für den Verfasser des Textes ebenso akzeptiert wird wie die Frage nach der Aussageintention des Autors. Kriterien wie seriös vs. unseriös oder tiefgründig vs. oberflächlich sind nur innerhalb der gleichen Fragestellung anwendbar, mit ihrer Hilfe können aber nicht verschiedene Erkenntnisinteressen und Methoden untereinander hierarchisiert werden. Die Entscheidung für eine Methode kann aber anhand des Kriteriums, wie interessant eine Fragestellung für das Publikum ist, erfolgen – und im Fall von Frei.Wild war und bin ich der Meinung, dass die Meinung der Bandmitglieder weniger interessant ist als die Wirkung ihrer Texte, schlicht deshalb, weil es mehr Hörer als Bandmitglieder gibt.

        In meinem Artikel habe ich bereits mit der Überschrift mein Forschungsinteresse benannt: Warum nehmen viele Rezensenten und Hörer bei Frei.Wild keinen Anstoß an Textpassagen, die man bei deutschen Bands als problematisch einstufen würde? Meine Antwort auf diese Frage lautet: Weil man – gerade im Bereich der Popmusik – ethnischen Minderheiten im Bemühen um ihre Selbstbehauptung auch nationalistische Äußerungen zugesteht. Als Referenz für diese Auffassung führe ich Diedrich Diederichsen an, der den politischen Popjournalismus der 1990er Jahre wesentlich mitgeprägt hat. In diesem Zusammenhang zitiere ich auch Fler, weil er einen in HipHop-Texten zuweilen feststellbaren – allgemein als legitim angesehenen – migrantischen Nationalismus auf seine Identitätskonstruktion als Deutscher überträgt.
        Anschließend konstatiere ich, dass Frei.Wild-Texte von Hörern auch auf eine deutsche nationale Identität bezogen werden (vgl. etwa als ein Beispiel von vielen den Kommentar von Schlesier96, der einem kritischen Kommentator von „Wahre Werte“ antwortet: „Du gehörst zu den Leuten, die daran schuld sind, dass der Text der Wahrheit entspricht und fast 1:1 auf Deutschland übertragen werden kann.“ [http://www.youtube.com/watch?v=Ki_D9JjmdzE]). Es handelt sich dabei nicht um eine Lesart, die ich favorisiere, sondern um eine, die manche Fans vornehmen.
        Dass es zu dieser Rezeption kommt, mag man begrüßen oder ablehnen, mir geht es im Anschluss an die Beschreibung der Rezeption um etwas anderes: darum, ob die Band diese Rezeption zu verantworten hat. Und angesichts der Tatsache, dass entsprechende Vorwürfe schon vor der Veröffentlichung von „Wahre Werte“ und „Land der Vollidioten“ erhoben worden waren, der Band die Problematik mithin bekannt war, sowie aufgrund der erwähnten offenen Formulierungen in den Texten, würde ich dies bejahen. Die Band begrüßt eine Übertragung ihrer auf Südtirol bezogenen Haltung auf die jeweiligen Heimatländer ihrer Zuhörer sogar explizit:

        „Zu den bekanntesten Werken zählt sicher ‚Süd-Tirol‘, in dem die vier Ihre Heimat besingen ohne dabei politisch zu werden. Immer wieder aufs Neue kann man bei den Konzerten beobachten wie das Publikum, das aus dem gesamten deutschsprachigen Europa anreist, von der packenden Melodie gefesselt wird und die Menschenmenge vor Begeisterung kocht. Beschäftigt man sich nach dem Konzert etwas mit der Geschichte Süd-Tirols stellt man überrascht fest, dass dort ja die italienische ‚tricolore‘ weht. Auch wenn manchmal nur wenige Konzertbesucher einen italienischen Pass haben, singt trotzdem jeder aus voller Brust den Text mit, denn schließlich geht es hier nicht um Politik oder Ländergrenzen sondern um einen Ausdruck der Liebe zur Heimat.“(http://www.myspace.com/freiwild)

        Slime vertreten in „Deutschland“ eine radikale Gegenposition zu der von Frei.Wild hinsichtlich des Verhältnisses von Individuum und Nation, deshalb habe ich auf dieses Lied hingewiesen.

        Übrigens übe ich keine „Referententätigkeit“ für politische Seiten aus, die eine Voreingenommenheit meinerseits indizieren könnte – ich habe lediglich geschrieben, dass ich in meinem Artikel die Positionen von Kritikern der Band wiedergebe, was ein Grund für die von Ihnen in Ihrem ersten Kommentar festgestellte Ähnlichkeit bestimmter Formulierungen sein könnte.

        Ich bin gespannt auf Ihre Antwort und grüße Sie freundlich,

        Martin Rehfeldt

  2. Anonym says:

    Sehr geehrter Schreiber dieses Artikels, vorab möchte ich mich bedanken! Sie haben mit diesem durchaus sehr kritischen Text etwas gschaffen, wozu all die anderen Frei.Wild-Kritiker in den nun über 10 Jahren ihres Bestehens, nie fähig waren! Sie haben einen objektiven Text verfasst. Ich weiß nicht, warum selbst renommierte Zeitungen wie „die Zeit“ unglaubliche journalistisch wertlose Hetzkampagnen veröffentlichen. Man konnte gut erkennen, dass sie über ein breites Fachwissen verfügen, dasss sie ausgiebig Recherche betrieben haben und dass sie nicht aus Hass geschrieben haben.- Danke dafür!

    Allerdings ist es bei so einem Text einfach nicht getan, wenn man „Schwarz-Weiß“ sieht. Es ist nicht hilfreich, wenn man sich damit auseinandersetzt, wo genau die Grenzen zwischen dem Positiven respektive dem Negativen verlaufen. Vielleicht gibt es Textzeilen („Heimat heißt Volk, Tradition und Sprache“) die man AUS DEM KONTEXT gerissen, sofort als völkisch nationalistisch bezeichnen würde. Aber es geht nun mal nicht um einzelne Zeilen, nein es gilt den Gesamttext zu beurteilen! Hierbei ist es wichtig zu beachten, was der Künstler mit diesem Text erreichen wollte, worauf wollte er hinaus, als er diesen Text verfasste, von welcher Motiviation wurde er beim Schreiben getrieben und wie intepretiert er ihn. (beispielsweise beim Live-Gesang: Was sind die Ansagen vorher,….)
    Ich habe versucht auf die Figur Burger einzugehen:

    Warum schrieb er diesen Text?
    Ich denke, dass es gar nicht daran lag, dass er noch einmal erklären und zeigen wollte, dass er Südtirol liebt, nein, es lag viel mehr daran, dass Frei.Wilds Patriotismus für viele Medien ein weiteres Ablehnungsmittel war. Es hieß immer wieder:“Burger, eh schon mit einer nationalsozialisitischen Vergangenheit behaftet, singt Lobeslieder auf die Heimat“.

    Was wollte er bewirken?
    Er wollte erklären, warum er Südtirol liebe (Sprache, Brauchtum und Glaube), warum es ihm wichtig wäre eben jenes zu pflegen („ihr“ Tirol gibt es seit 1200 Jahren) Er wollte klar zeigen, hier bin ich, ein Patriot, aber kein Menschenfeind! Ich denke, Sie haben ihm gerade nicht unterstellt, dass er Nationalsozialismus respektive Faschismus ablehne, „nur“ weil die Heimat darunter gelitten habe. Ich bitte Sie, ihm nicht zu unterstellen, solch ein Unmensch zu sein.

    Welche Lehre sollte das Publikum dem Text entnehmen?
    Man wollte erreichen, dass Menschenfeindlichkeit (Homophobie, Fremdenfeindlichkeit,…) nicht auf die selbe Stufe mit der Liebe zum Heimatland gestellt wird.(Viele bzw. alle ultralinke Gruppierungen sind der Ansicht, dass „Patriotismus ein Teil des Faschismus“ sei)
    Die Leute sollen aufhören, sich für Taten zu schämen, die sie nicht begangen haben. (Das kann man nicht aus dem Text erkennen, aber erfährt es dadurch, dass Burger immer wieder darauf verweist, wenn es um Patriotismus geht, sehen Sie es ist einfach nicht damit getan, einen Text zu analysieren, sondern man muss auch die Dinge außerhalb des Geschehens beachten)

    „Wann hört ihr auf eure Heimat zu hassen…“
    Damit werden nicht Neutrale, sondern jene angesprochen, welche sich mit Sätzen wie „Deutschland auf die Fresse“ brüsten. (Sätze wie diese, empfinde ich als Frechheit, denn der Hass auf das „eigene“ Land, ist genauso Hass auf ein Land und somit wird, ohne Zweifel, diskriminiert! Ein ganzes Volk gedemütigt und alles in Frage gestellt, was sich die Einwohner dieses Staates aufgebaut haben. Eben jene Leute würden aber eine Krise bekommen, wenn jemand solche Sätze in Bezug auf andere Länder bringen würde. z.B. „Afghanistan auf die Fresse“, „England auf die Fresse“)

    Sicherlich gibt es Paralellen zum Rechtsextremen,aber um jetzt ein sehr infantiles Beispiel zu verwenden, sage ich, dass manche Rechtsextreme sicherlich auch gerne Äpfel essen (Äpfel essen ist legitim&legal und schließt niemanden aus. Alle 3 Dinge gelten ebenfalls für den Patriotismus), aufgrund dieser Tatsache muss ich aber nicht verpflichtet sein, aufzuhören, Äpfel zu essen!

    Weiters ist die Frage zu stellen, ob Burger jemanden ausschließen wollte? Meines Erachtens ist es ein sehr friedliches Lied, welches nur davon handelt, was er fühlt und warum es so ist! Nirgends wird angesprochen, dass jemand der nicht diesen Glauben besitzt, der nicht diese Tradition pflegt oder der nicht diese Sprache spricht, weniger wert wäre.(Das wiederum spielt im Nationalismus eine große Rolle)

    Des Weiteren ist zu beachten, was die Mehrheit der Hörer aus den Zeilen zieht. Man kann klar erkennen, dass das Lied von 99% der Leute [Es gibt ja noch die Antifa ;-), verzeihen Sie den Seitenhieb] (bei Liveversionen, anhand von Kommentaren bei Youtube und anderer Plattformen,…) als friedliches Lied und nicht als Kampfansage verstanden wird. -Es einfach nur symbolisiert, dass man sein Land (auch als deutschsprachiger) lieben kann, ohne menschenverachtende Dinge im Sinn zu haben!

    Damit möchte ich sagen, dass Ihre Analyse dieses Textes durchwegs richtig ist, allerdings bei so einem Text nicht anwendbar, umsetzbar und relevant ist. (Das ist allerdings nur meine persönliche Meinung!!)

    Ich möchte mich noch einmal bedanken, dass Sie als Kritiker, keinen Wert darauf gelegt haben, wieder eine gesamte Fangemeinde zu verletzen un zu demütigen! Ebenfalls ist es schön, dass der Text auf bewiesene Fakten basiert und nicht von haltlosen Unterstellungen strotzt, DANKE SEHR!
    Liebe Grüße, ich würde mich über eine Rücksendung respektive eine persönliche Meinung über meine Denkansätze sehr freuen!

    Ich bitte Sie, Rechtschreibfehler zu entschuldigen, ich schreibe vom Smartphone aus. Bei grober Korrekturlesung sind mir bereits einiges aufgefallen, welche ich jetzt ausgebessert habe! Deswegen schicke ich den Text noch einmal, obwohl er sicherlich noch so manchen Fehler enthält!

    • Anonym says:

      Ich hab mir gerade die Kommentare von „Nico“ durchgelesen und muss bemerken,dass seine und meine Gedankengänge sich oft überschnitten. Was mich persönlich auch sehr ärgert (sowohl bei der Presse als auch bei Ihnen), dass solche Interpretationen stattfinden. Der Künstler hat dieses Lied geschrieben, also hat er auch ein Recht darauf, vorzugeben wie es gemeint ist! Das heißt, man sollte aufhören, Dinge hinein zu intepretieren, die laut Philipp nicht vorhanden sind, denn andererseits hätte er diesen Text nicht geschrieben. Frei.Wild respektive Philipp streiten die nationalistische Verortung stets ab, wenn dieses Lied laut Philipps Meinung Nationalismus enthalten würde, dann würde er es entweder nicht abstreiten oder hätte aber dieses Lied nicht geschrieben. Für ihn bedeutet dieses Lied nur Patriotismus. Und Patriotismus ist nun mal KEINE menschenfeindliche oder ausgrenzende Meinung. Ich hoffe, Sie verstehen, was ich meine! D.h. man sollte auf die Meinung und die Interpretation des Autors eingehen, denn Sie wissen ebensowenig wie ich, wie dieses Lied entstanden ist!

      • Sehr geehrter Kommentator,

        vielen Dank für Ihren Kommentar. Das Kompliment der Sachlichkeit gebe ich gerne zurück, in den vielen Internet-Debatten über Frei.Wild ist diese in der Tat auf beiden Seiten selten, deshalb freut es mich besonders, Rückmeldungen wie Ihre auf meinen Beitrag zu erhalten.
        Mir ging es, wie Sie zutreffend annehmen, nicht darum, Peter Burger als Person irgendetwas zu unterstellen und ganz allgemein auch nicht darum, seine politische Meinung zu erschließen. Mein Artikel stellt nur eine Analyse einer bestimmten (meiner Auffassung nach für den Band vorhersehbaren) Rezeption dar, die – vgl. die in den meinen vorigen Antwortkommentaren exemplarisch zitierten Äußerungen – eben nicht nur von Antifa-Gruppen, sondern auch von einigen Frei.Wild-Fans vorgenommen wird. Ärgern müssten Sie sich also nicht über meinen Versuch, dieses Phänomen zu erklären, sondern über das Phänomen selbst, sprich über diejenigen unter den deutschen Frei.Wild-Fans, die den Südtirol-Patriotismus der Band auf deutsche Verhältnisse übertragen und dabei (etwa in der Abwehr kritischer Positionen) teilweise durchaus die Grenze zum Nationalismus überschreiten.
        In diesem Zusammenhang noch etwas zu „Deutschland auf die Fresse“: Die Akzeptanz, die Sie ebenso wie Frei.Wild für Patriotismus einfordern, muss man dann auch für dessen Gegenstück aufbringen (und dies geschieht im Frei.Wild-Text mit „Wann hört ihr auf, eure Heimat zu hassen / wenn ihr euch ihrer schämt, könnt ihr sie doch verlassen“ ausdrücklich nicht). Entweder man sieht „Heimat“, „Volk“, „Nation“ und „Identität“ als reine Konstrukte an, dann kann man weder stolz auf das eigene Land sein noch sich seiner schämen. Oder man nimmt ein wie auch immer geartetes Fortwirken der Geschichte eines Landes in der Gegenwart sowie eine Prägung des Menschen nicht nur durch seine (veränderliche) soziale Umgebung, sondern auch durch seine (unveränderliche) Herkunft an, dann kann man sich, je nachdem, wie die Bewertung dieser Geschichte ausfällt, zustimmend aber eben auch ablehnend zum eigenen Land positionieren. Inwiefern Landschaften einen Menschen prägen, wie in der ersten Strophe beschrieben, ist noch einmal ein anderes Thema.
        Die meisten linken Gruppen tendieren wohl zur antinationalen Ablehnung von „Heimat“, „Volk“, „Nation“ und „Identität“ als reine Konstrukte (die „Antideutschen“ als ursprünglich innerlinke Gegenbewegung zu unterstelltem linken Antisemitismus sind noch mal ein eigenes Kapitel). „Deutschland auf die Fresse“ heißt in einem antinationalen Argumentationszusammenhang dann nicht, dass alle Deutschen qua Herkunft abgelehnt werden, sondern, dass man einen Bezug auf nationale Identität – in diesem Fall die deutsche – generell ablehnt.

        Ich freue mich auf eine Fortsetzung unserer Diskussion.

        Mit freundlichen Grüßen

        Martin Rehfeldt

    • Anonym says:

      Langsam, aber sicher spame ich. Auch hier möchte ich mich für Tippfehler entschuldigen (Ich hoffe, Sie konnten dennoch verstehen, worauf ich hinaus wollte) Natürlich habe ich den Kontakt nicht „gemeidet“, sondern gemieden ;-). Bei dem Satz über die BOs fehlt ein „angetan haben“ Das heißt, ich bemängele die respektlose Art und Weise, wie man gegen sie vorgegangen ist und ich finde, dass man ihre Würde nicht nur angetastet hat, sondern regelrecht auf ihr herumgetrampelt ist!
      (Mehrere Fehler sind auch noch enthalten, aber das dürfte wohl nicht zu Verständnisschwierigkeiten führen)

      • Lieber Kommentator,

        über Die Ärzte würde ich mir gar keine Sorgen machen. Denn während „BGS“ bei den Buzzcocks (vielleicht) noch als ernst gemeinte, wenn auch überzeichnete Kampfansage gewirkt haben mag, so wird es, wenn Die Ärzte es covern, rekontextualisiert in einen Rahmen, in dem fast alle Aussagen in einer ironischen Uneigentlichkeit gehalten sind: Denn Die Ärtze sind in ihrer Ästhetik eben keine authentisch wirkende Rockband, die zumindest vorgibt, Lebenserfahrungen der Bandmitglieder zu verarbeiten, sondern schon seit ihrer Gründung ein unersntes Pop-Projekt – was nicht zuletzt an den Künstlernamen Bela B und Farin Urlaub deutlich wird.
        Schon aus den frühen indizierten Skandalstücken wie „Geschisterliebe“ ließ sich ja keine „Aussage“ ableiten (auch wenn die BpjS das versucht hat), gleiches gilt für die späteren Stücke wie den „Grotesksong“ oder „Ein Schwein namens Männer“ – selbst bei „Schrei nach Liebe“ wird ja nicht klar, ob die vorgetragene Erklärung von Rechtsradikalismus aus einem Zuwendungsdefizit ernst gemeint ist, oder sich die Band damit über Nazis – oder über diejenigen, die solche erklärungen ernsthaft vortragen – lustig machen will. Immer handelt es sich um Rollenrede, und wieviel die Rolle gerade mit den Bandmitgliedern zu tun hat, bleibt stets uneindeutig. Und das ist, scheint mir, auch den Fans, gleich welchen Alters, bewusst – Bela und Farin fungieren wohl kaum als role models wie eben Phillipp Burger oder auch Campino – würden Die Toten Hosen „BGS“ covern, könnte ich Ihre Bedenken ducrhaus nachvollziehen, denn sie kultivieren teilweise ja durchaus eine Echtheitsästhetik.

        Beste Grüße

        Martin Rehfeldt

  3. Anonym says:

    Ja, ich äußer mich generell selten im Internet, wenn es um Frei.Wild geht! Die meisten Artikel sind schlichtweg gelogen, es werden alle Anhänger als Nazis oder zumindest als Nazisympathisanten dargestellt. Es wird behauptet, dass Frei.Wild-Fans hauptsächlich aus der „unteren“ Gesellschaftsschicht kommen würden. (Linke, die die Wertschätzung von Menschen grundsätzlich ablehnen, sollten so etwas nicht als erwähnenswert empfinden). Ich habe Konzerte dieser Gruppe besucht, ich habe mit vielen Fans gesprochen und weiß daher, dass beide Behauptungen schlichtweg Lügen sind, da diese Menschen aber anscheinend keine Motivation auf Richtigstellung verspüren, habe ich es aufgegeben, mich über Artikel mit dem Titel „die neue Reichskapelle“ zu ärgern! Ich weiß es besser, ich weiß, dass in meinem Kopf keine rechten oder menschenverachtende Gedanken umherschwirren und von daher gehe ich auf diese Leute nicht mehr ein, es bringt letzendlich doch nichts. So sehen das mittlerweile die meisten Frei.Wild-Fans, die den Weg mit dieser Gruppe begehen. Allerdings muss ich zugeben, dass ich mich manchmal schäme, wenn ich Kommentare verschiedener Leute auf etwaigen Plattformen wie z.B. Youtube lese. Das sind aber allerdings meist die jungen „neuen“ Fans, die meist die Hintergründe der Vorwürfe nicht kennen. Um hier noch für Philipp in die Presche zu springen (Falls sich ‚mal ein großer Gegner hier aufhalten sollte) Burgers Gesinnungswandel war vor Frei.Wilds Zeit und ist jetzt über 15 Jahre her! Ich habe auch das Wissen, dass Burger NIE rechtsextreme oder sonstige komische Aussagen getätigt hat, selbst dann nicht, als Frei.Wild noch eine kleine „Garagenband“ war. Das heißt, zu einem Zeitpunkt, an dem sie absolut nichts zu verlieren hatten!
    Diese ewigen Diskussionen mit dem Inhalt, ob Burger denn jetzt rinks, lechts, onten, uben, vinten oder doch horne ist, nerven langsam.

    Die Bedenken die sie bezüglich der Annahme, dass einige Fans das patriotische Denken falsch auffassen könnten und es schnell in ein chauvinistisches nationalistisches Denken umwandeln könnten haben, die hatte ich bisher nie, aber sie haben durchaus Recht. Dieser Verantwortung scheint Burger sich allerdings bewusst zu sein, nicht umsonst lauten die letzten Zeilen „Nicht von gestern, Realisten, wir hassen Faschisten, Nationalsozialisten
    ………..Patriotismus heißt Heimatliebe, Respekt vor dem Land und Verachtung der Kriegen“ Mit diesen Zeilen versucht man doch vorher Erwähntes vorzubeugen:
    1. Die glasklare Ansage, was man von Nazis und Faschisten halte
    2. Seine Auffassung von Patriotismus! (Diesen Teil hebt er bei Liveversionen meist besonders hervor! Er wird lauter und ändert die Tonhöhe)
    Es gibt sicherlich Leute, für die das was Burger sagt „zum Gesetz wird“ (Das ist nun ‚mal eine Verantwortung, der sich jede Person des öffentlichen Lebens stellen muss), allerdings erwähnt er häufig seine abgeneigte Haltung bezüglich Nationalismus und alles Weiterem! z.B. in der Doku über Frei.Wild sagt er (sinngemäß):“ Südtirol ist für mich das schönste Land, das heißt allerdings nicht, dass ich anderen Völkern keinen Respekt zolle…“ Das muss man ihm hoch anrechnen, denn er hat die Gefahr durchaus erkannt und versucht dagegen vorzugehen und wählt seine Aussagen mit Bedacht!

    Ganz ehrlich?- Den Stolz auf ein Land kann ich auch nicht verstehen. Denn warum sollte ich auf etwas stolz sein, wofür ich nichts geleistet habe? Ein Freund hat es mir folgend erläutern wollen:“ Wenn die eigene Tochter eine gute Note schreibt, dann ist man auch stolz. Beigetragen hat man nichts.“ Ich hab eingewendet, dass meine Tochter ein Teil meiner Selbst wäre. Die Antwort war:“Es kann durchaus sein, dass deine Heimat auch ein Teil deiner Selbst ist.“. Das stimmt allerdings auch! Was mich besonders an diesen Aussagen pekiert, ist das Wort „Stolz“. Grenzen sind durch Kriege, Abkommen und weiteren Dingen entstanden, wäre meine Mutter zufällig ausgewandert, dann hätte ich eine andere Staatszugehörigkeit. Ich fühl mich an dem Ort wohl, an dem die Menschen sind, die ich liebe, an dem ich mich auskenne und an dem ich ein schönes Leben verbringen kann. Über die Relevanz oder den Nutzen von Patriotismus darf man streiten, allerdings ist es (solange es bei Patriotismus bleibt!!!) nichts Gefährliches. Burger (welcher übrigens Philipp und nicht Peter heißt ;-)) hat in einem Interview mit einem Schweizer Online(?)-portal (sinngemäß) gesagt, dass es durchaus sinnvoll sei. Wenn jemand Liebe für ein Land empfinde, dann täte er auch viel lieber etwas für das Land. Man ginge lieber arbeiten, man wolle die Umwelt weniger verschmutzen, man engagiere sich mehr sozial usw. Das war meiner Meinung nach wieder eine gut überlegte und intelligente Äußerung!

    Antinationales Denken ist eine Meinung. Eine Meinung die nicht jeder vertreten muss, wenn sich irgendwann einmal die Mehrheit dafür entscheiden würde, dann müsste ich mich als zufriedener Demokrat fügen. Allerdings stört mich die Haltung so mancher Menschen respektive linker Gruppierungen was Toleranz betrifft. Für diese Zwecke hat man doch den Begriff „Grauzone“ herangezogen. Man kann jemandem keine rechtsextreme Gesinnung nachsagen, aber er vertritt dennoch nicht die Meinung verschiedener Menschen. Da es einfach nicht eindrucksvoll und gefährlich klingt, wenn man so vor Frei.Wild warnt:“ Das sind Patrioten, das schlägt sich mit unserer Weltanschauung“. Ich bin mir im Klaren, dass das pauschale Unterstellungen sind, aber bei vielen treffen diese durchaus zu! Man kann nicht Toleranz predigen, sie aber selbst nicht einhalten und eine Meinung die man nicht teilt, als gefährlich und verwerflich darstellen. (Ich rechne es Ihnen sehr hoch an, dass Sie eben diese Dinge nicht gemacht haben) für manche Menschen ist die Heimat durchaus ein wichtiger Aspekt im Leben, manche brauchen (!) es schon fast, sie wollen sich irgendwo zugehörig fühlen, da ist dann auch nichts Schlimmes daran.- solange man kein Menschenfeind wird und verschiedene Kulturen, Religionen und Völker abwertet!

  4. Anonym says:

    „Linke, die die Wertschätzung grundlegend ablehnen…“

    Das war unverständlich ausgedrückt, ich meinte, dass man nicht von sich behaupten kann, ein Gegner der Klassengesellschaft zu sein, aber im nächsten Moment, es als nötig empfinden, zu erwähnen aus welcher „Gesellschaftsschicht“ (mich widert dieses Wort sehr an, deswegen steht es unter Anführungszeichen) jemand stammt!

    • Lieber Kommentator.
      dass es sich bei den aggressiv-nationalistischen Frei.Wild-Fans um jüngere handelt, leuchtet mir spontan ein, schließlich eignet sich diese Haltung zum Einen zur Provokation und mag zum Anderen Wissen um die Vergangenheit Phillipp (ich weiß auch nicht, warum ich Peter geschrieben habe) Burgers dazu beitragen, seinen Abgrenzungen größere Bedeutung zuzumessen als wenn man nichts davon weiß – denn es ist natürlich etwas anderes, wenn ein Ex-Nazi angibt, die Ideologie, der er selbst angehangen hat, zu hassen, als wenn dies ein Nationalchauvinist tut, der die Abgrenzung nur als Floskel bemüht, um Kritik aus dem Weg zu gehen. Dass das von mir in einem früheren Antwortkommentar verlinkte Interview, in dem Philipp Burger sinngemäß sagte, auch Nazis könnten auf Frei.Wild-Konzerte kommen, solange sie sich gut benähmen, aber es gefiehle ihnen wahrscheinlich nicht, gelöscht ist, kann man ja auch als Zeichen einer gesteigerten Sensibilität sehen – zumindest, wenn er oder die Band die Löschung veranlasst haben). Es wäre ja zu hoffen, dass Frei.Wild die Abgrenzung besser hinbekommt, als die Böhsen Onkelz, bei denen aus meiner Sicht ein zentrales Problem immer darin bestand, dass sie sich zwar später gegen Nazis ausgesprochen haben, dass aber der Hass auf Nazi-Gegner oft gleich mitbesungen wurde (etwa in „Ohne mich“) und sie sich – vielleicht auch aus einer Unbeugsamkeits-Ästhetik heraus – nie zu einem „Ihr hattet recht und wir unrecht“ hinreißen konnten. Darin tun sich, scheint mir, auch Frei.Wild manchmal noch recht schwer.
      Der Begriff „Grauzone“ erschien zu Beginn der Debatte ja als durchaus sinnvolle Differenzierung, auch im Sinne einer solidarischen Kritik, um Bands und Konzertveranstalter darauf aufmerksam zu machen, dass sie – möglicherweise ohne es zu wollen – ihre Fans mit rechtsradikalen Ideen vertraut machen, etwa indem man mit entsprechenden Bands zusammen auftritt. Zunächst gab es ja auch einige Bands, die diese Anregungen mit expliziten Distanzierungen aufgenommen haben, aber mittlerweile scheinen die Fronten doch recht verhärtet zu sein, etwa wenn von „Grau-/Braunzone“ die Rede ist, was ja kein Diskussionsangebot mehr darstellt.
      Wahrscheinlich treffen hier auch oft zwei unterschiedliche Milieus aufeinander, die sich letztlich kaum verständigen können oder wollen: Ein dezidiert intellektuell auftretendes (oft urbanes/studentisches), dessen Angehörige Freude an der Zuspitzung haben, und eines, das Werte wie Stolz (auf alles Mögliche, darunter eben auch oft auf das eigene Land) und Authentizität kultiviert (das soll keine Paraphrase einer intelligent/unintelligent-Differenzierung sein, es geht mir eher um Stilfragen). Dass Linksintellektuelle oft ein schwieriges Verhältnis zu solchen traditionell proletarischen Lebensformen haben und dabei zuweilen zwischen devoter Arbeitertümelei und arrogantem Avantgardebewusstsein hin- und herwechseln, lässt sich auch historisch beobachten.
      Deshalb ist es vielleicht wirklich an den älteren Frei.Wild-Fans , sich aufklärend der nachfolgenden Alterskohorten anzunehmen (das Rockkonzert als Ort pädagogischer Bemühungen wäre doch auch mal etwas Schönes).

      In diesem Sinne grüßt Sie freundlich

      Martin Rehfeldt

      • Anonym says:

        Das von Ihnen verlinkte Video, kenne ich. Für mich war dieses Interview der Moment an dem ich an Burgers Distanzierung nicht mehr gezweifelt habe. Es klang ehrlich und aufrichtig. Zu dem Nazi-Thema: Um Himmels Willen, als er das sagte, wäre ich gerne in sein geliebtes Brixen gekommen und hätte ihm die Ohren lang gezogen! Auch Jahre später, empfinde ich diese Aussage als absolut widerlich. Aber im Kern der Aussage meinte er wohl, dass JEDER akzeptiert werde. Allerdings glaube ich nicht, dass Normalos (wie ich) ein Konzert mit menschenfeindlichen Idioten feiern wollen (umgekehrt wohl auch nicht). Genauso wenig bin ich der Meinung, dass man der Intoleranz Toleranz zollen sollte, denn ich will sie doch nicht in dem was sie tun auch noch bestätigen und in weiterer Folge ermutigen. Allerdings glaube ich wohl, dass Herr Burger der ist der am besten weiß, was es heißt in so eine Szene hineingezogen zu werden. Wissen Sie, die wahren und überzeugten Nazis sind, soweit ich das beobachten kann, nicht die Jugendlichen. (Auch Burger wandelte im Alter von 15-19 Jahren aktiv in dieser Subkultur) Ich denke bei diesen kleinen Jugendlichen steckt vor allem der Wunsch nach Provokation, Gruppenzwang, fehlendes (Geschichts)wissen, Gehirnwäsche und Naivität dahinter. Ich will die Gefahr ebensolcher Jungendlichen nicht herunterspielen, auch sie können viele Menschen kränken und, wie man leider oft erfährt, auch physisch verletzen. Allerdings empfinde ich es dann nicht unbedingt als unglaubwürdig, wenn sich jemand in reiferem Alter davon distanziert und sich dafür entscheidet seine Springerstiefel und Bomberjacken zu verbrennen. Vielleicht war in der Aussage Mitleid/ Verständnis enthalten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es besonders schön ist, aus so einer Szene wieder auszusteigen, also denke ich, dass Burger diese Qualen (des Ausstiegs) wohl kennt und am eigenen Leib erlebt hat. Ich habe den Kontakt zu solchen Personen schon in meiner Jugend gemeidet und kenne deswegen auch „keine Aussteiger“, habe aber mehrmals Dokumentationen gesehen, welche von diesem Thema handelten. Man wird in dieser Szene wohl offenbar sehr schnell als „Verräter“ geächtet, deswegen kann ich mir kaum vorstellen, dass ein wahrer Nationalsozialist gerne die Musik von Frei.Wild lauscht. Ich glaube eher, dass Burger von ihnen angefeindet wird.

        Sie haben komplett Recht, wenn Sie sagen, dass es in der Verantwortung der Band, aber sicher auch in der der Fangemeinde liegt, den Jugendlichen deutlich zu machen, wofür die Band steht und was die Lieder bedeuten.
        Im folgenden beiden Videos tätigt Burger einerseits eine mehr als nur klar Aussagen und andererseits erklärt er zusätzlich das Lied „wahre Werte.“

        Um jetzt ´mal davon wegzugehen, ob Burgers Distanzierung glaubwürdig ist, wir Fans glauben daran. (Vielleicht irre ich mich, vielleicht sitzt er in dem Moment zu Hause und gibt rechtsextreme Dinge von sich) Aber wir Fans glauben zu 100% daran, damit möchte ich sagen, dass Band und Fangemeinde nicht eine rechte Organisation sind, die nur vorgeben sich im politisch korrekten Spektrum zu bewegen. Die Jugendlichen glauben ebenso wie ich daran, dass Burger kein Nazi ist und wie Sie es gesagt haben, Burger obliegt einer großen Verantwortung und all diese Jugendlichen empfinden seine Distanzierung als glaubwürdig. Ich lese meistens nur Kommentare: „Er ist kein Nazi, er hasst Nazis, singt er doch immer“ ich lese NIE:“Er ist zwar ein Nazi, aber das ist ok.“ Das heißt, man könnte möglicherweise darüber nachdenken, ob Frei.Wild, speziell Philipp nicht sogar dazu beitragen, möglicherweise gefährdete Jugendliche auf dem richtigen Weg zu behalten, denn schließlich „mag der „Fips“ ja auch keine Nazis.“

        Ob man Philipps Läuterung als glaubwürdig empfindet, sei jedem frei überlassen. Es gilt meiner Meinung nach: „Wer sich einmal mit dem braunen Mist beschmiert, wird ewig danach stinken“. Das heißt, man muss damit rechnen sich ewig dafür rechtfertigen zu müssen und das ist auch gut so, denn so etwas Menschenverachtendes darf nicht akzeptiert werden und gegen so etwas muss vorgegangen werden. Ich glaube daran, dass Philipp den Anstand besitzt, nicht eine gesamte Fangemeinde (die mittlerweile aus weit über 100 000 Menschen besteht) anzulügen. Wie Sie sehen, hinterfrage ich sehr kritisch was Frei.Wild betrifft und wie ich gerade an Ihnen entdecke, gibt es tatsächlich Leute, die in der Lage sind auch Frei.Wild+ Fans objektiv und fair zu betrachten.

      • Anonym says:

        Wie scheint, war die Höchstzahl an Zeichen bereits ausgeschöpft, ich hätte aber noch einiges zu schreiben. Ich möchte jetzt nicht sagen: „die anderen Bands sind doch auch böse“. Aber ich verweise darauf, dass ich persönlich in vielen anderen Bands einfach die größere Gefahr sehe (unabhängig davon, ob man Frei.Wild mag oder auch nicht). Spezifisch „die Ärzte“ bereiten mir Sorgen (obwohl ich diese Band gerne höre und auch schon Konzerte besucht habe). Da gibt es diesen Song, welchen sie von den „Buttocks“ gecovert haben. Dieser Songt nennt sich BGS. Der Refrain lautet wie folgt: „Hängt die Bullen auf, röstet ihre Schwänze….“ Da lobe ich mir „die toten Hosen“, welche sich im Liedgut immer schön von rechts distanziert haben, allerdings auch nicht zum „Aufhängen von Bullen“ aufgefodert haben. (soweit ich weiß)

        Mit den „böhsen Onkelz“ haben Sie jetzt ein langwieriges Thema aufgetan. Vorab möchte ich sagen, dass ich mich in die Onkelz niemals hineinfühlen konnte, das heißt, ich hatte niemals einen Bezug zu ihnen, weder musikalisch noch auf „menschlicher“ Ebene. Sicherlich, es gab dieses und jenes Lied, welches ich gerne gehört habe, aber mehr auch nicht! Ich war auf einem einzigen Konzert, um mir ein eigenes Bild von den Fans zu machen und konnte erkennen, dass tatsächlich keine erkennbaren rechtsgerichteten Personen anwesend waren. Allerdings muss man sagen, dass die Onkelz in der Jugend als PUNKband angefangen habe und erst dann zu rechten Skinheads mutiert sind. Damit meine ich, dass sie sich wohl gedreht haben „wie das Fähnchen im Wind“. Die Distanzierungen waren immer so eine Sache, da war der notorische Drang von Herr Weidner immer Recht behalten zu müssen und dass er der Gruppenkopf war, ist auch klar. Pes, Stephans und Gonzos Distanzierungen halte ich für sehr glaubhaft. Bei Kevin zweifel ich das stark an. Es gab auch Gerüchte (nach diesem schrecklichen Autounfall im Jahr 2010), dass bei ihm rechtsextreme Symbole gefunden wurden. Inwiefern ich das glauben soll, weiß ich nicht, denn man muss auch zugeben, dass die Medien an den Onkelz ein „gefundenes Fressen“ hatten. (Sicherlich in manchen Punkten zurecht). Allerdings finde ich, dass das was man diesen 4 Menschen in den Jahren ihres Bestehens als Band teilweise menschenunwürdig war. Man hat sie von vornherein immer als lächerlich eingestuft, ihr Musikschaffen als „Prollrock“ abgewertet, bei Awardverleihungen stets gehetzt. Vielleicht erinnern Sie sich noch an die Ansagen von Viva und MTV, wenn die böhsen Onkelz in die Charts eingestiegen sind? Hier mal ein Beispiel:

        Ich kann mich nicht erinnern, diese Menschen jemals richtig glücklich aussehend gesehen zu haben. Das war dann meines Erachtens zu viel des Guten bzw. des Schlechten. Das tat dann selbst mir, als Nicht-Fans, im Herzen weh. Allerdings denke ich, dass die BO niemals so groß geworden wäre, wenn sie sich nicht in die Opferrolle hineinspielen hätten können. Das alles war doch mehr „Gratiswerbung“ und hat doch in weiterer Folge nur den Protest der Leute geweckt. Nicht umsonst sind beim Abschiedskonzert sofort 100 000 Karten verkauft gewesen, während weitere 60 000 am Campingplatz gewartet haben.

        Frei.Wild wäre ohne diese Medienpräsenz auch lang nicht so erfolgreich, ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass auch nur einer der 4 ein Virtuose wäre 😉

      • Anonym says:

        Um eines noch hinzuzufügen, auf Frei.Wild-Konzerten ist das Bersucherbild (ob man es glaubt oder nicht) sehr vielfältig.
        Selbst die „süddeutsche Zeitung“ (welche nun wirklich keine große Sympathie für Frei.Wild hegt) musste das zugeben. Als eine Journalistin sich unter das Publikum von Frei.Wild mischte, musste sie folgendes schreiben:

        „Tatsächlich dürfte das Publikum, das sich am Samstagabend zum Frei.Wild-Konzert im Münchner Backstage eingefunden hat, zum Großteil unpolitisch sein. Es finden sich denn auch kuriose Sympathiebekundungen: Einer der jungen Konzertbesucher kombiniert sein Böhse-Onkelz-Shirt mit einem Ché-Guevara-Button. Stocker sagt, es gehe ihm bei solchen Konzerten auch darum, die Jugend abzuholen. „Wir haben unsere Standpunkte, wir bilden Freiräume und da gibt es auch Grauzonen“, sagt er. Es sei ihm wichtig, sein Publikum nicht in eine Ecke zu stellen, keine Ghettoisierung zu betreiben.

        Quelle: http://www.sueddeutsche.de/muenchen/muenchen/konzerte-im-muenchner-backstage-problematische-patrioten-1.1024261

        Der Rest des Artikels handelt wieder von jenen Dingen, die Sie und ich gerade debattieren.

  5. ZeugJeh says:

    Lieber Verfasser,
    eines schönes Herbstes war ich in Irland und habe dort alte Lieder mitgesungen, bei derer Übersetzung Sie das kalte Grauen packen würde.. Wenn jemand zu dumm ist und nicht realisiert, dass er als Deutscher keiner Minorität angehört, tut er mir leid, aber da trägt die Band keine Schuld.-Auch wenn sie sonst (wie Sie schreiben) in allen Bereichen ein Identitätsangebot darstellt. Ich glaube kaum, dass sich ein Deutscher zu einem Südtirol-Patriotismus hinreißen lässt. Diese Band dementiert die nationalistische Verortung und ihre Fans scheinen ihnen offensichtlich abzunehmen, dass es nur Patriotismus ist. D.h. im Endeffekt ziehen sie aus den Liedern nur Patriotismus, auch wenn der Autor dieser Band etwas Anderes impliziert. Ich lese Kommentare á la „Sie lieben nur ihr Land“. Von daher sehe ich nicht die geringste Gefahr.
    Liebe Grüße!

    • Lieber Kommentator,

      wie in meinen Antworten auf die vorangegangenen Kommentare anderer Leser dargelegt, kann ich mich durchaus mit der These anfreunden, dass die Mehrheit der Frei.Wild-Fans eine Differenzierung zwischen (verständlichem) Minderheitennationalismus und (für andere Minderheiten bedrohlichem) Mehrheitsnationalismus vornimmt. Jedoch zeigen u.a. manche Kommentare zu Youtube-Videos eben auch, dass es Fans gibt, die diese Unterscheidung nicht vornehmen. Es wird sich wohl in den nächsten Jahren zeigen, ob es Frei.Wild und den nicht-nationalistischen Fans der Band gelingt, sich dauerhaft klar gegen völkische und nationalistische Positionen, die, wie ausgeführt, hier und da noch in den Texten identifizierbar sind, abzugrenzen, oder ob man sich in die Nische der Unverstandenen zurückzieht.

      Beste Grüße

      Martin Rehfeldt

  6. Nico says:

    Das Problem ist eben, dass auf der einen Seite tatsächlich (davon bin ich überzeugt) die Mehrheit der Leute die Texte richtig versteht, und nicht auf hanebüchene Ideen kommt, von wegen man müsse seine Kultur in andere hineinmissionieren, um es mal so auszudrücken. Dass sich dann natürlich diese Mehrheit der Fans darüber aufregt, dass sie mit Leuten in Verbindung gebracht werden, deren Meinung sie nicht teilen oder auch vehement widersprechen, ist normal und legitim.
    Dass Kritiker dennoch immer wieder auf diese vorhandenen Tendenzen hinweisen, ist aber ebenso verständlich. Weil jede der gefährlichen Ansichten potenziell (gefährlich wird eine Ansicht mMn dann, wenn sie zu einer Handlung führt, die jemand anderem in irgendeiner Art und Weise Schaden zufügt) verheerenden Schaden anrichten kann, siehe (man möge mir den Vergleich verzeihen) Breivik.

    Wie es denn in Zukunft aussehen wird, wer sich „durchsetzen“ wird,
    und das kann man durchaus auch nicht nur auf Frei.Wild -Fans beziehen, sondern auch auf jede beliebige Gruppe,
    weiss man nicht. Noch habe ich allerdings die Hoffnung, dass Albert Einstein Unrecht hatte, als er sagte:
    „Zwei Dinge sind unendlich. Das Universum und die menschliche Dummheit. Aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“

    • ZeugJeh says:

      Ich finde auch Ihre Argumente bezüglich der Verweisung auf die Autonomie des Kunstwerks gut, allerdings hat mich Herr Rehfeldts Text doch in gewisser Hinsicht zum Nachdenken angeregt. Die meisten Artikel , die von Frei.Wild handeln, finde ich sehr erheiternd und kurz gesagt erbärmlich, da die Verfasser eben nicht auf den Sonderstatus und auf die gegenwärtige Situation der besungenen Region Bezug nehmen und das ist mMn falsch. Herr Rehfehldts (man berichtige mich, wenn ich falsch denke) Sorge liegt auch nicht auschließlich auf dem Liedgut, da er eben schon auf die Historie eingegangen ist, sondern eher darauf, dass manche Leute gar so dämlich sein könnten, um diesen Minoritätsnationalismus auf Deutschland zu beziehen. Diese Befürchtung dürfte auch nicht so unbegründet sein, da Frei.Wild v.a. für die deutsche Jugend unbestrittenerweise ein gewisses Identifikationsangebot darstellt. Mein Gegenargument wäre allerdings, dass die Jugendlichen diesen Minoritätsationalismus nicht wahrnehmen und aus dem Lied im Endeffekt nur Patriotismus filtern. Im Hause Frei.Wild streitet man nationalistische Züge – die ich, wie oft gesagt, in Anbetracht auf den Minderheitenstatus legitimiere – vehement ab und auch die Fans zeigen sich über deartige Anschuldigungen empört. Wie es jetzt auch schon angesprochen wurde, ist es auch mMn. nach nicht wichtig, was der Autor meint/impliziert, sondern was die Leute daraus machen. Da Frei.Wild im letzten Absatz subtil auf die Geschichte verweisen, (>unsere Heimat hat drunter gelittenDa kommen irgendwelche Leute, meist aus Deutschland, die uns fragen „seid ihr wahnsinnig? Wie könnt ihr so etwas singen? Spinnt ihr?“ Dann sage ich „was willst du von mir? Du weißt doch gar nicht, wie es bei uns in Südtirol ist!“<
      Ich stimme Ihnen somit eigentlich gänzlich zu.

      • ZeugJeh says:

        Da Frei.Wild im letzten Absatz subtil auf die Geschichte verweisen und damit in gewisser Hinsicht auch den Text rechtfertigen, denke ich schon, dass die breite Masse wahrnimmt, dass man hier unbedingt differenzieren muss. Auch bei den Live-Auftritten verweist man des Öfteren auf den Sonderstatus, eine Ansage lautete wie folgt:“Da kommen irgendwelche Leute, meist aus Deutschland, die uns fragen “seid ihr wahnsinnig? Wie könnt ihr so etwas singen? Spinnt ihr?” Dann sage ich “was willst du von mir? Du weißt doch gar nicht, wie es bei uns in Südtirol ist!”<
        Ich stimme Ihnen somit eigentlich gänzlich zu.

  7. Pingback: “Immer mitten in die Fresse rein”. Zur Frage der Gewaltverherrlichung in „Ein Song namens Schunder“ von Die Ärzte und „Rache muß sein“ von Frei.Wild | Deutsche Lieder. Bamberger Anthologie

  8. Berndgillessen says:

    Auf Südtirol muss man stolz sein, wenn man dort leben darf. Das schönste land der Welt

Hinterlasse einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: